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em. Univ.-Prof. Dr. H. Peter Holzer, M.S., CPA

Peter Holzer
Peter Holzer

Emeritus

Nachruf auf Peter H. Holzer,
† 1. November 2018

Am 1. 11. 2018 hat uns ein Mensch verlassen, der auf alle, die ihn kannten, einen unvergesslichen Eindruck, sowohl als Mitmensch und Freund als auch als Wissenschaftler, machte. Peter Holzer starb mit 92 Jahren in Vorau, einem kleinen Ort in der Oststeiermark, in dem er betreut von seiner Frau Trude seine letzten Lebensjahre verbrachte. Er wurde am 25. 10. 1926 als Sohn eines Gymnasialprofessors für Altgriechisch und Latein geboren und auf den Namen Hellfried Peter getauft. Er gehörte zu jenen Jahrgängen, die man bereits in frühester Jugend in den Krieg schickte. In der Normandie von den Amerikanern gefangen genommen, wurde er zunächst nach England geflogen, nach Amerika verschifft und anschließend nach Frankreich zurückgebracht, um auf dem Weg nach Österreich fast zu verhungern. Mit 18 Jahren zurückgekehrt, studierte er unmittelbar an der Hochschule für Welthandel (die heutige Wirtschaftsuniversität), an der er 1951 den akademischen Grad eines Doktors der Handelswissenschaften erlangte. Während seines Studiums frönte er einer sportlichen Leidenschaft, dem Eishockey, für das er auf der zugefrorenen Mur und den Gösserteichen von Leoben trainierte. Er war so gut, dass er 3 Jahre in der österreichischen Nationalmannschaft und in der Folge 1 Jahr als Profi in Italien tätig war.

Seine Begabung lag aber nicht nur im Sport. Er hatte ein überragendes Sprachgefühl. Französisch, das er im Gymnasium und Englisch, das er vor allem in der Kriegsgefangenschaft lernte, beherrschte er wie seine eigene Muttersprache. Seine Sprachbegabung, die eine der Grundlagen seiner internationalen Berufslaufbahn darstellte, zeigte sich auch darin, dass er, nachdem er nach einem fast 40 Jahre währenden Aufenthalt in den USA nach Österreich zurückgekommen war, seine Heimatsprache (gleichgültig ob den steirischen Dialekt oder die Hochsprache) ohne den leisesten amerikanischen Akzent sprach. Noch während seines Studiums war er im Jahre 1949 als Dolmetsch bei der US-Militärregierung in Österreich tätig. 1952 kam er als Dolmetsch für die Wirtschaftskammer zum zweiten Mal in die USA, wo er 1953 sein Studium an der University of Illinois in Champaign-Urbana begann. Der Beginn seines Studiums in Champaign-Urbana brachte auch eine Änderung seines Rufnamens mit sich. Wie er gerne erzählte, übernahm er an die Stelle des bisherigen Hellfrieds seinen zweiten Namen Peter, da Hellfried in das Englische übersetzt „gebraten in der Hölle“ bedeutet. Den Namen Peter trug er bis zu seinem Tode.

Seine Studienerfolge waren so beeindruckend, dass ihm unmittelbar nach Beendigung des Studiums im Jahre 1956 von der University of Illinois eine Professur für das Rechnungswesen angeboten wurde, die er in der Folge bis 1991, dem Jahr seiner Pensionierung ausübte. Er trug durch seine Forschungs- und Lehrtätigkeit wesentlich dazu bei, dass diese Universität auf dem Gebiete des internationalen Rechnungswesens einen Spitzenplatz in den USA erreichte. Neben seiner Tätigkeit als Professor der University of Illinois wirkte Peter Holzer als Gastprofessor an der Faculty of Business Administration in Bangkok (1968 – 1970), wo er maßgeblich am Aufbau einer Business School beteiligt war, an der Universität Tunis (1970 – 1974), wo unter seiner Leitung eine Business School errichtet wurde, an der Technischen Universität Berlin (1980 – 1981) sowie am Institut Européen des Aff airs Fontainbleau. Darüber hinaus hielt er Gastvorlesungen an zahlreichen deutschen und österreichischen Universitäten. Sein Wissen und seine Fähigkeit, dieses Wissen weiterzugeben und in die Praxis zu übertragen, waren auch der Grund dafür, dass Peter Holzer im Auftrag verschiedener Institutionen (Weltbank, Entwicklungshilfe der UNO) für eine Reihe von Staaten als Konsulent zur Einführung bzw Verbesserung des Rechnungswesens tätig war. Zu den Stationen dieser Tätigkeit gehören unter anderem Thailand, Tansania, Korea, Philippinen, Indonesien, Sudan, Malawi, Madagaskar und China (Xiamen).

Peter Holzer war CPA (Certifi ed Public Accountant) in den USA und Mitglied einer Reihe internationaler wissenschaftlicher Organisationen. Er ist Verfasser von mehr als 100 Aufsätzen in renommierten amerikanischen, deutschen, österreichischen und asiatischen Fachzeitschriften und Co-Autor mehrerer Monographien, in denen er seine Erfahrungen und Forschungsergebnisse auf den Gebieten des internen und externen Rechnungswesens und deren Weiterentwicklung wiedergab und damit viel zur Entwicklung des Rechnungswesens beitrug. Die Konfrontation des kontinentaleuropäischen zum angloamerikanischen Rechnungswesen gehörte zu seinen Forschungsbereichen. Nach seiner Pensionierung im Jahre 1991 in den USA wirkte Peter Holzer zunächst acht Jahre als vollbeschäftigter Gastprofessor und in der Folge bis zu seinem Tode als Lehrer und Forscher am Institut für Revisions-, Treuhand- und Rechnungswesen der Wirtschaftsuniversität. In dieser Zeit hat Peter Holzer viel zur Internationalisierung der Forschung und Lehre des Faches Rechnungswesen beigetragen und damit geholfen, den Ruf des Instituts maßgeblich zu steigern. Er hat eine große Zahl von Absolventen zum Magisterium und zum Doktorat begleitet. Seinen Studenten gegenüber war er ein großer und gütiger Lehrer. Seine Schüler verehrten ihn. Er selbst sagte von sich, dass die beiden schönsten Teile des Jobs darin bestünden, dass die Studenten immer jung blieben und er als Lehrer viel von seinen Studenten lernen könne.

Wir, das sind alle Mitarbeiter des Instituts für Revisions-, Treuhand- und Rechnungswesen, sowie jene Professoren und Studenten, die mit ihm arbeiten durften, betrauern einen großartigen Freund und Menschen, den wir sehr vermissen, aber nicht vergessen werden.

- Anton Egger

Quelle: rwz.lexisnexis.at (06.02.2019)