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Ökonomen warnen: Protektionismus ist langfristig schädlich

Die aktu­ellen Entwick­lungen wie den Ausstieg der USA aus dem Transpa­zi­fi­schen Handels­ver­trag, die Ankün­di­gung eines soge­nannten „Hard Brexit“ von Theresa May und das Volks­be­gehren gegen „TTIP-Ce­ta-un­d-­Tisa“ sehen die WU-Pro­fes­soren Harald Badinger, Jesus Crespo Cuaresma und Harald Ober­hofer äußerst kritisch. Frei­handel sei auch eine Grund­frei­heit und habe gerade für die öster­rei­chi­sche Volks­wirt­schaft mehr Vorteile als Nach­teile gebracht, so die Ökon­omen.

Öster­reich konnte in den vergan­genen Jahr­zehnten von der Mitglied­schaft bei der Euro­päi­schen Frei­han­delsas­so­zia­tion, dem Beitritt zur EU und der damit einher­ge­henden Teil­nahme am euro­päi­schen Binnen­markt,  und der EU-O­st­öff­nung massiv profi­tieren. Der Handel wuchs, Exporte stiegen stärker als Importe, neue Arbeits­plätze konnten geschaffen werden und das Pro-­Kopf-­Ein­kommen der Öster­rei­che­rInnen stieg an. So ist der Anteil der öster­rei­chi­schen Exporte an der gesamten Wert­schöp­fung von 1995 bis 2015 von 33,6% auf 53,4% gestiegen. Im selben Zeit­raum hat sich die Import­quote von 34,8% auf ledig­lich 48,9% erhöht. Modell­rech­nungen legen ferner nahe, dass die EU-Mit­glied­schaft das Wachstum der öster­rei­chi­schen Volks­wirt­schaft um 0,5 bis 1 Prozent­punkte pro Jahr erhöht hat. Die zusätz­li­chen Einkommen können wiederum in inlän­di­sche Produkte aber auch in die für Öster­reich aufgrund seiner geringen Größe wich­tigen Importe inves­tiert werden. Die begrenzten Ressourcen machen es notwendig, viele Produkte, wie Mobil­te­le­fone, Autos und vieles mehr, zuzu­kaufen. Die Profes­soren Harald Badinger, Jesus Crespo Cuaresma und Harald Ober­hofer vom Depart­ment Volks­wirt­schaft der WU sind sich einig, dass der Frei­handel aus ökon­o­mi­scher Sicht viele posi­tive Effekte mit sich bringt und warnen vor zu viel Protek­tio­nismus für nich­t-­wett­be­werbs­fähige Bran­chen.

Konsu­men­tInnen profi­tieren am meisten

Gerade für Konsu­men­tInnen ergeben sich durch den freien Handel viele Vorteile: Mehr Wahl­mög­l­ich­keit in den Geschäften und güns­ti­gere Preise durch stei­genden Wett­be­werb. „Entschei­dend ist, dass Konsu­men­tInnen die Wahl haben: Eine ausge­prägte Kenn­zeich­nungs­pflicht, muss sicher­stellen, dass Menschen nur jene Produkte kaufen, die sie auch wirk­lich wollen und die ihren Vorstel­lungen entspre­chen. Selbst ohne Regu­lie­rung kann es zu nied­ri­geren Stan­dards nur dann kommen, wenn diese auch nach­ge­fragt werden“, so die WU-Pro­fes­soren.

Wett­be­werbs­fäh­ig­keit entschei­dend

Halten Unter­nehmen dem Druck des Frei­han­dels nicht stand, liegt dies meist an ihrer mangelnden Konkur­renz­fäh­ig­keit. Crespo Cuaresma, Badinger und Ober­hofer iden­ti­fi­zieren dabei auch nicht gene­rell die Markt­öff­nung, sondern die fehlende Wett­be­werbs­fäh­ig­keit als Ursache. „Natür­lich können nicht wett­be­werbs­fähige Bran­chen seitens der Politik geschützt und so eine Zeit lang am Leben erhalten werden – wie es aktuell auch in den USA versucht wird. Lang­fristig wird diese Abschot­tung von den Märkten Inno­va­tionen und Effi­zi­enz­stei­ge­rungen hemmen, die Folge sind zu hohe Preise für die Konsu­men­tInnen. Auch werden hier­durch die Arbeits­plätze in diesen Sektoren lang­fristig nicht gesi­chert“, so die Ökon­omen.

Welt­weite Armut gesunken

Nicht bestä­tigen können die WU-Wis­sen­schaftler das Argu­ment, dass die ärmeren Volks­wirt­schaften auf der Welt durch Frei­handel ausge­nützt werden und jeden­falls verlieren. Der direkte Zusam­men­hang zwischen inter­na­tio­nalem Handel und pro-­Kopf Einkommen macht deut­lich, warum das welt­weite Handels­wachstum zur Reduk­tion der welt­weiten (abso­luten) Armut in den letzten Jahr­zehnten beige­tragen hat. Aktu­ellen Berech­nungen zur Folge führt eine Ausdeh­nung des Handels­vo­lu­mens um einen Prozent­punkt gemessen an der Gesamt­wert­schöp­fung zu einer durch­schnitt­li­chen Reduk­tion der abso­luten Armut um 0,17 Prozent­punkte. Eine Senkung der Zoll­sätze um einen Prozent­punkt redu­ziert durch­schnitt­lich den Anteil an Personen, die unter­halb der abso­luten Armuts­grenze liegen um 0,4 Prozent­punkte.

Pres­se­kon­takt:
Mag. Anna Maria Schwen­dinger
PR-Re­fe­rentin
Tel: + 43-1-31336-5478
E-Mail: anna.schwen­din­ger@wu.ac.at

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