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Lastenfahrrad und/oder Kleintransporter? Berechnungen bringen erstmals Klarheit

Das Lastenrad als städ­ti­sches Trans­port­mittel gilt als die Zukunfts­hoff­nung vieler Städ­te­pla­ne­rInnen. Erste Projekte mit den bela­denen Bikes sind auch auf Wiens Straßen bereits zu sichten. Dennoch blieb bislang unklar, wie die besten logis­ti­schen Lösungen für verschie­dene Städte in der Praxis tatsäch­lich aussehen. Nicht für alle Güter­trans­porte und Stadt­struk­turen ist das Rad perfekt zum Trans­port. Insbe­son­dere die bislang nicht einkal­ku­lierte Synchro­ni­sa­tion von LKWs mit den Lasten­rä­dern, die bei zwei­stu­figen Logis­tik­pro­zessen notwendig ist, stand der Lösungs­fin­dung im Weg. Abhilfe schafft nun erst­mals die Forschung von Assis­tenz­pro­fes­sorin Vera Hemmel­mayr am Institut für Trans­port­wirt­schaft und Logistik der WU. Sie entwi­ckelte gemeinsam mit ihren Kolle­ginnen Alex­andra Anderluh (WU) und Pamela Nolz (AIT) einen Algo­rithmus, der sich dieser Heraus­for­de­rung annimmt.

2017 lebt schon mehr als jeder zweite Mensch welt­weit in einer Stadt, Tendenz weiter stei­gend. Nach Schät­zungen der OECD wird bis zum Jahr 2100 rund 85 Prozent der Welt­be­völ­ke­rung in Städten leben. Um derar­tige Ballungs­zen­tren zukünftig effi­zient und umwelt­freund­lich mit Gütern versorgen zu können, beschäf­tigt sich WU-Wis­sen­schaft­lerin Vera Hemmel­mayr unter anderem mit der Frage, wie sich nach­hal­tige Lösungen für den Güter­trans­port in der Stadt finden lassen. Dabei gilt es nicht nur die besten Wege zu finden, sondern auch nega­tive Auswir­kungen von Trans­port auf Sicher­heit, Umwelt und auch Stau­bil­dung sollen berück­sich­tigt werden. City­-­Lo­gistik nennt sich der Forschungs­be­reich, in dem Vera Hemmel­mayr forscht. Sie arbeitet an der Entwick­lung von Algo­rithmen, soge­nannten Meta­heu­ris­tiken, mit denen Logis­tik­sze­na­rien in der Stadt iden­ti­fi­ziert und gelöst werden können. „Die beste Lösung für den jewei­ligen Ballungs­raum zu finden, ist sehr komplex, höchst aufwendig und lang­wierig. Wir haben daher für verschie­dene Szena­rien Algo­rithmen entwi­ckelt, um sie vergleichbar zu machen. So haben Städ­te­pla­ne­rInnen die Mögl­ich­keit, diese Szena­rien in ihrer Stadt durch­zu­spielen, um die beste Lösung für sich zu finden“, erklärt Hemmel­mayr. Auch in Wien ist City Logistik zum wich­tigen Thema geworden, wie aktu­elle Konfe­renzen dazu deut­lich machen.

Die letzten Meter zum Ziel

Lasten­räder gelten als ein zentrales Trans­port­mittel in der Vision der Stadt der Zukunft. Aufgrund ihrer gerin­geren Reich­weite und Kapa­zität sind sie im Einsatz von großen Distanzen, wie vom Depot am Stadt­rand bis zu den KundInnen im Stadt­zen­trum, inef­fi­zient. Hierfür benö­tigt es Umschlags­punkte, an denen Ladungen von größ­eren Fahr­zeugen auf die Lasten­räder umge­laden und dann ans Ziel gebracht werden. Ausge­hend von dieser Idee wurden Algo­rithmen für drei Szena­rien entwi­ckelt: Das erste Szenario ist unter der Annahme, dass Lager­mög­l­ich­keiten an den Umschlags­punkten vorhanden sind. Die Waren können dort kurz­fristig zwischen­ge­la­gert werden. Im zweiten Szenario ist die Lager­mög­l­ich­keit an den Umschlags­punkten nicht gegeben. Die Liefer­wägen müssen also direkt auf die Lasten­räder umver­teilen. Dies erfor­dert eine zeit­liche und örtliche Synchro­ni­sa­tion der Vans mit den Fahr­rä­dern, erspart aller­dings im eng bebauten Stadt­ge­biet das Finden von Lager­mög­l­ich­keit. Das letzte Szenario ist die herkömm­liche Belie­fe­rungs­stra­tegie bei der nur LKWs oder Vans einge­setzt werden. Diese Stra­tegie entspricht einem Touren­pla­nungs- bzw. Vehicle Routing Problem. Durch die Arbeit von Vera Hemmel­mayr und ihren Kolle­ginnen wird es zukünftig möglich sein, die einzelnen Szena­rien für Ballungs­räume durch­zu­spielen und so die beste Lösung für eine Stadt zu finden.  

Stadt­lo­gistik 2030

„Trans­port ist essen­tiell und wichtig für jede Stadt, hat aber auch viele nega­tive Auswir­kungen wie Stau­bil­dung, Lärm und Abgase. Die Anzahl der Stadt­be­woh­ne­rinnen und -bewohner steigt, gleich­zeitig wächst auch der Online Handel, es gibt ein neues Konsum­ver­halten. Same day deli­very, also die Liefe­rung am glei­chen Tag, wird von vielen Kundinnen und Kunden gewünscht. Durch diese Entwick­lungen erwarten wir auch ein höheres Trans­port­auf­kommen“, so Hemmel­mayr, „Außerdem werden auch noch ambi­tio­nierte Klima­ziele verfolgt, wie die im Weißbuch Verkehr der EU gefor­derte im wesent­li­chen CO2 freie Stadt­lo­gistik in größ­eren städ­ti­schen Zentren bis 2030. Unter diesen Gesichts­punkten braucht es unbe­dingt Lösungen die sowohl soziale, wirt­schaft­liche als auch ökol­o­gi­sche Gesichts­punkte glei­cher­maßen berück­sich­tigen. Erste Versuche, das Lastenrad auch in Wien als ökol­o­gisch nach­hal­tiges und leises Trans­port­mittel zum Einsatz zu bringen, sind bereits gestartet.“

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Pres­se­kon­takt:
Mag. Anna Maria Schwen­dinger
PR-Re­fe­rentin
Tel: + 43-1-31336-5478
E-Mail: anna.schwen­din­ger@wu.ac.at



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