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Was hat Corona bis jetzt den österreichischen Staat gekostet?

02. August 2021

Klaus Prettner, Professor am Institut für Makroökonomie

Die Kosten von COVID-19 für den österreichischen Staatshaushalt

Die Aufwendungen für COVID-19 bezogene Hilfsmaßnahmen belaufen sich mit Stand 25.5.2021 laut Finanzministerium auf 37 Milliarden Euro (beispielsweise für die Kurzarbeit, Steuerstundungen, Umsatzersatz, etc.). Zu diesen Hilfsmaßnahmen müssen allerdings noch Einnahmeausfälle aus Abgaben eingerechnet werden, wodurch sich die Gesamtsumme erhöht. Legt man als Näherung die Zahlen der Statistik Austria für das Budgetdefizit von 2020 (und seine Differenz zum Jahr 2019) sowie die Prognosen des WIFO vom Januar 2021 für die Budgetdefizite 2021 und 2022 zugrunde, ergeben sich über einen Dreijahreszeitraum 2020-2022 insgesamt fiskalische Kosten von COVID-19 in der Größenordnung von etwa 70 Milliarden Euro.

Die gesamtwirtschaftlichen Kosten von COVID-19

Wichtig ist jedoch, dass die fiskalischen Kosten nicht den gesamtwirtschaftlichen Kosten entsprechen. Gesamtwirtschaftliche Kosten sind Produktions- bzw. Einkommensausfälle der Unternehmen und Haushalte, die ohne Pandemie nicht zustande gekommen wären. Staatliche Unterstützungszahlungen sind dagegen eine Umverteilung der Einkommen von den Steuerzahlenden zu den Unternehmen bzw. den Arbeitskräften, welche unterstützt werden. Das entsprechende Geld fließt aber wieder in den Wirtschaftskreislauf ein und ist somit gesamtwirtschaftlich nicht „verloren“. Um statt der fiskalischen Kosten die gesamtwirtschaftlichen Kosten abzuschätzen, kann als erste Näherung das aktuelle Bruttoinlandsprodukt (die Summe des Wertes aller Güter und Dienstleistungen, die in einem Land hergestellt werden, bzw. die Gesamteinkommen) mit den entsprechenden Prognosen vor dem Ausbruch der Pandemie verglichen werden. Hier ergibt sich in Österreich bis zum ersten Quartal 2021 eine Differenz von rund 33 Milliarden Euro zwischen dem Szenario ohne Pandemie und jenem mit Pandemie.

Zeitliche Perspektive, Unsicherheiten und Gestaltungsspielraum

Die genannte Zahl ist allerdings eine Bestandsaufnahme zum ersten Quartal: derzeit sehen wir einen starken Wirtschaftsaufschwung durch das Ende der Lockdowns und durch Nachholeffekte beim Konsum. Dadurch reduziert sich der Ausfall an Produktion und Einkommen und die gesamtwirtschaftlichen Kosten sinken. Auf der anderen Seite stehen Ausfälle, welche sich erst in den kommenden Jahren realisieren werden, etwa durch die zukünftigen Einkommensverluste von heutigen Schüler*innen, welche durch Schulschließungen an Bildungszeit eingebüßt haben. Diese Auswirkungen abzufedern ist ebenso Aufgabe der Politik, wie durch vorausschauende Maßnahmen das Ausbreiten von gefährlichen Mutationen und damit einhergehenden weiteren Lockdowns zu verhindern.

Klaus Prettner, Professor am Institut für Makroökonomie

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