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Was sind die Stressfaktoren im Corona-Homeoffice?

06. Juli 2021

Ruth Simsa, Professorin am Institut für Soziologie und Empirische Sozialforschung

Technostress und digitale Disziplin

Wichtig ist die digitale Fitness, also die Bereitschaft und Fähigkeit im Umgang mit unterschiedlichen Kommunikationstechnologien. Technostress, also die Überforderung durch Technik, ist ein großes Thema bei der Arbeit im Homeoffice, da mehr Arbeit über diese Technologien erledigt wird und weniger unmittelbare Unterstützung vorhanden ist. Auch die digitale Disziplin stellt eine Herausforderung dar: Informationsüberfluss und digitale Ablenkungen können einen enormen Stressfaktor bilden. Menschen fällt es zunehmend schwer, sich auf eine Aufgabe zu fokussieren, ohne ihre elektronischen Geräte nach Neuigkeiten abzusuchen oder Cyberloafing zu betreiben, also das Internet während der Arbeitszeit für private Zwecke zu nutzen – die Verführung dazu ist im Homeoffice noch größer als im Büro.

Gute Fähigkeiten der Selbstorganisation

Arbeit im Homeoffice braucht eine gute Strukturierung des Tages. Dazu gehört Disziplin in Bezug auf Arbeit genauso wie in Bezug auf die Gestaltung von Pausen und dem Arbeitsende. Abhängig von der Lebenssituation, kann es im Homeoffice mehr Ablenkungen geben, als im Büro. Im Homeoffice fällt viel an Kontrolle und Disziplinierung durch andere weg, Prioritäten müssen eigenständiger gesetzt werden. MitarbeiterInnen sollten somit über die Fähigkeit verfügen, notwendige Strukturen und Routinen zu schaffen und einzuhalten.

Unterschiedliche Persönlichkeitstypen

Das Fünf-Faktoren-Modell unterscheidet als wichtigste Persönlichkeitsmerkmale Emotionale Stabilität, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Soziale Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit. Hilfreich für die Arbeit im Homeoffice ist ausreichende emotionale Stabilität. Emotional stabile Personen brauchen grundsätzlich weniger Aufmerksamkeit der Führungskraft, sofern gute Rahmenbedingungen, klare Ziele und die erforderliche Kompetenz zur Zielerreichung gegeben sind. Extrovertierte Menschen sind weniger zufrieden mit Homeoffice, sie schätzen das traditionelle Arbeitsumfeld mit mehr Kontakten. Sehr gewissenhafte MitarbeiterInnen muss die Führungskraft wiederum vor der Tendenz der Selbstausbeutung schützen, die im Homeoffice besonders stark gegeben ist.

Mehr dazu kann nachgelesen werden im eben erschienenen Buch: Simsa, R. & Patak, M.: Leadership & Homeoffice. So gelingt Führung auf Distanz, Wien 2021

Ruth Simsa, Professorin am Institut für Soziologie und Empirische Sozialforschung

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