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Wie gelingt Führung im Homeoffice während der Corona-Pandemie?

10. Mai 2021

Ruth Simsa, Professorin am Institut für Soziologie und Empirische Sozialforschung

Vorweg: Führung im Homeoffice ist im letzten Jahr – während der Corona-Pandemie - oft deutlich besser gelungen, als es Führungskräfte erwartet hatten. Vor Corona hatten viele Sorge, bei Arbeit aus der Distanz die Kontrolle zu verlieren. Die Covid-Krise hat vielen jedoch gezeigt, was möglich ist und sie hat viele dazu gebracht, Instrumente der Führung auf Distanz zu probieren und zu entwickeln. MitarbeiterInnen sind bei (freiwilligem) Homeoffice motivierter, und die Forschung zeigt auch tendenziell eine höhere Produktivität.

Im Folgenden ein paar ausgewählte Aspekte - ohne Anspruch auf Vollständigkeit:
  • Kontakt: Im Homeoffice braucht es kürzeren und häufigeren Kontakt, Rückmeldungen und Reaktionen.

  • Gemeinsamer Start: Beginne den Tag gemeinsam, mit einem kurzen Tele-Meeting, zur Herstellung von Kontakt und Formulierung von Zielen.

  • Achte besonders darauf, die zurückgezogenen, introvertierten Personen aus dem Team nicht zu verlieren.

  • Virtuelle Meetings: Besprechungen sollten deutlich häufiger, aber auch kürzer gestaltet werden, als bei Arbeit im gemeinsamen Büro. Kein virtuelles Meeting darf länger als 90 Minuten dauern, ideal ist maximal eine Stunde.

  • Gestalte als Führungskraft auch das Informelle ein Stück weit mit, achte darauf, dass niemand verloren geht, überprüfe, ob du passend einbezogen bist und unterstütze das Team, wenn notwendig.

  • Die Führungskraft kann auch Vorbild sein in Bezug auf Selbstführung: Zeige den Mitarbeiter/inne/n, wie du selbst den Alltag im Homeoffice gut und organisiert lebst.

  • Thematisiere im Team, welche und wieviel Kontrolle angemessen ist. Werden technische Tools dafür eingesetzt? Wenn ja, mit welchen Kriterien und wie können Ergebnisse zugeschrieben und bewertet werden?

  • Regeln müssen bei Homeoffice expliziter und klarer vereinbart werden (z.B. in Bezug auf Zuständigkeiten, Informationsweitergabe, Umgang mit Zeit)

  • Reflektiere mit dem Team die wechselseitigen Erwartungen in Bezug auf Unterstützung und Beachtung von Personen sowie Zielerreichung und Arbeitspensum.

  • Psychological Safety: Schaffe eine Kultur, in der Unsicherheit, Fehler oder Zweifel nicht bestraft werden, sodass offen kommuniziert werden kann. Dazu gehört auch, Arbeit als Lernproblem und nicht als ein reines Ausführungsproblem zu verstehen.

Mehr dazu kann nachgelesen werden im eben erschienenen Buch: Simsa, R. & Patak, M.: Leadership & Homeoffice. So gelingt Führung auf Distanz, Wien 2021

Ruth Simsa, Professorin am Institut für Soziologie und Empirische Sozialforschung

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