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Studie zum gesellschaftlichen Mehrwert der stationären Pflege- und Betreuungseinrichtungen in Niederösterreich und der Steiermark mittels einer SROI Analyse

v.l.n.r.: Markus Matters­berger, MMSc MBA, Ena Pervan MSc, LR Mag. Chris­to­pher Drexler, LR Mag.a Barbara Schwarz, Mag. Dr. Dipl.-HTL-Ing. Gert Hartinger MPH und Dr. Chris­tian Schober (Foto­credit: WU Wien, Roman Reiter)

Das NPO & SE Kompe­tenz­zen­trum der Wirt­schafts­uni­ver­sität Wien (WU Wien) erhielt vom Bundes­ver­band der Alten- und Pfle­ge­heime Öster­reichs den Auftrag die gesell­schaft­li­chen und ökon­o­mi­schen Wirkungen der statio­nären Pflege- und Betreu­ungs­ein­rich­tungen in Nieder­öst­er­reich und der Stei­er­mark zu analy­sieren. Der Beob­ach­tungs­zeit­raum bezieht sich auf das Jahr 2013.

Die Evalua­tion erfolgte mittels einer Social Return on Invest­ment (SROI)-Ana­lyse, deren Ziel es ist, den durch die statio­nären Pflege- und Betreu­ungs­ein­rich­tungen geschaf­fenen gesell­schaft­li­chen Mehr­wert mögl­ichst umfas­send zu erfassen und zu bewerten. Die Methode will neben den finan­zi­ellen, explizit auch die sozialen Wirkungen des Projekts messen. Die vorlie­gende Analyse orien­tiert sich am von Schober/Then (2015) heraus­ge­ge­benen „Praxis­hand­buch Social Return on Invest­ment“. Ein wesent­li­cher Punkt ist die Iden­ti­fi­ka­tion der wich­tigsten Stake­holder zu Beginn. Für jede Stake­hol­der­gruppe wird der inves­tierte Input dem erzielten Output sowie dem Outcome (Wirkungen) in einer Wirkungs­kette gegen­überg­e­stellt. Die solcherart iden­ti­fi­zierten Wirkungen werden veri­fi­ziert, ergänzt, quan­ti­fi­ziert und zum Schluss soweit möglich und sinn­voll in Geld­ein­heiten bewertet. Somit kann letzt­lich der mone­täre Wert der aggre­gierten Wirkungen dem gesamten in Geld­ein­heiten vorlie­genden Input gegen­überg­e­stellt werden. Die sich erge­bene Spit­zen­kenn­zahl ist der SROI-Wert, der als Verhält­nis­kenn­zahl angibt, wie die mone­ta­ri­sierten Wirkungen propor­tional zu den inves­tierten Geldern sind. Ein Wert von 1:2 signa­li­siert doppelt so wert­volle gesell­schaft­liche Wirkungen als Inves­ti­tionen.

Als Alter­na­tiv­sze­nario wird ange­nommen, dass es keine statio­nären Pflege- und Betreu­ungs­ein­rich­tungen in Nieder­öst­er­reich bzw. der Stei­er­mark gibt. Die Bewoh­ne­rInnen müssten entspre­chend, soweit Kapa­zi­täten vorhanden sind, in anderen Betreu­ungs­set­tings unter­ge­bracht werden. Dies wären mobile Pflege- und Betreu­ungs­dienste, betreutes Wohnen, 24h-­Be­treuung, Pfle­ge­heime in angren­zenden Bundes­län­dern, Kran­ken­häuser oder Zukauf von Diensten am Markt. Nachdem nicht alle Bewoh­ne­rInnen anderswo unter­ge­bracht werden könnten, würden pfle­gende Ange­hö­rige eben­falls einen erhöhten Pflege- und Betreu­ungs­auf­wand über­n­ehmen müssen und/oder es würde eine Verwahr­lo­sung bezie­hungs­weise ein früherer Tod bei den Bewoh­ne­rInnen eintreten.

Die Studie zeigt welche viel­fäl­tige Aufgaben und Tätig­keiten die statio­nären Pflege- und Betreu­ungs­ein­rich­tungen in Nieder­öst­er­reich und der Stei­er­mark erfüllen. Sie iden­ti­fi­ziert darüber hinaus vor allem Wirkungen für unter­schied­liche Gruppen, die mit den statio­nären Pflege- und Betreu­ungs­ein­rich­tungen in Kontakt stehen, soge­nannten Stake­hol­dern. Als Stake­holder wurden folgende Gruppen iden­ti­fi­ziert: Bewoh­ne­rInnen, Ange­hö­rige, Mitar­bei­te­rInnen, Ehren­amt­liche, Kran­ken­häuser, Bund, die Bundes­länder Nieder­öst­er­reich und Stei­er­mark, andere Bundes­länder, Sozi­al­ver­si­che­rungs­träger, Arbeits­mark­ser­vice, Liefe­ran­tInnen, nieder­ge­las­sene ÄrztInnen, Eigen­tü­me­rInnen, Einsatz­or­ga­ni­sa­tionen, Prak­ti­kan­tInnen, Vermie­te­rInnen, Sach­wal­te­rInnen und die allge­meine Bevöl­ke­rung.

Insge­samt ergeben sich auf Basis der hier durch­ge­führten Erhe­bungen und Berech­nungen für das Jahr 2013 mone­ta­ri­sierte Wirkungen in der Höhe von rund 1.190 Mio. Euro für Nieder­öst­er­reich und 1.354 Mio. Euro für die Stei­er­mark. Demge­gen­über stehen Inves­ti­tionen von rund 406 Mio. Euro für Nieder­öst­er­reich und 459 Mio. Euro für die Stei­er­mark. Durch die Gegen­übers­tel­lung der gesamten Inves­ti­tionen aus dem Jahr 2013 zur Summe der mone­ta­ri­sierten Wirkungen, ergibt sich ein SROI-Wert von 2,93 für Nieder­öst­er­reich. Der SROI-Wert für die Stei­er­mark beträgt 2,95 Euro. Dies bedeutet, dass jeder inves­tierte Euro Wirkungen im mone­ta­ri­sierten Gegen­wert von 2,93 Euro für Nieder­öst­er­reich und 2,95 Euro für die Stei­er­mark schafft. Die Inves­ti­tionen kommen somit als posi­tive gesamt­ge­sell­schaft­liche Wirkungen rund drei­fach wieder zurück.

Die bedeu­tendsten posi­tiven Wirkungen entstehen für die Bewoh­ne­rInnen, gefolgt von den Kran­ken­häu­sern. Beide Stake­holder vereinen gemeinsam um die 50% der Gesamt­wir­kungen auf sich.

Zusam­men­fas­send wird deut­lich, dass die statio­nären Pflege- und Betreu­ungs­ein­rich­tungen in beiden Bundes­län­dern sehr wirkungs­voll sind. Die mone­ta­ri­sierten Wirkungen der Orga­ni­sa­tionen, bezogen auf das Jahr 2013, waren für Nieder­öst­er­reich und für die Stei­er­mark rund 2,9 Mal so hoch wie die getä­tigten finan­zi­ellen Inves­ti­tionen.

Nach­ste­hende Tabellen stellen eine Gesamt­be­trach­tung der Inves­ti­tionen und Profite (mone­ta­ri­sierte Wirkungen) der statio­nären Pflege- und Betreu­ungs­ein­rich­tungen in Nieder­öst­er­reich und der Stei­er­mark für das Jahr 2013 dar:

Inves­ti­tionen und Profite der statio­nären Pflege- und Betreu­ungs­ein­rich­tungen – Gesamt­be­trach­tung Nieder­öst­er­reich:

Kontakt:

Dr. Chris­tian Schober
Wissen­schaft­li­cher Leiter des NPO & SE Kompe­tenz­zen­trums
Studi­en­leiter

Tel. (01) 31336-5888
chris­tian.scho­ber@wu.ac.at