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NPO-Tag

Die Renaissance der Zivilgesellschaft - Wozu braucht es NPOs?

20. Jänner 2020, WU Wien, Gebäude LC

Nachbericht

Beim 16. NPO-Tag am 20. Jänner 2020 folgten 170 VertreterInnen aus Nonprofit Organisationen und Sozialunternehmen der Einladung des Kompetenzzentrums für NPOs und Social Entrepreneurship der WU. Die Renaissance der Zivilgesellschaft – Wozu braucht es NPOs? stand als zentrales Thema im Mittelpunkt der Diskussionen und Vorträge an der WU.

Olivia Rauscher (WU): „Wir haben das Thema gewählt, weil wir der Ansicht sind, dass sich die gesellschaftlichen Bedingungen der Zivilgesellschaft und NPOs verändern.“ Einflussfaktoren sind der Staat, der stärke Kontrollen fordert und der Markt, der in den Sozialbereich eindringt. NPOs haben aber auch spezielle Ressourcen, wie das Vertrauen der Zivilgesellschaft oder Spenden.

Christian Schober (WU): „Dieser Tag ist ein Transfertag. Wir diskutieren unsere Ergebnisse mit Leuten aus der Praxis, denn es ist massiv wichtig, dass man hier in einem guten Austausch ist.“ Man profitiere davon gegenseitig.

Philipp Ther (Universität Wien) zeigte in seiner Keynote die Bedeutung der Zivilgesellschaft aus historischer Perspektive auf.

Michael Meyer (WU) skizzierte die Rolle von NPOs und Zivilgesellschaft aus theoretischer und praktischer Sicht. Die Anforderungen ändern sich. Die Digitalisierung, der Klimawandel aber auch die Migration bringen neue Herausforderungen für unsere Gesellschaft. Dazu kommt, dass NPOs zunehmend Konkurrenz aus der Wirtschaft bekommen. Der Trend der Zivilgesellschaft und damit auch von NPOs gehe in Richtung von politischem Engagement. Man merke die Schwächen der rein repräsentativen Demokratie und es brauche eine zweite Ebene, die zivile Werte absichern könne.

Inwiefern konzernförmige Strukturen für NPOs sinnvoll sind, diskutierten Maria Moser (Diakonie Österreich), Alex Bodmann (Caritas Wien), Oliver Schmerold (ÖAMTC), Alexandra Winter (ÖRK) und Michael Meyer (WU) mit Christian Schober (WU). Für Oliver Schmerold war die Erkenntnis der Diskussion zum Thema Konzernstruktur von NPOs ganz klar: „Wir alle sehen eine Konzernstruktur für eine Nonprofit Organisation als völlig unproblematisch an und in Wahrheit sogar als Gebot der Stunde.“ Demnach seien viele NPOs heute schon so groß geworden, dass es betriebswirtschaftlich nur dann zu verantworten sei, wenn man eine Struktur kleiner abgeschlossener Einheiten schaffe, um das wirtschaftliche Risiko aufteilen zu können. Während ein Konzern für seine Shareholder agiere, hätten NPOs den Auftrag, ihrer Mission nachzukommen und Verantwortung für sozial Schwache zu übernehmen meinte Andrea Winter anschließend. Maria Moser sieht zwei Dinge für NPOs maßgeblich: Das eine sei gemeinnützige Arbeit und das zweite sich anwaltschaftlich im Bereich Advocacy in die gesellschaftliche Diskussion einzubringen.

Lesley Hustinx (Ghent University) bot darüber hinaus eine kritische Darstellung der Freiwilligenarbeit im Kontext sich verändernder Strukturen und Volker Then (Universität Heidelberg) brachte das Thema der BürgerInnenbeteiligung unter Einfluss von Digitalisierung ein. Das Verhältnis zwischen NPOs, Staat und Gesellschaft wurde aus Sicht von Heidrun Maier-de Kruijff  (BürgerInneninitiative Housing for All) und Petra Ott (Gründerin des Sozialunternehmens Die Schlaue Box) beleuchtet.

Am Nachmittag standen verschiedene Themen im Rahmen der parallelen Sessions am Programm. Stefan Wallner und Martin Radjaby (beide Erste Group) vermittelten Prinzipien für Kampagnen in der digitalen Welt und Gerald Czech (ÖRK) zeigte die digitale Transformation der Wirkungsschöpfungskette in NPOs auf.

Das Thema Impact Investing in Österreich bereiteten Reinhard Millner und Fabian Scholda (beide WU) gemeinsam mit ihren Gästen Walburga Fröhlich (atempo) und Lisa Brandstetter (Scheuch Privatstiftung) auf. Franz Neunteufl (IGO) stellte gelungene Kooperationen zwischen NPOs und ihren Verbänden am Beispiel des Bündnis für Gemeinnützigkeit vor und Peter Vandor (WU) widmete sich dem Thema Social Entrepreneurship und zeigte Angebote eines neuen Diskurses an die Zivilgesellschaft auf.

Die Rolle von CSOs als gesellschaftspolitische Kraft erarbeiteten Mojmír Stránský (FWF), Eva More-Hollerweger (WU) und Flavia-Elvira Bogorin (WU) in ihrem Workshop mit den TeilnehmerInnen. Darüber stellten die WU-ForscherInnen Selma Sprajcer, Constanze Beeck und Julia Wögerbauer die Frage „Was wäre der Sozialbereich ohne NPOs?“ zur Diskussion, mit dem Ziel, deren Rolle jetzt und in Zukunft zu skizzieren.

„Wirkungskommunikation in Jahresberichten: zwischen Legitimierung und Positionierung“  war das Workshop-Thema von Renate Buber und Anna Herzog (beide WU), die die TeilnehmerInnen in Gruppenarbeiten aktiv mit einbezogen.  Ruth Simsa und  Eva More-Hollerweger (beide WU) setzten sich in ihrer Session mit dem Thema „Narrative zum Thema Asyl und Migration“ auseinander.

In einem Roundtable-Gespräch diskutierten Teresa Millner-Kurzbauer (Volkshilfe Österreich), Markus Schwarz (SeneCura), Christine Ecker (ASB), Alex Bodmann (Caritas Wien), Christiane Teschl-Hofmeister (Land NÖ) unter der Leitung von Christian Schober (WU) das Thema „Vielfalt und Wettbewerb in der stationären Altenpflege“. Eine demnächst durchgeführte Studie soll dazu weitere Erkenntnisse liefern.

Neu beim NPO-Tag war die Einbindung von Studierenden, die die Sessions begleiteten und am Ende des Tages in einer kurzen Zusammenfassung ihre Erkenntnisse mit den TeilnehmerInnen teilten. Den Abschluss bildete eine Panel-Diskussion bei sich Peter Hacker (Stadt Wien), Schifteh Hashemi (arbeit plus) und Tanja Wehsely (Volkshilfe Wien) unter der Leitung von Werner Kerschbaum (ÖRK) mit der Frage „Wie können sich NPOs in der politischen Diskussion behaupten?“ auseinander setzten.