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Krisen in NPOs – Entstehung, Erkennen und Lösen

Erste Überl­e­gungen zum Themen­feld

NPOs können, ebenso wie andere Orga­ni­sa­tionen, in viel­fäl­tiger Weise von Krisen betroffen sein. Bisher ist das Thema in der Forschung zum deutsch­spra­chigen Raum unter­be­leuchtet, obwohl es vermut­lich an Rele­vanz gewinnen wird. In Zeiten enger werdender staat­li­cher Budgets in den Tätig­keits­be­rei­chen der NPOs kann bei gleich­zei­tiger Nach­fra­ge­stei­ge­rung von Ressour­cen­krisen ausge­gangen werden. Ob das (fehlende) Geld der einzige Krisen­treiber ist, bleibt zu unter­su­chen. Von der Entste­hung über das Erkennen bis zur Lösung von Krisen soll die inhalt­liche Reise des Forschungs­vor­ha­bens gehen. Haupt­ziel ist zu analy­sieren ob sich die beson­dere Orga­ni­sa­ti­ons­form der nicht­ge­winn­n­ori­en­tierten Orga­ni­sa­tion in ihren Krisen von anderen Orga­ni­sa­tionen unter­scheidet und worin der Unter­schied liegt. Hierzu gehört auch das jewei­lige Umfeld in dem die NPOs tätig sind und das i.d.R. auch eigene Spezi­fika vorweist.

Entste­hung

Ausgangs­punkte für Krisen können beispiels­weise aufgrund von Problemen in der Ressour­cen­aus­stat­tung (z.B. Finan­zie­rung, Kompe­tenzen und Moti­va­tion des Perso­nals), in den Struk­turen (z.B. Port­folio, Regio­nal­bezug, Grün­der­ori­en­tie­rung) bzw. der Aufsicht und Leitung (z.B. Abstim­mungs­pro­zesse, unklare Kompe­tenz­ver­tei­lungen), im Umfeld (z.B. Bran­chen­um­brüche, geänd­erte regu­la­to­ri­sche Rahmen­be­din­gungen), in der Nach­frage (z.B. erhöhte Nach­frage bei glei­cher Ressour­cen­aus­stat­tung) oder im Wett­be­werb (z.B. bessere Lösungen für das Problem, Markt­ein­tritte) liegen. NPOs haben hier spezi­elle Merk­male und Beson­der­heiten, die sie, von gewinn­ori­en­tierten oder rein markt­förmig agie­renden Unter­nehmen bzw. staat­li­chen Orga­ni­sa­tionen, unter­scheiden.

Erkennen

Das mögl­ichst früh­zei­tige Erkennen von Krisen bzw. Situa­tionen, die poten­ziell zu Krisen führen können, ist essen­ziell im Manage­ment jeder Orga­ni­sa­tion. Risi­ko­ma­nage­ment ist mitt­ler­weile in Großor­ga­ni­sa­tionen zur Selbst­ver­ständ­lich­keit geworden. In NPOs ist es weniger verbreitet und v.a. in klei­neren und mittel­großen Orga­ni­sa­tionen findet kaum eine struk­tu­rierte Beschäf­ti­gung mit dem Thema statt. Aufgrund der missi­ons­ge­trie­benen meist mit hohem Enga­ge­ment verfolgten Ziele der NPO wird viel­leicht das Erkennen von Krisen zugunsten opera­tiver Leis­tungs­er­brin­gung vernach­läs­sigt. Die Wissen­schaft bietet in diesem Zusam­men­hang speziell für NPOs auch wenig konzep­tio­nelle Ange­bote, inkl. entspre­chenden Indi­ka­toren an. Ziel müsste es sein (Früh)Indi­ka­toren zur Anzeige von Krisen und Indi­ka­toren zu deren Verlauf zu iden­ti­fi­zieren und deren Aussa­ge­kraft zu über­prüfen. Die Frage ob und inwie­weit die Krisen­sta­dien der gewinn­ori­en­tierten Wirt­schaft (Stra­te­gie-; Struk­tur-; Ertrag-; Liqui­di­täts- Krise) auf NPO anwendbar sind, ist zu klären.

Lösen

Die Lösung beginnt mit dem Problem, das hete­rogen sein kann. Ebenso sind viel­fäl­tige Lösungs­wege denkbar, die eben­falls bisher noch nicht struk­tu­riert beschrieben wurden. Gleich­zeitig gibt es typi­sche Probleme und somit sollten auch typi­sche Lösungen exis­tieren. Diese gilt es zu erar­beiten. Der Bogen könnte von Neuaus­rich­tung der Mission über Restruk­tu­rie­rung der Abläufe, Verän­d­e­rung der Finan­zie­rungs­struktur, Mobi­li­sie­rung neuer/anderer Ressourcen bis zum Zusam­men­schluss von Orga­ni­sa­tionen (Merger), reichen. Krisen­ma­nage­ment in NPOs, mit ihrer beson­deren Gover­nance, ihren oft beson­deren Perso­nal­struk­turen und der wert­ori­en­tierten Ausrich­tung wird ein Stück weit anders aussehen als in anderen Orga­ni­sa­ti­ons­formen. Welche Kompe­tenzen hierbei gefragt sind, kann eine inter­es­sante Frage sein.

Das Projekt

In einem kleinen Forschungs­pro­jekt sollen die aktu­ellen Problem­lagen der NPOs ausge­lotet werden und hierbei das Krisen­po­ten­zial betrachtet werden. Zudem sollen NPOs in der (exis­ten­zi­ellen) Krise oder nach der (exis­ten­zi­ellen) Krise in Bezug auf Krisen­ver­läufe und Wege aus der Krise analy­siert werden. Hieraus werden Indi­ka­toren zur Krisen­er­ken­nung abge­leitet und Thesen zur Entste­hung, Bear­bei­tung und Lösung von Krisen aufge­stellt.

Die einzelnen Forschungs­schritte versu­chen folgende Fragen zu beant­worten:

  • Was sagt die NPO-­spe­zi­fi­sche Lite­ratur zum Themen­feld? Was wurde zum Thema Krisen von NPOs bereits publi­ziert?

  • Welche Theo­rien können zur Erklä­rung unter­schied­li­cher Krisen heran­ge­zogen werden (z.B. Ressour­ce-­De­pen­dency; System­theorie, Neo-In­sti­tu­tio­na­lismus)?

  • Welche anderen Lite­ra­tur­stränge, wie Orga­ni­sa­ti­ons­for­schung, Risi­ko­ma­nage­ment, Kommu­ni­ka­ti­ons­theorie u.ä. können einen Beitrag zur Erklä­rung und dem Umgang mit Krisen geben?

  • Gibt es Unter­schiede hinsicht­lich Art der Krisen sowie deren Verlauf und Lösung bei unter­schied­li­cher Ausge­stal­tung der Ressourcen, des Leis­tungs­port­fo­lios bzw. des Kern­themas der NPO im Kontext der Unter­neh­mens­or­ga­ni­sa­tion?

  • Welche Themen verknüpft die Praxis (NPO-­Ma­nage­ment) im deutsch­spra­chigen Raum aktuell mit dem Thema Krise? Welche Krisen wurden von diversen NPOs schon durch­lebt? Was war deren Ursache? Welche Lösungs­wege wurden gewählt und warum?

  • Wie weit verbreitet sind exis­ten­zi­elle Krisen in NPOs? Wie viele Insol­venzen, Vereins­lö­schungen u.ä. gibt es jähr­lich?

  • Welche Rolle hat das Ehrenamt bei NPO Krisen als Teil der Leis­tungs­er­brin­gung, als Aufsichts­organ oder in der „Eigen­tü­mer­funk­tion“

Metho­disch soll im ersten Schritt ein quali­ta­tives Forschungs­de­sign gewählt werden. Es geht in erster Linie darum ein Verständnis für das Thema aufzu­bauen und konzep­tio­nelle Grund­lagen zu erar­beiten. In einem zweiten Schritt können dann mittels quan­ti­ta­tiven Designs die Breite des Phäno­mens erhoben und analy­siert werden.

Für nähere Infor­ma­tionen zum Projekt wenden Sie sich bitte an:
Dr. Chris­tian Schober

Wissen­schaft­li­cher Leiter
Senior Rese­ar­cher

Tel.: (01) 313 36/5888
Fax: (01) 313 36/90-5888
E-Mail: chris­tian.scho­ber@wu.ac.at

Dipl. Soz. Päd. (FH) Harald Bach­meier

Praxis­partner für das Projekt Krisen in NPOs – Entste­hung, Erkennen und Lösen
E-Mail: npo-­kom­pe­ten­z@wu.ac.at