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Eine Stimme für Alle

Daten, die über die Lebens­si­tua­tion von Menschen mit Behin­de­rung Auskunft geben, sind eine wesent­liche Infor­ma­tion, wenn poli­ti­sche Entschei­dungs­pro­zesse getroffen werden müssen und unter­stützen die Anliegen der UN-Kon­ven­tion über die Rechte von Menschen mit Behin­de­rung. Um solcherlei Daten zu erar­beiten ist es aller­dings oft nötig, Befra­gungen durch­zu­führen. Ein barrie­re­freier Zugang ist hier frei­lich von größter Bedeu­tung, um die Lebens­si­tua­tion und Probleme von Menschen mit Behin­de­rung sichtbar zu machen.

Dieses Pilot­pro­jekt im Rahmen der Citizen Science Initia­tive wurde gemeinsam durch das Bundes­mi­nis­te­rium für Bildung, Forschung und Wissen­schaft (BMBFW) sowie der ESSL Foun­da­tion finan­ziert. In einer Zusam­men­ar­beit von wissen­schaft­li­cher Forschung (NPO & SE Kompe­tenz­zen­trum und ÖPIA) und Praxis (Statistik Austria und Cari­tas-Wien) sollten Menschen mit intel­lek­tu­eller Behin­de­rung am Forschungs­pro­zess aktiv teil­nehmen.

Die wich­tigste Forschungs­frage war dabei: Wie können Menschen mit intel­lek­tu­eller Behin­de­rung bzw. Lern­schwie­rig­keit bei Sozi­al­sta­tis­ti­k-­Be­fra­gungen zur Lebens­qua­lität einbe­zogen werden?

Zwei Grund­prin­zipen standen dabei im Fokus:

  • Erstens sollte die Mögl­ich­keit der Inklu­sion in amtli­chen Sozi­al­sta­tis­ti­k-­Be­fra­gungen geprüft werden. Dies bedeutet, dass bei der Befra­gung ein Frage­bogen verwendet wird, der aus dem Merk­mals­ka­talog der amtli­chen Statistik zusam­men­setzt ist. Der Inhalt dieser Fragen sollte nicht verän­dert werden.

  • Zwei­tens sollte die Verständ­lich­keit solcher Fragen im Mittel­punkt stehen. Der Test wurde insbe­son­dere auf Menschen mit Lern­schwie­rig­keiten ausge­richtet, da davon auszu­gehen ist, dass ein Frage­bogen, der für diese Gruppe verständ­lich ist, auch für andere Perso­nen­gruppen verständ­lich ist. In der amtli­chen Statistik werden neben Fakten­fragen zuneh­mend auch kognitiv anspruchs­volle Einschät­zungen erhoben. Ander­seits können durch Zuwan­de­rung und Alte­rung der Gesell­schaft auch neue Verständ­nis­schwie­rig­keiten entstehen, die weit über die Ziel­gruppe der Menschen mit Lern­schwie­rig­keiten hinaus­weist.

Der Endbe­richt fasst die Methoden und Ergeb­nisse von drei Teil­pro­jekten mit unter­schied­li­chen Ziel­set­zungen zusammen:

  1. Menschen mit Lern­schwie­rig­keiten in Forschung einbe­ziehen

  2. Menschen in Einrich­tungen in Befra­gungen einbe­ziehen

  3. Menschen mit Lern­schwie­rig­keiten zur Lebens­qua­lität befragen

Parti­zi­pa­tion war somit die überg­e­ord­nete Ziel­set­zung für die Bear­bei­tung der beiden inhalt­li­chen Themen „barrie­re­freie Befra­gungen für die amtliche Sozi­al­sta­tistik“ sowie „Befra­gungen in Einrich­tungen der Behin­der­ten­hilfe“. Menschen mit intel­lek­tu­eller Behin­de­rung bzw. Lern­schwie­rig­keiten wurden als Fach­leute in einer „Prüf­gruppe“ im Rahmen diverser Arbeits­grup­pen­treffen aktiv einge­bunden. Menschen mit intel­lek­tu­eller Behin­de­rung bzw. Lern­schwie­rig­keiten waren außerdem Ziel­gruppe von zwölf Pretest­in­ter­views für den mit der Prüf­gruppe entwi­ckelten und getes­teten Frage­bogen. Schließ­lich haben Mitglieder der Prüf­gruppe auch selbst Peer-In­ter­views mit Personen durch­ge­führt und schlüpften in die Rolle des Forschers/der Forscherin.

Das Projekt führte von der Frage „ob“ zur Frage „wie“ stan­dar­di­sierte Befra­gungen für Menschen mit Lern­schwie­rig­keiten barrie­re­frei werden. Dabei ist zu beachten, dass die Vorstel­lung abso­luter Barrie­re­frei­heit genauso eine Illu­sion ist, wie der Vorbe­halt, dass Menschen mit Behin­de­rung zwangs­läufig aus Befra­gungen ausge­schlossen sind. Gerade Menschen mit intel­lek­tu­eller Behin­de­rung bzw. Lern­schwie­rig­keiten haben in der Prüf­gruppe sowie in den Prob­ein­ter­views ein beson­ders ernst­haftes Inter­esse bei der Beant­wor­tung von Fragen gezeigt und dafür erheb­liche Anstren­gungen unter­nommen.

Ausge­hend von den Projekt­er­geb­nissen soll in einer ganz­tägigen Veran­stal­tung an der Wirt­schafts­uni­ver­sität Wien disku­tiert werden, wie sich die Einbe­zie­hung von Menschen mit Behin­de­rung in Befra­gungen bzw. der der Sozi­al­for­schung allge­mein verbes­sern lässt. Diese Fach­ta­gung wird voraus­sicht­lich im Winter 2018/2019 statt­finden.

Kontakt:

Dr. Chris­tian Schober

Projekt­leiter
Senior Rese­ar­cher

Tel.: +43 1 313 36/5888
E-Mail: chris­tian.scho­ber@wu.ac.at

Katrin Hora MSc

Projekt­ma­na­gerin
Rese­ar­cherin

Tel.: +43 1 313 36/5237
E-Mail: katrin.hora@wu.ac.at

Mag.a Selma Spra­jcer

Projekt­mit­ar­bei­terin
Rese­ar­cherin

Tel.: +43 1 313 36/5112
E-Mail: selma.spra­j­cer@wu.ac.at