Studierende richten während eines Seminars den Blick zur Vortragenden.

Projekt 3: Gleicher Zugang zu institutioneller Kinderbetreuung in Wien

Standortwahl und Preissetzung von privaten und öffentlichen Krippen und Kindergärten nach sozioökonomischem Status des Wohnviertels

Trotz eines universellen Zugangs und eines starken Ausbaus an Kinderbetreuungseinrichtungen zeigen vorangegangene Studien für Wien, dass nicht alle Wiener Kinder in gleichem Maßen davon profitieren (Pennerstorfer & Pennerstorfer, 2021). Hinsichtlich der räumlichen Verfügbarkeit von Kinderbetreuungseinrichtungen finden wir, dass diese zwischen Wohnvierteln mit unterschiedlichem sozioökonomischen Status variiert. In Wohnvierteln mit niedrigerem sozioökonomischen Status stehen Kindern in der Nähe ihres Wohnortes weniger Plätze zur Verfügung als in Wohnvierteln mit höherem sozioökonomischen Status. In letzteren sind vor allem private Nonprofit Kindergärten und Krippen, beispielsweise elternverwaltete oder kirchliche Einrichtungen, angesiedelt.

Das Ziel dieses Projekts ist es, diese Ungleichheiten differenzierter zu untersuchen, um die dahinterliegenden Ursachen besser zu verstehen und Ansatzpunkte für eine mögliche Steuerung und Anreizsetzung zur Erreichung einer egalitäreren Zugänglichkeit zu identifizieren. Da die Landschaft der Nonprofit Anbieter an Krippen und Kindergärten sehr heterogen ist, ist erstens zu vermuten, dass die ungleiche räumliche Zugänglichkeit nicht für alle Nonprofit Anbieter gleich ist, sondern sich innerhalb der privaten Anbieter unterscheidet. Zum anderen sollen mögliche Gründe für die unterschiedliche räumliche Verteilung von Nonprofit Kindergärten identifiziert werden.

Mithilfe von Daten zu Standort-, Preis- und weiteren Strukturmerkmalen von Wiener Kindergärten (N=2114) und Daten zu Nachfrageindikatoren (vor allem die Anzahl der Kinder unter 6 Jahren auf einer lokalen Ebene von 250m x 250m) zeigt sich, dass private Anbieter – wie vermutet – keineswegs alle gleiche Verhaltensmuster bezüglich ihrer Standortwahl haben. Ergebnisse einer semi-parametrischen Schätzung zeigen, dass sich insbesondere die „sonstigen privaten Betreiber“ (das sind Kindergärten, die weder kirchlich sind noch zu den beiden großen privaten Betreibern – Kinderfreunde und Kinder in Wien – gehören) vor allem in den Wohnvierteln mit hohem sozioökonomischen Status ansiedeln und damit ungleichheitsschaffend sind, während öffentliche Einrichtungen höhere Zugänglichkeit in den Wohnvierteln mit niedrigem sozioökonomischen Status aufweisen. Ketten – das sind Einrichtungen der Kinder in Wien (KIWI) oder der Kinderfreunde – sind relativ gleichmäßig im Raum verteilt, und für kirchliche Einrichtungen (das sind katholische und evangelische Kindergärten) zeigt sich, dass sie in Wohnvierteln mit höherem sozioökonomischen Status eine leicht höhere Zugänglichkeit aufweisen.

Auch hinsichtlich der monatlichen Kosten für Eltern finden wir deutliche Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten von Betreibern, wobei wiederum die „sonstigen Betreiber“ die höchsten Preise verlangen. In öffentlichen Kindergärten gibt es keine und in Kindergärten der Kinderfreunde und Kinder in Wien nur sehr geringe Preisvariation zwischen den Wohngegenden. Für kirchliche Kindergärten zeigt sich ein relativ heterogenes Bild, was monatlichen Kosten je Wohngegend betrifft, während der durchschnittliche Preis pro Bezirk der „sonstigen Betreiber“ in einem stark positiven Zusammenhang mit dem durchschnittlichen Bezirkseinkommen steht. Die Standortwahl der sonstigen Betreiber in den ökonomisch reicheren Bezirken lässt sich zudem auch durch vermehrte Zeitressourcen der Eltern erklären, da ausschließlich bei Einrichtungen der Kategorie „sonstige Betreiber“ Mitarbeit durch die Eltern verlangt wird und diese bis zu 32 Stunden pro Monat umfassen kann. Um bestehende Ungleichheiten im räumlichen Angebot von Kinderbetreuung abzubauen, könnten Förderungen der Stadt Wien für Standorte in Wohnvierteln mit niedrigerem Durchschnittseinkommen erhöht werden oder aber öffentlichen Einrichtungen oder Einrichtungen der beiden großen Betreiber – Kinder in Wien und Kinderfreunde Kindergärten – ausgebaut werden.

Assoz.Prof. PD Dr. Astrid Pennerstorfer

Assoz.Prof. PD Dr. Astrid Pennerstorfer

Projektleiterin

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