Studierende richten während eines Seminars den Blick zur Vortragenden.

Projekt 11: Digital Public Health Innovations and the Urban Context

Digitale Innovationen im öffentlichen Gesundheitswesen und der städtische Kontext
 

Problemstellung

Die Corona-Pandemie ebnete den Weg für die Implementierung digitaler Innovationen im Bereich Public Health. Oft wurden diese Innovationen von Verwaltungen mittels ‚top down‘ Ansatz implementiert und bedingten die Zusammenarbeit verschiedener organisationaler Akteure sowie die aktive Mitarbeit der Gesellschaft. Zwei dieser Innovationen sind ‚Contact Tracing Apps (CTAs)/Apps zur Kontaktnachverfolgung‘ und ‚Digital Green Certificates (DGCs)/Grüner Pass‘. Obwohl Österreich einer der Vorreiter bei der Einführung einer CTA war, blieb die Akzeptanz (gemessen an den Download-Raten) der App relativ gering, so dass das volle technische Potenzial nicht ausgeschöpft wurde. So ist bei CTAs die Beteiligung der Bürger/innen eine Voraussetzung dafür, dass das Service effektiv funktionieren kann. Ein besseres Verständnis der (Nicht-)Akzeptanz digitaler Public-Health-Innovationen in der Bevölkerung zu erlangen ist daher von entscheidender Bedeutung, nicht zuletzt in Hinblick auf ethische Fragen beim Thema Digitalisierung sowie Kosten-Nutzen-Abwägungen.

Projektziele

Mit Blick auf den urbanen Kontext und anschließend die Diskussion zu ‚krisenresilienten Städten‘ ist es Ziel des Projekts, anhand der empirischen Fallbespiele von CTAs und DGCs ein besseres Verständnis der Faktoren, die die Akzeptanz und Nutzung von digitalen Innovationen im Bereich Public Health beeinflussen, zu erlangen. Insbesondere wird auf die Herausforderungen bei der Einführung und Legitimierung digitaler Innovationen zur Eindämmung der Pandemie abgestellt. Dabei spielen Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Tendenzen wie Anti-Impfbewegungen, Wissenschaftsverweigerung und öffentliche Verwaltungen in einer Ära der ‚Postfaktischen Politik‘ eine wesentliche Rolle.

Bezug zum urbanen Kontext

In der Stadtstrategie ‚WIEN 2030 – Wirtschaft & Innovation‘ sind die Exzellenzbereiche ‚Gesundheitsmetropole Wien‘ und ‚Wiener Digitalisierung‘ als strategische Spitzenfelder festgelegt. Der Wiener Kontext ist deswegen und auch aufgrund der Komplexität, die sich aus der Zusammenarbeit zahlreicher Akteure ergeben, einschließlich der Beziehungen zwischen Bund und Stadt, der ideale Ort, um dieses Thema zu untersuchen.

Forschungsfrage

Das Projekt analysiert, wie öffentliche Organisationen in Wien, die über eine aktive digitale Präsenz in den Sozialen Medien verfügen, während der Pandemie mit der Bevölkerung bezüglich digitaler partizipativer Gesundheitslösungen kommunizieren und interagieren. Die konkrete Forschungsfrage lautet, wie die digitalen Instrumente zur Eindämmung der Pandemie legitimiert werden, wie zur Teilnahme animiert wird, welche Reaktionen von Bürger/inne/n erfolgen und wie mit diesen Reaktionen in den Sozialen Medien umgegangen wird.

Analyse digitaler Gesundheitslösungen

Sowohl wegen des digitalen Charakters partizipativer Gesundheitslösungen wie CTAs und DGCs als auch wegen der zunehmenden Verlagerung öffentlicher Diskussionen auf die Online-Sphäre konzentriert sich diese Untersuchung auf die Online-Kommunikation (hauptsächlich Soziale Medien wie Twitter) zwischen staatlichen Akteuren und der Gesellschaft. Die Funktion von Twitter als wichtiges Informations- und Kommunikationsinstrument für Innovationen im Bereich Public Health wurde während der Corona-Pandemie gestärkt. Diskussionen auf Twitter bilden daher die Dynamiken bezüglich der Reaktion von Bürger/inne/n und Organisationen auf bestimmte Ereignisse und Themen, wie den Ausbruch von Infektionskrankheiten, ab. Insgesamt ermöglicht die Analyse der Debatte über CTAs und DGCs, ein Schlaglicht darauf zu werfen, wie Krisenresilienz durch den Einsatz technologischer Mittel gefördert werden kann, welche Praktiken und Mechanismen kollektiven Handelns während einer Ausnahmesituation zu Tage treten und welche Rolle dabei Vertrauen in gesellschaftliche Institutionen spielt.

Dr. Tobias Polzer

Dr. Tobias Polzer

Projektleiter

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Projektteam

Dr. Tobias Polzer (Projektleiter)

Tobias Polzer ist Assistenzprofessor am Institut für Organization Studies am Department für Management an der Wirtschaftsuniversität Wien, nach Stationen in Belfast und London. Er war Gastwissenschaftler an Universitäten in Australien und in den USA und ist Visiting Professor an der Universiät Macerata in Italien (2021). Seine Forschungsinteressen sind Digitalisierung im öffentlichen Sektor, Public Governance und Öffentliches Haushalts- und Rechnungswesen. Dr. Polzer war an der Erstellung einer Machbarkeitsstudie für die Europäische Kommission zum Thema ‚joint cross-border public procurement‘ beteiligt. Seine Forschungsergebnisse wurden namhaften Zeitschriften und in Blog-Artikeln wie etwa des Internationalen Währungsfonds und der Interministeriellen Arbeitsgruppe für Gender Mainstreaming/Budgeting (IMAG GMB) publiziert.

Dr. Selin Öner-Kula (Projektmitarbeiterin)

Dr. Selin Öner-Kula ist Gastwissenschaftlerin am Institut für Organization Studies am Department für Management an der Wirtschaftsuniversität Wien, und Dozentin  am Department für New Media and Communication an der Istanbul Bilgi Universität. Sie hat 13 Jahre Berufserfahrung in den Bereichen Projekt-/Unternehmensfinanzierung, Strategie und Equity Research. Dr. Öner-Kula verfügt über einen interdisziplinären Hintergrund mit einem Bachelor- in Wirtschaftswissenschaften, einem Master- in Finanzen und einem Doktoratsabschluss in Kommunikation. Ihre Forschungsinteressen umfassen Plattformökonomie, die Rolle von Vertrauen und Ethik in digitalen Plattformen, neue Organisationsformen, Multi-Stakeholder-Kollaboration und (digitales) kollektives Handeln. Sie ist außerdem als unabhängige Expertin für das Accelerator-Programm der Europäischen Kommission (European Innovation Council) tätig.