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Nachruf: Em.o.Univ.Prof. Dr. Walter B. Stöhr ist am 25. Februar 2017 im 89. Lebensjahr verstorben

Mit tiefer Trauer haben wir vom Ableben von em.o.Univ.Prof. Dr. Walter B. Stöhr erfahren. Er ist am 25. Februar 2017 im 89. Lebens­jahr verstorben. Nach beruf­li­cher Erfah­rung in der Privat­wirt­schaft und als Refe­rent des Öster­rei­chi­schen Insti­tuts für Raum­pla­nung ging er 1964 nach Chile, ehe er 1969 als Professor für Regio­nal­ent­wick­lung an die McMaster Univer­sity in Kanada berufen wurde. Von dort wurde er 1973 an den neu gegrün­deten Lehr­stuhl für Raum­ord­nung der WU (bis 1975 noch Hoch­schule für Welt­handel) berufen und wurde der erste Insti­tuts­vor­stand des 1975 gegrün­deten Insti­tuts für Raum­ord­nung, das rasch in IIR, Inter­dis­zi­pli­näres Institut für Raum­ord­nung, Stadt- und Regio­nal­ent­wick­lung, umbe­nannt wurde – mit dem für das IIR typi­schen violetten Corpo­rate Design. Er stand dem Institut bis zu seiner Pensio­nie­rung 1992 vor.

Das IIR war ein kleines Institut, an der Peri­pherie einer sich zur Massen­uni­ver­sität entwi­ckelnden WU. Diese Rand­stel­lung nutzte das Institut unter Leitung von Walter Stöhr von Anfang an, um Akzente zu setzen – Rich­tung Inter­na­tio­na­li­sie­rung ebenso wie hin zu einer starken Forschungs­aus­rich­tung. In diesem Sinne hat Walter B. Stöhr das Institut weit über seine Vorstands­zeit hinaus geprägt: durch seine Welt­of­fen­heit, seine Libe­ra­lität, aber auch sein Enga­ge­ment für Gerech­tig­keit und Soli­da­rität. Er hat ermög­l­icht, dass das Institut glei­cher­maßen ein „Dritte Welt Institut“ war, das das Inter­esse der Studie­renden für Afrika, Asien und Latein­ame­rika weckte, als auch ein Institut, das ungleiche Entwick­lung in Öster­reich thema­ti­sierte. Walter Stöhr verkör­perte beides – Welt­of­fen­heit und Heimat­ver­bun­den­heit. Er lebte die Globa­li­sie­rung, wiewohl sein Inter­esse den lokalen Initia­tiven von unten galt. „Global Chal­lenges and Local Responses“ hieß eines seiner großen Forschungs­pro­jekte sowie das gleich­lau­tende Buch, das er am Beginn der 1990er Jahre veröf­fent­lichte. Walter Stöhr war ein heimat­ver­bun­dener Kosmo­polit. ..

Wir verlieren mit Walter Stöhr einen Vorge­setzten und Kollegen. Aber wir behalten einen Menschen in Erin­ne­rung, dessen kolle­gialer Führungs­stil, dessen ermu­ti­gendes Mento­ring, dessen kompro­miss­lose Welt­of­fen­heit, uns und viele unserer früh­eren Kolle­gInnen geprägt hat. Gerade in Zeiten wie diesen sind diese mensch­li­chen Quali­täten beson­ders gefragt.

Wir als Insti­tute for Multi-­Level Gover­nance and Deve­lop­ment, das Nach­fol­geinstitut des IIR, sind uns der Aufgabe bewusst, sein Erbe – von der eigen­stän­digen Regio­nal­ent­wick­lung bis hin zum Beharren auf einem inter­dis­zi­pli­nären, team­ori­en­tierten Forschungs­stil – fort­zu­führen. Mehr denn je gilt es heute ange­sichts der neoli­be­ralen Globa­li­sie­rung, geeig­nete „local and regional responses“ zu erar­beiten, um das Zusam­men­leben in Viel­falt und Gleich­heit zu ermög­l­i­chen. Walter Stöhrs Wirken und Werk wird uns hierbei weiterhin inspi­rieren.

Im Laufe dieses Jahres werden wir deshalb eine akade­mi­sche Feier In Memo­riam Walter B. Stöhr veran­stalten, in der sein Werk und dessen Aktua­lität gewür­digt werden.

Andreas Novy,Insti­tuts­vor­stand, im Namen der Kolle­gInnen des Insti­tute for Multi-­Level Gover­nance and Deve­lop­ment



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