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Geschichte des Institutes

Im März 1975 wurde an der Wirt­schafts­uni­ver­sität Wien das "Inter­dis­zi­pli­näre Institut für Raum­ord­nung" (IIR - Inter­di­sci­pli­nary Insti­tute for Urban and Regional Studies) gegründet. Insti­tuts­gründer und erster Insti­tuts­vor­stand war Prof. Walter B. Stöhr, der das Institut bis zu seiner Emeri­tie­rung im Jahr 1992 leitete.

Von Anfang an stand das Institut für Inter­na­tio­na­lität, verkör­pert auch durch Walter B. Stöhrs Nach­folger Edward Bergman und Clive Spash, sowie für Inter­dis­zi­pli­na­rität. Bekannt geworden ist das IIR für seine inno­va­tiven Ansätze im Feld der eigen­stän­digen Regio­nal­ent­wick­lung, des Entwick­lungs­an­satzes „von unten“ und anderen "Place-­based deve­lop­ment stra­te­gies".

Das IIR war ein kleines Institut, an der Peri­pherie einer sich zur Massen­uni­ver­sität entwi­ckelnden WU. Diese Rand­stel­lung nutzte das Institut unter Leitung von Walter Stöhr von Anfang an, um Akzente zu setzen – Rich­tung Inter­na­tio­na­li­sie­rung ebenso wie hin zu einer starken Forschungs­aus­rich­tung. In diesem Sinne hat Walter B. Stöhr das Institut weit über seine Vorstands­zeit hinaus geprägt: durch seine Welt­of­fen­heit, seine Libe­ra­lität, aber auch sein Enga­ge­ment für Gerech­tig­keit und Soli­da­rität. Er hat ermög­l­icht, dass das Institut glei­cher­maßen ein „Dritte Welt Institut“ war, das das Inter­esse der Studie­renden für Afrika, Asien und Latein­ame­rika weckte, als auch ein Institut, das ungleiche Entwick­lung in Öster­reich thema­ti­sierte. Walter Stöhr verkör­perte beides – Welt­of­fen­heit und Heimat­ver­bun­den­heit. Er lebte die Globa­li­sie­rung, wiewohl sein Inter­esse den lokalen Initia­tiven von unten galt. „Global Chal­lenges and Local Responses“ hieß eines seiner großen Forschungs­pro­jekte sowie das gleich­lau­tende Buch, das er am Beginn der 1990er Jahre veröf­fent­lichte. Walter Stöhr war ein heimat­ver­bun­dener Kosmo­polit.

Wir als Insti­tute for Multi-­Level Gover­nance and Deve­lop­ment, das Nach­fol­geinstitut des IIR, sind uns der Aufgabe bewusst, sein Erbe – von der eigen­stän­digen Regio­nal­ent­wick­lung bis hin zum Beharren auf einem inter­dis­zi­pli­nären, team­ori­en­tierten Forschungs­stil – fort­zu­führen. Mehr denn je gilt es heute ange­sichts der neoli­be­ralen Globa­li­sie­rung, geeig­nete „local and regional responses“ zu erar­beiten, um das Zusam­men­leben in Viel­falt und Gleich­heit zu ermög­l­i­chen. Walter Stöhrs Wirken und Werk wird uns hierbei weiterhin inspi­rieren.