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Projektmanager/in: Den Überblick bewahren

Das Arbeiten mit und an Projekten ist heute ein wesentlicher Aufgabenbereich von Arbeitnehmer/inne/n. Denn Projekte bestimmen unseren Berufsalltag.

Doch in welchen Bereichen sind „echte“ Projektmanager/innen gefragt? Welche Skills müssen erfolgreiche Projektmanager/innen mitbringen? Und vor welchen Herausforderungen stehen sie?

Was ist Projektmanagement?

In der Literatur gibt es unzählige Definitionen für den Begriff Projektmanagement, die im Wesentlichen alle die gleiche Aussage enthalten: Beim Projektmanagement geht es darum, eine bestimmte eigenständige und komplexe Aufgabe, hinter der ein konkretes Ziel steht, innerhalb eines gewissen Zeitraumes zu erledigen. Es gilt Projektgrenzen und -ziele zu definieren, einen Projektplan zu erstellen, die Projekttermine und -kosten im Auge zu behalten, kontinuierliches Projektcontrolling zu betreiben und die Rollen der Mitarbeiter/innen im Projekt zu definieren und zu überwachen.

Was macht eine/n erfolgreiche/n Projektmanger/in aus?

Vor einiger Zeit noch etwas stiefmütterlich behandelt und lediglich als „Zusatzqualifikation“ betrachtet, ist der/die Projektmanager/in in der Zwischenzeit zum eigenständigen Berufsbild geworden. „Das Behalten des Überblicks, ein professionelles wirtschaftliches Know-how und ein hohes Kommunikations- und Organisationstalent“, das sind die Fähigkeiten, die ein/e erfolgreiche/r Projektmanager/in mitbringen muss, meint Stefan Wurm, Projektleiter bei der Bundesbeschaffung (BBG). „Daneben sind sicherlich noch Problemlösungsfähigkeit, selbstständiges Arbeiten und Flexibilität als wichtige Faktoren zu nennen.“ „Neben fundiertem fachlichem Wissen zu Projektmanagement-Methoden (PMI-Ausbildung /-Zertifizierung) und Präsentationsskills gehören Soft Skills wie ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit, KonfliktmanagementErfahrung, Motivationstalent und Verhandlungsgeschick zu den wesentlichen Kenntnissen“, erzählt Peter Weiss, Head of ORG / IT Operations & Project Management bei der Erste Group. „Im Wesentlichen kann man die Anforderungen an erfolgreiche Projektmanager/innen mit denen an Linienführungskräfte vergleichen.“

Projektmanagement in der Praxis

Laut Roland Gareis, Abteilungsleiter der Projektmanagement Group an der WU, wird Projektmanagement „am meisten in Branchen eingesetzt, die als traditionelle Anwender des Projektmanagement gesehen werden, wie zum Beispiel das Bauwesen, der Anlagenbau und die IT, aber auch von neuen Anwendern wie der Telekommunikationsbranche oder dem öffentlichen Sektor. Dabei werden (externe) Projekte einerseits für komplexerer Kundenaufträge durchgeführt, etwa zur Implementierung einer Standard-Softwarelösung durch Oracle für eine Bank. Andererseits führen Unternehmen dieser Branchen aber auch (interne) Projekte durch, wie zum Beispiel die Abwicklung des Mergers A1 und Telekom Austria.“ Weiss erzählt aus der Praxis, dass die Erste Group Projektmanager/innen „bei allen Vorhaben einsetzt, die projekthaft umgesetzt werden sollen. Bezüglich der Komplexität der eingesetzten Projekt- Management-Methoden wird auf Balance zwischen erforderlichem Aufwand und erwartetem Nutzen geachtet. Die Komplexität der Projekte bestimmt die anzuwendenden PM-Prozesse.“ So sei Projektmanagement auch nicht immer der richtige Weg, um an eine neue Aufgabe heranzugehen. „Projekt management ist fehl am Platz, wenn versucht wird, organisatorische Defizite der Linienorganisation durch Projekte zu kompensieren“, weiß Gareis.

Wo liegen die Herausforderungen im Projektmanagement?

Die Herausforderungen liegen vor allem „in der Einhaltung der drei wesentlichen Parameter Zeit, Inhalt und Kosten unter Berücksichtigung sich häufig ändernder Rahmenbedingungen sowie Abhängigkeiten zu anderen Projekten im Portfolio“, berichtet Weiss. Um mit diesen Herausforderungen umgehen zu können, sind laut Wurm Social Skills zentral, wie zum Beispiel die Fähigkeit, bei den Mitarbeiter/inne/n Leidenschaft für das Projekt zu wecken und diese zu motivieren oder Dynamiken zu fördern anstatt zu verhindern. Immerhin ist Projektmanagement auch mit einem gewissen Risiko verbunden, weil immer ungeplante Situationen eintreten können. „Letztlich ist es eine große Herausforderung, zu einem Projekt auch Nein sagen zu können, wenn sich schon im Vorfeld ein ungutes Gefühl in Bezug auf das Projektziel einstellt“, so Wurm.

Spannendes Projektmanagement

Das Spannende im Projektmanagement ist, dass man „in jedem Projekt inhaltlich etwas Neues lernt und Erfahrungen sammelt, obwohl der Prozessablauf ähnlich ist“, kann Wurm aus langjähriger Erfahrung berichten. Daneben sind für ihn noch die Sichtbarkeit des Erfolgs, das direkte Feedback der Projektmitarbeiter/innen, die Gestaltungsmöglichkeit in der Vorprojektphase und das „Auf-den-Boden-Bringen von Ideen“ bereichernde Faktoren. Und der Erfolg nach einem gelungenen Projekt motiviert bestimmt jede/n Projektmanager/in, die nächste große Aufgabe voller Elan in Angriff zu nehmen.

Zertifizierung

Zertifizierungen sind in vielen Unternehmen (noch) keine Voraussetzung, um als Projektmanager/in zu arbeiten, werden aber bei der Personalauswahl immer wichtiger. Die österreichische Projektmanagement-Vereinigung pma (Projekt Management Austria) zertifiziert Projektmanager/innen auf verschiedenen Niveaus, um das Berufsbild weiter zu schärfen. Ebenso bietet die Projektmanagement Group an der WU zweimal im Jahr Studierenden der IS-Projektmanagement-Kurse die Zertifizierung zum/zur Juniorprojektmanager/in durch pma (IPMA Level D ®, zJPM) zu vergünstigten Preisen an (weitere Informationen finden Sie hier).



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