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Investment Banker/in: Krisen, Chancen und das große Geld

Wenige Bran­chen haben in den letzten Jahren so tief­grei­fende Verwer­fungen und Ände­rungen erlebt wie es die Banken getan haben.

Die Finanz­krise ab 2007 hat nicht nur regu­la­to­ri­sche Auswir­kungen auf natio­nale und inter­na­tio­nale Finanz­häuser bewirkt, sondern auch eine Verun­si­che­rung unter vielen Bewerber/inne/n nach sich gezogen. Auf welchen Heraus­for­de­rungen und Anfor­de­rungen sollten sich ange­hende Invest­ment Banker einstellen?

Das Berufs­bild

Bei der Studie „Students First Choice 2013“ gaben sieben Prozent der befragten Studie­renden die Branche „Banking“ als Berufs­wunsch an. Aber wie ist es um das Berufs­bild des Invest­ment­ban­kers im Jahr 2014 bestellt? Aus unserer tägl­i­chen Bera­tungs­praxis im ZBP wissen wir, dass Studie­rende den Begriff des Invest­ment­ban­kers mehr mit „Krise“ als mit „Karriere mögl­ich­keit“ asso­zi­ieren. Ganz unab­hängig dieser Asso­zia­tionen gibt ein Experte Auskunft über die Aufgaben und Tätig­keiten als Invest­ment­banker. Klaus Vuko­vich, Head of Corpo­rate Finance Advi­sory Austria & CEE bei der UniCredit Group erklärt: „Invest­ment­ban­king ist der Bereich, in dem Unter­neh­mens­kunden einer Bank bei M&A-Trans­ak­tionen, z. B. Fusionen, Unter­neh­mens­käufen oder -ver­käufen, und Kapi­tal­mark­te­mis­sionen, z. B. Börsegängen und Anlei­hen­emis­sionen, beraten werden. Dieser Bereich, in dem mit vertrau­li­chen Kunden­daten und Insi­der­infor­ma­tionen gear­beitet wird, ist zu unter­scheiden vom Kapi­tal­markt­be­reich einer Invest­ment­bank, in dem auf Basis von öffent­li­chen Infor­ma­tionen Wert­pa­piere gehan­delt, vertrieben oder analy­siert werden.“

Eine Branche im Wandel

Die Branche ist in den letzten Jahren durch funda­men­tale Ände­rungen der regu­la­to­ri­schen Rahmen­be­din­gungen geprägt worden: „In den Boom-Jahren vor der Krise konnten auch klei­nere Banken im Invest­ment­ban­king gute Erträge erwirt­schaften. Das hat sich mit den massiven regu­la­to­ri­schen Ände­rungen für Banken (Basel III, EMIR) stark geändert.
Diese Barriere führt zu einer Konzen­tra­tion des Invest­ment­ban­kin­g-­Ge­schäftes bei den Global Players der Branche (Deut­sche Bank, JPM, etc.)“, erläu­tert Johann Aldrian, Head of Insti­tu­tional Inves­tors bei der Raiff­eisen Bank Inter­na­tional.Vuko­vich ergänzt, dass diese geänd­erten Rahmen­be­din­gungen und die Finanz­krise zu einem starken Wandel in der Branche geführt haben. Ganze Insti­tute, wie Lehman Brothers, sind verschwunden oder in größ­eren Orga­ni­sa­tionen aufge­gangen und viele Banken haben ihren stra­te­gi­schen Fokus vom Invest­ment­ban­king weg verla­gert und führen Invest­ment­ban­king nur mehr als Neben­ge­schäft zum eigent­li­chen Kern­ge­schäft – Private Banking, Commer­cial Banking oder Retail Banking.

Inter­na­tio­nale Perspek­tiven

Für Absol­vent/inn/en, die sich für den Bereich Invest­ment­ban­king inter­es­sieren, bedeutet dies, dass sie für ihren Berufs­ein­stieg auch außer­halb Öster­reichs flexibel sein müssen. Stefan Pichler, Vorstand des Insti­tuts Finance, Banking and Insurance gibt zu bedenken: „Sieht man von einigen ‚Mini­Bou­ti­quen‘ ab, gibt es in Öster­reich aktuell nur eine Invest­ment­bank, die Raiff­eisen Centro Bank, die soeben in die Mutter­ge­sell­schaft fusio­niert wird. De facto heißt das, dass der zukünf­tige Arbeits­platz aller Voraus­sicht nach nicht in Öster­reich sein wird und die Anfor­de­rungen an die Mobi­lität der Bewerber/innen extrem hoch sind.“

Auch für Klaus Vuko­vich hat der Berufs­ein­stieg außer­halb Öster­reichs statt­ge­funden. Nach Abschluss eines Jus-­Stu­diums an der Univer­sität Wien und Handels­wis­sen­schaften an der WU hat er seine Karriere am Finanz­platz London gestartet: „Im Jahr 2000 bin ich über das WU ZBP Career Center direkt bei Lehman Brothers einge­stiegen. Bei Lehman gab es damals, wie bei den meisten Invest­ment­banken auch heute noch, ein ‚Graduate Programme‘, bei dem alle Anfänger/innen eines Jahr­ganges gemeinsam einge­schult werden. Der gemein­same Start ist eine tolle Networ­kin­g-­Ge­le­gen­heit mit neuen Kolleg/inn/en aus der ganzen Welt, mit denen ich teil­weise noch immer in engem Kontakt stehe.“

Flexi­bi­lität ist gefragt

Aus unserer tägl­i­chen Berufs­praxis im ZBP wissen wir, dass von Absol­vent/inn/en ein hohes Maß an Flexi­bi­lität gefor­dert wird. Ob in bera­tenden Berufen oder der Indus­trie, die effek­tive Arbeits­zeit ist stark abhängig von aktu­ellen Projekten und der Auftrags­lage im Betrieb. Johann Aldrian sieht diesen Trend auch im Invest­ment­ban­king: „Ich denke es ist heute wie auch in anderen Bran­chen üblich, flexibel zu agieren. Im Handel hat man eher gere­gelte Arbeits­zeiten – fängt früh gegen 7.30 Uhr an und geht dafür meist auch bereits gegen 18.00 Uhr aus der Bank. Im Emis­si­ons­be­reich wie auch im M&A-Ge­schäft ist man hingegen sehr stark von den aktu­ellen Mandaten getrieben – d. h. wenn gerade ein Mandat durch­ge­führt wird, dann wird ein hoher Grad an flexi­bler Arbeits­zeit erwartet.“

Perspek­tiven

Trotz der umfang­rei­chen Ände­rungen des Berufs­bildes finden die beiden Invest­ment­banker Aldrian und Vuko­vich auch heute noch genü­gend Gründe sich wieder für ihren Beruf zu entscheiden: „Im Invest­ment­ban­king arbeitet man an span­nenden Projekten für Unter­nehmen aus unter­schied­li­chen Bran­chen. Ansprech­partner/innen sind oft Vorstände oder deren Stra­te­gie­ab­tei­lungen und das Geschäft ist extrem inter­na­tional, das ergibt einen sehr abwechs­lungs­rei­chen Alltag“, beschreibt Vuko­vich die posi­tiven Seiten seines Berufs.Bewerber/innen, die ins Invest­ment­ban­king streben, erwartet ein viel­fäl­tiger Beruf in einem dyna­mi­schen Umfeld. Flexi­bi­lität – sowohl zeit­lich als auch örtlich – ist gefragt. Denn das Berufs­bild Invest­ment­ban­king bietet auch nach der Finanz­krise inter­es­sante Karrie­re­per­spek­tiven!

Wo ein Wille... Eine Karrie­re­ge­schichte

Lloyd Blank­fein, Vorstand einer der führ­enden Invest­ment­banken der Welt, Goldman Sachs, hat es vorge­macht: Obwohl er zu Beginn seiner Karriere in den 80er Jahren bei den großen Invest­ment­banken abge­lehnt wurde, ist er hart­nä­ckig geblieben. Erst seine Tätig­keit im Rohstoff­handel verhalf ihm zum Durch­bruch und Aufstieg zu einem der wich­tigsten Manager in der Finanz­branche – schlicht da sein dama­liger Arbeit­geber von Goldman Sachs aufge­kauft wurde. Im Karrie­re-Blog des Unter­neh­mens rät er heutigen Bewerber/inne/n: „Do some­thing that’s for the next period of your life and don´t be obses­sive about where it will take you in the longer term.“



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