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Consultant: Zwischen Dynamik und Leistungsdruck

Einer­seits Abwechs­lung, Dynamik und die weite Welt, ande­rer­seits Arbeits­spitzen, Leis­tungs­druck und häufige Auslands­auf­ent­halte – alles Asso­zia­tionen mit Karrieren im Manage­men­t-­Con­sul­ting.

Berufs­wunsch Consul­tant

Neun Prozent aller WU-Ab­sol­vent/inn/en, die sich 2011 im ZBP Bewerber/innen­pool einge­tragen haben, streben eine Karriere im Consul­ting an. Eine Zahl, die sich seit 2006 nur wenig verän­dert hat und immer zwischen sieben und zehn Prozent schwankt. Welche Motive gibt es für Berufs­ein­steiger/innen, eine Karriere in der Manage­ment­be­ra­tung zu beginnen?

Stra­te­gi­sche Entschei­dungen von Anfang an

„Ein/e Berater/in bear­beitet wech­selnde stra­te­gi­sche Frage­stel­lungen auf Augen­höhe mit dem Topma­nage­ment des Kunden. Man lernt verschie­dene Bran­chen kennen und über­n­immt vom ersten Tag an Verant­wor­tung für einzelne Teil­pro­jekte“, erklärt Thomas Götzl, Prin­cipal und Recruiting Director bei BCG Wien. Gerhard Bittner, Manager bei A. T. Kearney, stimmt zu: „Der Beruf bietet ein äußerst viel­fäl­tiges Aufga­ben­spek­trum in einer ganzen Reihe von Indus­trien und mit einem hohen Grad an Inter­na­tio­na­lität. Gerade junge Kolleg/inn/en wissen es beson­ders zu schätzen, Einblicke in Unter­neh­mens­be­reiche oder Aufga­ben­stel­lungen zu bekommen, die man sonst nur als Führungs­kraft erhält.“

Doch trotz aller Attrak­ti­vität gilt es natür­lich auch im Bera­tungs­um­feld Heraus­for­de­rungen zu meis­tern. „Berater/innen stehen tagtäglich vor neuen Heraus­for­de­rungen – sowohl inhalt­lich als auch persön­lich. Consul­ting ist kein Nine-­to-­fi­ve-Job, daher gehören Arbeits­spitzen und Stress­si­tua­tionen ebenso zum Berater/innen­alltag wie häufige Reisen“, erklärt Götzl. Und auch Bittner betont: „Die Arbeits­zeiten sind lang, man ist viel unter­wegs und es werden immer Topleis­tungen verlangt. Man muss sich in einem Umfeld, das große Ansprüche stellt, wohl­fühlen und unbe­dingt ein Team­player sein, da man bei der Projekt­ar­beit sehr viel Zeit mit seinen Kolleg/inn/en verbringt.“

Fami­li­en­freund­lich

Ja – wenn Unter­nehmen ihre Mitar­beiter/innen durch Initia­tiven zur Förde­rung der Work-­Li­fe-Ba­lance unter­stützen. „Langsam, aber doch steigt auch der Anteil an weib­li­chen Mitar­bei­tern, jedoch würden wir uns einen größ­eren Andrang von Bewer­be­rinnen erhoffen. Anschei­nend empfinden viele den Berater/innen­beruf als abschre­ckend, weil es sich um keinen klas­si­schen Nine-­to-­fi­ve-Job handelt. Wir sind aber sehr bemüht, für alle Mitar­beiter/innen die Work-­Li­fe-Ba­lance sicher­zu­stellen“, betont Thomas Unter­huber, Human Resources Busi­ness Partner bei Capge­mini. Und auch Thomas Götzl von BCG Wien unter­streicht die Bedeu­tung der Work-­Li­fe-Ba­lance, die zum Beispiel durch Sabba­ti­cals oder Teil­zeit­ar­beit erreicht werden kann.

Über den Tellerand schauen

Trotz Wirt­schafts­krise suchen Manage­ment­be­ra­tungen nach Mitar­beiter/inne/n. „Unsere Kunden werden immer anspruchs­voller. Und gerade in Zeiten der Krise gibt es häufig Trans­for­ma­ti­ons­pro­jekte, die ein aktives Chan­ge-­Ma­nage­ment erfor­dern“, so Unter­huber.

Das ist nicht weiter verwun­der­lich, erhoffen sich Unter­nehmen, die externe Berater/innen enga­gieren, doch vor allem neue Lösungs­an­sätze für fest­ge­fah­rene Situa­tionen. Prof. Gerhard Speck­ba­cher, Vorstand des Insti­tuts für Unter­neh­mens­füh­rung an der WU, erklärt: „Consul­ting­un­ter­nehmen können zu vielen Frage­stel­lungen bran­chen­überg­rei­fende Erfah­rungen, frische Ideen und Metho­den­kom­pe­tenz einbringen und so der Betriebs­blind­heit entge­gen­wirken. Natür­lich geht es oft auch darum, fest­ge­fah­rene Posi­tionen im Unter­nehmen durch den Blick von außen zu lösen und dadurch Bereit­schaft für Verän­d­e­rungen zu schaffen.“

Wer die Wahl hat, hat die Qual

In Öster­reich waren im Jahr 2011 laut WKÖ rund 13.900 Unter­nehmen in der Manage­ment­be­ra­tungs­branche regis­triert, darunter sowohl Global Player als auch KMU. „Große Consul­ting­un­ter­nehmen haben ein größeres, zumeist sogar welt­weites Reper­toire an Erfah­rungen und Wissen und decken inso­fern auch ein brei­teres Spek­trum von Bran­chen ab. Kleine Consul­ting­un­ter­nehmen sind hingegen eher auf bestimmte Bran­chen, Regionen oder Funk­ti­ons­be­reiche spezia­li­siert und bringen hier häufig einen höheren Grad an spezi­fi­schem Wissen mit“, so Speck­ba­cher. Aber ob Global Player oder fami­liäres Umfeld – Karrie­re­chancen gibt es in beiden Struk­turen.

Hohes Tempo und ständig Neues

Um in der Bera­tung lang­fristig erfolg­reich und auch glück­lich zu werden, braucht man eine bestimmte Persön­lich­keit. Nicht jedem/jeder gefällt das hohe Tempo. Umge­kehrt macht genau diese Dynamik für viele den Reiz des Consul­tings aus. „Berater/innen müssen in erster Linie lern­willig sein, weil sie in kurzer Zeit sehr viele Erfah­rungen sammeln“, betont Thomas Unter­huber von Capge­mini. Und auch Thomas Götzl von BCG Wien erklärt, dass durch heraus­for­dernde Aufgaben ständig Neues gelernt wird: „Uns inter­es­sieren Menschen, die Eigen­in­itia­tive, Neugier und eine gute Auffas­sungs­gabe mitbringen. Abstraktes, analy­ti­sches Denk­ver­mögen und der solide Umgang mit Zahlen sind für die Arbeit als Berater/in ebenso wichtig wie Kommu­ni­ka­ti­ons­stärke und der unbe­dingte Wille, nach­haltig etwas zu bewegen.“

Dynamik und Verant­wor­tung

Consul­ting faszi­niert – und pola­ri­siert. Man arbeitet an stra­te­gi­schen Entschei­dungen namhafter Unter­nehmen mit, trägt schnell viel Verant­wor­tung und ist im stän­digen Austausch mit Kolleg/inn/en auf der ganzen Welt. Ande­rer­seits wird durch das hohe Tempo auch viel Einsatz verlangt, der häufig in Arbeits­spitzen resul­tiert. Wer Dynamik sucht, ist hier genau richtig. Und einer Bewer­bung steht nichts mehr im Wege …

Karrie­re­wege im Manage­ment Consul­ting

„Nach einem Master­stu­dium erfolgt der Einstieg in der Regel als Junior Consul­tant, bei entspre­chender beruf­li­cher Erfah­rung auch als Consul­tant. Viele Bera­tungs­un­ter­nehmen bieten Studie­renden unmit­telbar nach dem Bache­lor­stu­dium einen Karrie­re­ein­stieg an“, erklärt Speck­ba­cher. Cornelia Wenny, Marke­ting und Event Manager bei Schwabe, Ley und Greiner, weist dezi­diert auf die Vorteile einer Bera­tungs tätig­keit für den weiteren Karrie­re­ver­lauf hin: „Als Consul­tant können Sie in den Jahren nach der Uni sehr viel lernen. Und auch wenn Sie nicht ewig in der Bera­tungs­branche bleiben möchten, sind Sie nach der Tätig­keit als Consul­tant für viele Unter­nehmen inter­es­sant.“



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