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Ungleichheit und Gesellschaft

Ungleich­heit und Gesell­schaft kann in verschie­denster Form analy­siert werden. Die ökon­o­mi­sche Ungleich­heit nach Geschlecht in Bezug auf Vermö­gensun­ter­schiede, Vertei­lung von unbe­zahlter Arbeit und Kinder­garten und Geschlecht ist von Bedeu­tung. Ebenso der Aspekt der Bildungs(un)gleich­heit hinsicht­lich der Bildungs- und Einkom­mens­ver­tei­lung, der Bildung nach Alter und Geschlecht und der Bildungs­qua­lität. Zudem müssen Prozess­haf­tig­keit und Mehr­di­men­sio­na­lität, "the Making of Inequa­lity" thema­ti­siert und Konflikt­dy­na­miken offen­ge­legt werden.

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The Making of Inequa­lity

Die Ungleich­heit muss in der Forschung als Prozess und mehr­di­men­sio­nales Phänomen begriffen werden. Es exis­tieren kultu­relle Bedin­gungen für Ungleich­heit, sie wird konstru­iert durch Alltags­praxis und insti­tu­tio­nelle Politik; in diesem Sinne besteht indi­vi­du­elle und insti­tu­tio­nelle Verant­wor­tung. Ein Aspekt gene­rell sind die Entwick­lung und Vertei­lung von Zugangs­chancen und Exklu­sion.

Making of...

Ungleich­heit entsteht, wird aber auch durch aktive Grenz­zie­hungen herge­stellt. Beispiele sind soziale Unter­schei­dungen (z. B. Geschlecht oder Ethnie), oder insti­tu­tio­nelle Kate­go­ri­sie­rungen (z. B. durch Alters­grenzen oder Bürger/innen­status).

Damit sind tägl­iche Prak­tiken und insti­tu­tio­nelle Poli­tiken der Ein- und Ausschlie­ßungen verbunden. Grenzen und Kate­go­rien, und damit Prin­zi­pien der Ressour­cen-, bezie­hungs­weise Status­ver­tei­lung werden fest­ge­legt. Sie unter­scheiden zwischen arm oder reich, drinnen oder draußen, etc. Ungleich­heit ist gestaltbar, das betrifft die indi­vi­du­elle Verant­wor­tung, als auch die insti­tu­tio­nelle und gesell­schaft­liche Verant­wor­tung.

... Inequa­lity

Ungleich­heit ist ein komplexes Phänomen. Neben Einkommen und Vermögen spielen soziale Bezie­hungen und symbo­li­scher Status (Pres­tige von Bildung und Beruf) eine Rolle. Es geht um die Nutzung von viel­fach knappen, bezie­hungs­weise künst­lich verknappten Ressourcen, die Teil­habe und Inklu­sion gewähr­leisten.

Ziel ist die Herstel­lung eines insti­tu­tio­nellen Rahmens, der den Zugang zu diesen Ressourcen ermög­l­icht. Dazu ist Forschung nötig: Sie muss vor allem auch die Konflikte verdeut­li­chen, die bei Fragen des Zugangs und der Bewer­tung von Ressourcen entstehen, sowie Machta­sym­me­trien benennen, die Chan­cen- und Ergeb­nis­un­gleich­heit zemen­tieren.

Rese­arch
  • Welche insti­tu­tio­nelle Praxis und welche kultu­rellen Konstruk­tionen führen zu Ungleich­heit?

  • Welche Mecha­nismen der Ein- und Ausschlie­ßung sind dafür verant­wort­lich?

  • Auf welcher Ebene greifen diese Mecha­nismen?

  • Wie führen konkrete poli­ti­sche Maßnahmen zu Ungleich­heit?

  • Welche Folgen („Grenz­zie­hungen“) resul­tieren daraus?

  • Unter welchen kultu­rellen Bedin­gungen sind diese Maßnahmen entstanden?

  • Wie werden sie dadurch legi­ti­miert, bezie­hungs­weise erklärt?

Ökon­o­mi­sche Ungleich­heit nach Geschlecht

Unbe­zahlte Arbeit ist in der femi­nis­ti­schen Ökon­omie ein zentrales Forschungs­feld. Eine gesell­schafts­po­li­ti­sche Rele­vanz von Geschlech­ter­rollen, Arbeits­auf­tei­lung in Haus­halten und Gehalts­un­ter­schieden ist unbe­streitbar. Gene­rell haben Frauen im Durch­schnitt weniger Vermögen, vor allem wegen arbeits­markt­be­zo­genen Unter­schieden; je reicher die Haus­halte sind, desto größer ist diese Lücke. Zentrale Fragen sind wie wichtig der Kinder­garten für Mädchen ist, bezie­hungs­weise, wie der Besuch des Kinder­gar­tens der Kinder die Erwerbs­be­tei­li­gung der Mutter beein­flusst.

Vermö­gensun­ter­schiede zwischen Männern und Frauen?

Unter­su­chungen in zehn euro­päi­schen Ländern, inklu­sive Öster­reich, werden durch­ge­führt, mit dem Ziel, den „Gender Wealth Gap“ zu berechnen und erklären. Frauen haben weniger Vermögen: die Lücke exis­tiert vor allem am oberen Rand der Vertei­lung. Wenn Frauen die gleiche Arbeits­markt­er­fah­rung hätten, wäre die Lücke für alle außer den reichsten 1% der Haus­halte weg. Für die obersten 1% der Haus­halte erklären Unter­schiede in Erbschaften den Vermö­gensun­ter­schied nach Geschlecht.

Unbe­zahlte Arbeit

Ziel hierbei ist die Erfor­schung von unbe­zahlter Arbeit in Paar­haus­halten. Entschei­dungen über die Vertei­lung von unbe­zahlter Arbeit zwischen Partner/innen hängen von der sozio­ö­ko­n­o­mi­schen Struktur des Haus­haltes ab, sie sind das Resultat eines bargai­ning process, der unter anderem vom rela­tiven Einkommen bestimmt wird.

Die Analyse für Öster­reich erfolgt anhand von Zeit­ver­wen­dungs­daten: verschie­dene Muster in der Auftei­lung von unbe­zahlter Arbeit über den Lebens­zy­klus der Haus­halte hinweg werden analy­siert.

Früh­pädagogik

Die Früh­pädagogik stellt ein wich­tiges poli­ti­sches Instru­ment dar, um Ungleich­heit zu bekämpfen; stellt sie eine größere Hilfe in einigen Gruppen dar, als in anderen? Dieses Projekt fragt, wie der Besuch des Kinder­gar­tens das zukünf­tige Einkommen und die Bildung für Frauen und Männer (und Menschen mit und ohne Migra­ti­ons­hin­ter­grund) beein­flusst. Wenn Kinder den Kinder­garten besu­chen, sind die Mütter als Konse­quenz am Arbeits­markt erfolg­rei­cher? Diese Forschung hat speziell Impli­ka­tionen auf Bildungs-, Karenz- und Arbeits­markt­po­litik.

Bildungs(un)gleich­heit

Mittels dem Bildungs­-Gi­ni-­Ko­ef­fi­zient wird die Vertei­lung von Schul­jahren analy­siert. Allge­mein hat die globale Bildungs­ex­pan­sion zur Reduk­tion von Bildungs­un­gleich­heit geführt; höhere und glei­cher verteilte Bildung exis­tiert unter den jungen Kohorten, entgegen temporär stei­gender Ungleich­heit zwischen Alt und Jung. Varia­tion ist zudem in der Ungleich­heit zwischen den Geschlech­tern zu finden. Erkennbar sind posi­tive Wachs­tums­ef­fekte gegen­über nicht eindeu­tigen Vertei­lungs­ef­fekten.

Bildungs- und Einkom­mens­ver­tei­lung

Bildung wird als zentrales wirt­schafts­po­li­ti­sches Instru­ment zum Ausgleich der nega­tiven Vertei­lungs­ef­fekte von tech­no­lo­gi­schem Fort­schritt und Globa­li­sie­rung verstanden.

Dennoch ist der Zusam­men­hang empi­risch nicht eindeutig: Die vergan­genen fünf Jahr­zehnte waren durch sinkende Bildungs- und stei­gende Einkom­mensun­gleich­heit geprägt. In diesem Forschungs­pro­jekt wird analy­siert, welche Faktoren zur Entkopp­lung der beiden Dimen­sionen sozio­-ö­ko­n­o­mi­scher Ungleich­heit seit den 1980er Jahren beige­tragen haben.

Multi­di­men­sio­na­lität 1: Bildungs­ver­tei­lung nach Alter und Geschlecht

Die IIASA/VID Bevöl­ke­rungs­daten nach Bildung, Alter und Geschlecht ermög­l­i­chen die Berech­nung

  • von grup­pen­spe­zi­fi­schen Vertei­lungs­maßen

  • des Anteils der Ungleich­heit zwischen Gene­ra­tionen und Geschlech­tern am Gesamt­ni­veau der Bildungs­un­gleich­heit 

Die Entwick­lung der Indizes über die Zeit liefern neue Erkennt­nisse über länder- oder regi­ons­spe­zi­fi­sche Dyna­miken der Bildungs­ex­pan­sion, sowie deren Wachs­tums- und Vertei­lungs­ef­fekte.

Multi­di­men­sio­na­lität 2: Bildungs­qua­lität

Das Ausmaß an Bildungs­un­gleich­heit ist – im quan­ti­ta­tiven Sinne – in den letzten fünf Jahr­zehnten deut­lich gesunken. Doch sind Schul­jahre nicht die einzige Dimen­sion von Bildungs­un­gleich­heit. Dieses Forschungs­pro­jekt unter­sucht die Vertei­lung der Qualität von Bildung und stellt die Fragen:

  • Lässt sich Pola­ri­sie­rung auf Ebene der Bildungs­qua­lität fest­stellen?

  • Was ist deren Beitrag zur stei­genden Einkom­mensun­gleich­heit in Europa? 

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