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Gesamtabgabenstatistik

Stefan Humer und Mathias Moser

Fragestellungen

  • Wie progressiv ist das Steuersystem?

  • Wie ist Gesamtabgabenlast verteilt?

  • Gibt es Unterschiede nach Bevölkerungsgruppen?

Ergebnisse

  • Einkommensstatistik: Oberstes Prozent hebt sich vom allgemeinen Trend ab.

  • Steuer- und Abgabenlast: Flat Tax im mittleren Einkommensbereich.

  • Breite Bevölkerungsschicht spürt hohe Steuer- und Abgabenbelastung auf Arbeitseinkommen.

Die Studie zum Download
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Kurzzusammenfassung

Erstmalige detaillierte Berechnung von Gesamtabgabenlasten auf Personen- und Haushaltsebene

Diese Studie bietet erstmals umfangreiche Berechnungen zu den Einkommensquellen, Konsumausgaben sowie gezahlten Abgaben nach Perzentilen der Haushalte und Personen. Damit werden die Ergebnisse der neuen WIFO-Studie Umverteilung durch den Staat (Rocha-Akis u. a., 2016) vertieft und teilweise komplementiert. Solche Berechnungen sind auf Personenebene bis dato für Österreich nicht möglich gewesen, da die notwendige Datenbasis nicht vorhanden war.

Kombination von drei Datensätzen um Mangel an verfügbaren Informationen auszugleichen

Für Österreich sind mit der Ausnahme von hochqualitativen Daten zum einkommensteuerpflichtigen Einkommen kaum administrative Datenquellen vorhanden, um die ökonomische Gesamtsituation von Personen und Haushalten abschätzen zu können. Diese Lücke in der öffentlichen Datenbereitstellung versucht diese Studie durch eine neuartige Verbindung bestehender Befragungsdaten zu schließen: Es werden die Vermögenserhebung der Oesterreichischen Nationalbank, die Konsumerhebung der Statistik Austria sowie die Daten von steuernzahlen.at des Vereins respekt.net verwendet, um zu einer integrierten Analyse der Gesamteinkommen und -abgaben zu gelangen.

Deutlicher Anstieg der Haushaltseinkommen im obersten Prozent

Für das oberste Prozent der Personen sowie Haushalte zeigt sich in nahezu allen Einkommenskategorien eine Abkopplung vom Trend der darunter liegenden Perzentile. So sind die Einkommen des Top-Prozents in sämtlichen Einkommenskategorien in der Regel doppelt so hoch wie die des 99. Perzentils, während in der restlichen Verteilung meist mäßig und linear wachsende Einkommen beobachtet werden können. Der Anstieg der Einkommen im obersten Bereich der Verteilung, entspricht somit nicht der im internationalen Vergleich (OECD 2015) tendenziell egalitäreren Einkommensverteilung.

Kaum Unterschiede zwischen unterer und oberer Mittelschicht - Abgabenlast sinkt jedoch im obersten Prozent der Haushalte

Das Ziel der Untersuchung war eine möglichst umfassende Darstellung der Gesamtabgaben, unterteilt in konsumbezogene Abgaben (Konsum), Sozialversicherungsbeiträge (SV), Einkommensteuern (ESt.) und Kapitalertragsteuern (KESt.). Die Analysen zeigen, dass auch Haushalte mit niedrigen Einkommen mit einer Steuerlast von über 30% des Gesamteinkommens belastet werden. Das progressive Element der Einkommensteuer wird durch die regressiven Effekte der Konsumausgaben und Sozialversicherungsbeiträge deutlich reduziert. Im mittleren Einkommensbereich (30.-80. Perzentil) entspricht die Abgabenlast eher einer Flat Tax von knapp unter 40% und erhöht sich erst im obersten Dezil. Für das oberste Prozent der Haushalte kann tendenziell eine fallende Abgabenquote beobachtet werden.

Hohe Steuerbelastung auf Arbeitseinkommen trifft breite Bevölkerungsschicht - niedrigere Kapitalsteuersätze nur für oberste 5% relevant

Für den Großteil der Haushalte sind Erwerbseinkommen (unselbstständige sowie selbstständige Einkommen) sowie Pensionseinkommen der wichtigste Faktor der Einkommenserzielung. All diese Einkommen unterliegen der progressiven Einkommensbesteuerung. Endbesteuerte Kapitalerträge sind lediglich für die obersten 5% der Haushalte von Relevanz, welche nicht progressiv, sondern über die Kapitalertragssteuer (KESt) mit 27,5% proportional besteuert werden.

Noch Fragen?


Mehr Infos auf steuernzahlen.at