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Steuern und Wohlfahrtsstaat

Steuern und Budget charak­te­ri­sieren sich als ein äußerst präs­entes Thema im öffent­li­chen Diskurs, Abgaben werden ange­spro­chen im Zusam­men­hang mit der Frage "wer zahlt, wer profi­tiert?" Einen wich­tigen Aspekt stellen dabei Steu­er­re­formen und deren Effekte dar. Hinsicht­lich dem Wohl­fahrts­staat müssen zudem Unter­schiede inner­halb und zwischen Gene­ra­tionen, verbunden mit Beschäf­ti­gungs­sta­bi­lität, Ungleich­heit über den Lebens­zy­klus und inter- und intra­ge­ne­ra­tio­nale Dispa­ri­täten. ange­spro­chen werden.

Kontakt­per­sonen

Steuern und Budget

Steuern und Abgaben sind die wesent­lichste Säule für die Finan­zie­rung des Wohl­fahrts­staates. Ein „gerechtes“ Abga­ben­system wird von der Öffent­lich­keit sehr kontro­vers disku­tiert; das Zusam­men­spiel unter­schied­li­cher Gesetze und deren Ausnahmen macht die Gesamt­ana­lyse dieses Gebietes zu einer komplexen Aufgabe. Es stellen sich die Fragen, wie groß die Belas­tung der Haus­halte entlang der Einkom­mens- und Vermö­gens­v­er­tei­lung ist, und wer von Reformen profi­tiert, bezie­hungs­weise belastet wird und sich das Aufkommen dadurch verän­dert.

Simu­la­ti­ons­mo­dell TAXSIM

Bei diesem Modell handelt es sich um ein virtu­elles Finanzamt auf Basis von amtli­chen Mikro­daten. Aktu­elle Regeln und Reform­vor­schläge werden mitein­ander vergli­chen: Hoch­rech­nung der Aufkom­mens­ef­fekte und Durch­rech­nung über Finanz­aus­gleich. Die aktu­elle Einkom­mens­steu­er­re­form 2015/16 dient hier als Beispiel:

  • Signi­fi­kante Entlas­tung über die gesamte Einkom­mens­ver­tei­lung

  • Frauen profi­tieren unter­durch­schnitt­lich, da sie vor allem im unteren Einkom­mens­be­reich vertreten sind

  • Betrachtet man nur die Reform ohne Gegen­fi­nan­zie­rung steigt die Ungleich­heit 

Gesamt­be­las­tung der Haus­halte

Dieser Bereich wird in Koope­ra­tion mit dem Verein respekt.net bear­beitet. Unter Verknüp­fung mehrerer Daten­quellen

  • Erhe­bung von steu­er­zahlen.at

  • Konsu­mer­he­bung von Statistik Austria

  • Vermö­gens­daten der OeNB 

wird versucht zu beant­worten, wie es um die Gesamt­be­las­tung durch den Staat steht, wenn alle Steuern, Abgaben und Gebühren zusammen betrachtet werden. Zudem soll die Frage nach der tatsäch­l­i­chen Progres­si­vität des Systems beant­wortet werden.

Erbschaft­steuer

Thomas Piketty charak­te­ri­siert das 21. Jahr­hun­dert als die Epoche der Erben. Eine Analyse des HFCS 2010 zeigt:

  • Anzahl der Erbfälle wird steigen (Baby­boomer)

  • Durch­schnitt­li­ches Erbe wird ebenso steigen (unge­störte Akku­mu­la­tion)

Das Erbvo­lumen wird sich mehr als verdop­peln, von EUR 10 Mrd. auf EUR 25 Mrd. pro Jahr. Eine Erbschaft­steuer wäre dies­be­züglich denkbar als auto­ma­ti­scher Stabi­li­sator.

Unter­schiede inner­halb und zwischen Gene­ra­tionen

Ein wich­tiger Aspekt sind struk­tu­relle und insti­tu­tio­nelle Verän­d­e­rungen – Flexi­bi­li­sie­rung des Arbeits­marktes und tech­no­lo­gi­scher Fort­schritt. Beson­ders davon betroffen sind dabei Arbeits­markt­ein­steiger/innen, in anderen Worten, jüngere Gene­ra­tionen. Die poten­ti­ellen Konse­quenzen dieser Art der Ungleich­heit sind hohe Einkom­mens­schwan­kungen und höheres Einkom­mens­ri­siko und stei­gende Ungleich­heit zwischen Gene­ra­tionen; bislang gibt es zu diesem Bereich wenige empi­ri­sche Unter­su­chungen hinsicht­lich lang­fris­tigen Entwick­lungen in Öster­reich.

Beschäf­ti­gungs­sta­bi­lität von Arbeits­markt­ein­steiger/innen in Öster­reich

Zuneh­mend brüchiger werdende Erwerbs­bio­gra­phien impli­zieren ein höheres Einkom­mens­ri­siko und haben lang­fris­tige Konse­quenzen – beson­ders dann, wenn (wie in Öster­reich) Erwerbs­be­tei­li­gung und soziale Siche­rung eng mitein­ander verknüpft sind.

Obwohl das Thema in der medialen Diskus­sion häufig präsent ist, gibt es für Öster­reich bisher kaum Unter­su­chungen zur länger­fris­tigen Entwick­lung von Beschäf­ti­gungs­sta­bi­lität: Diese Lücke soll hier geschlossen werden.

Einkom­mensun­gleich­heit im Lebens­zy­klus

Studien für andere Länder und erste Ergeb­nisse aus Forschungs­pro­jekt 1 legen nahe, dass jüngere Gene­ra­tionen häufiger mit Einkom­mens­schwan­kungen konfron­tiert sind als ältere. Dieser Aspekt soll in Forschungs­pro­jekt 2 anhand der Daten des Haupt­ver­bandes der Sozi­al­ver­si­che­rungs­träger analy­siert werden:

  • Wie unter­scheiden sich Einkom­mens­ver­läufe verschie­dener Kohorten?

  • Welche Unter­schiede bestehen inner­halb und zwischen Kohorten? 

Auswir­kungen eines Arbeits­platz­ver­lustes junger Arbeit­nehmer/innen

Die ökon­o­mi­sche Lite­ratur geht oft davon aus, dass der Verlust des Arbeits­platzes für junge Arbeit­nehmer/innen nur geringe, kurz­fris­tige Auswir­kungen hätte. Aller­dings zeigen die wenigen exis­tie­renden empi­ri­schen Analysen für die USA, dass der Verlust des Arbeits­platzes auch für Personen am Beginn ihrer Erwerb­s­kar­riere lang­fristig nega­tive Konse­quenzen hat. Ob das auch für Öster­reich gilt, soll hier unter­sucht werden.