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Sozialer Aufstieg in Österreich. Eine Leiter ohne Sprossen?

Wann? Mittwoch, 29. Mai | 18:00 - 20:00

Wo? Wirtschaftsuniversität Wien, Festsaal 1

     

Das Leben ist oft ungerecht, schon gleich zu Beginn. In welche Familie man hineingeboren wird, prägt in großem Ausmaß künftige Lebens- und Einkommenschancen. Trotz großen persönlichen Engagements verbleiben viele letztlich in der sozioökonomischen Schicht ihrer Eltern. Schichtzugehörigkeit wird damit auch – und vor allem – in Österreich über Generationen hinweg vererbt. Das bestätigt auch eine aktuelle OECD-Analyse. Sozialer Aufstieg erweist sich also als schwieriges, wenn nicht unmögliches Unterfangen. Warum sozialer Aufstieg hierzulande noch immer so oft misslingt, wie auf der Systemebene „Sprossen in die Aufstiegsleiter eingezogen werden können“ und warum diese politisch auf unebenem Grund steht, wird im Rahmen dieser Veranstaltung von profunden KennerInnen der nationalen und internationalen Forschung zum Thema „soziale Mobilität“ aufgezeigt und diskutiert.

Diskutierende:

Michael Förster, Chefanalyst, OECD

Christoph Badelt, Department Sozioökonomie, WU

Alyssa Schneebaum, Department Volkswirtschaft, WU

Moderation:

Karin Heitzmann, Leiterin des Instituts für Verteilungsfragen, WU

"Die jüngsten Berichte der OECD 'A Broken Social Elevator?' und 'Under Pressure: The Squeezed Middle Class' weisen eindrucksvoll nach, dass soziale Mobilität in OECD-Ländern in den Dimensionen Einkommen, Bildung, Beruf und Gesundheit gering ist, wobei "klebrige Böden" für viele die Aufwärtsmobilität verhindern und "klebrige Decken" mit dem Horten von Möglichkeiten an der Spitze verbunden sind. So kann es 4 bis 5 Generationen dauern, bis ein Kind, das in eine Familie mit niedrigem Einkommen geboren wird, das mittlere Einkommen in einem typischen OECD-Land erreicht. Gleichzeitig haben Haushalte mit mittlerem Einkommen in den letzten Jahrzehnten kein oder nur ein geringes Einkommenswachstum erfahren, wodurch Herausforderungen wie Ungerechtigkeit, Teuerung der Lebenshaltungskosten und Unsicherheit der Wirtschaftsaussichten ins Zentrum rücken."

Michael Förster - Chefanalyst für Einkommen und Verteilungsfragen an der OECD

"Soziale Immobilität ist nicht nur unfair, sondern auch ökonomisch schädlich. Viele sagen, sie sind absolut für Chancengleichheit, aber nicht unbedingt für Ergebnisgleichheit in Punkto Bildung, Einkommen oder Vermögen. Ist Chancengleichheit aber überhaupt möglich, wenn die ökonomischen Ergebnisse so ungleich verteilt sind? Die Forschung zeigt eigentlich ganz klar auf, wie soziale Mobilität gefördert werden könnte, aber in Österreich fehlt es bisher am politischen Willen diese entsprechend zu berücksichtigen."

Alyssa Schneebaum - Assistenzprofessorin am Department Volkswirtschaft

"In der österreichischen politischen Diskussion gibt es zwar immer wieder Debatten um die Ungleichheit von Einkommen oder Vermögen, das Thema der sozialen Mobilität wird aber selten angesprochen. Meist konzentriert sich die Kritik an der Ungleichheit auf die Forderung nach einer Vermögensbesteuerung oder nach einer stärkeren Besteuerung der Reichen. Auch das Anliegen, den Aufstieg von Angehörigen sozial benachteiligter Schichten zu fördern, tritt gegenüber der Förderung einer materiellen Besserstellung in den Hintergrund (Beispiel: Mindestsicherung). Oft sind es zudem Wirtschaftskreise, die die Anliegen der Verbesserung der Bildungschancen propagieren, weil dahinter die Einsicht nach einer Beseitigung des Fachkräftemangels steht. Es ist insgesamt nicht verwunderlich, dass Österreich bei der Förderung der sozialen Mobilität noch viel Raum für Verbesserungen hat."

Christoph Badelt - Leiter des WIFO & o. Universitätsprofessor am Department Sozioökonomie