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Josef Zechner

Researcher of the Month

Kosten­faktor Arbeits­kraft: Wenn Fremd­fi­nan­zie­rung zum Problem wird

Die effi­zi­ente Versor­gung der Unter­nehmen mit Kapital ist der Stütz­pfeiler jeder Real­wirt­schaft. Viele Länder, so auch Öster­reich, fördern indi­rekt über das Steu­er­system das Fremd­ka­pital, da die Zinsen an die Gläu­biger die Steu­er­last für Unter­nehmen redu­zieren. Eine aktu­elle Studie von WU-Pro­fessor Josef Zechner verdeut­licht, wie der Staat durch Förde­rung der Unter­neh­mens­ver­schul­dung gleich­zeitig das Risiko für Arbeit­neh­me­rInnen erhöht.

Die Unter­neh­mens­fi­nan­zie­rung durch Fremd­ka­pital erscheint in vielen Ländern lukrativ. Auch Öster­reich schafft für diese Art der Finan­zie­rung Steu­er­vor­teile gegen­über der Eigen­fi­nan­zie­rung, insbe­son­dere durch die Absetz­bar­keit der Zinsen von der KÖST Bemes­sungs­grund­lage. Die Steu­er­vor­teile des Fremd­ka­pi­tals eines Unter­neh­mens, das sich zu 60 Prozent fremd­fi­nan­ziert reprä­s­en­tieren in Öster­reich ca. 15 Prozent des gesamten Unter­neh­mens­werts. Fremd­fi­nan­zie­rung bringt jedoch auch zahl­reiche Nach­teile mit sich. Den rele­vanten Faktoren bei der Wahl der Finan­zie­rungs­struktur widmete sich WU-Pro­fessor Josef Zechner von Institut für Finance, Banking and Insurance in mehreren seiner Studien. Seine Unter­su­chungen zeigen, dass ein wesent­li­cher Faktor bei der Suche nach der rich­tigen Finan­zie­rungs­struktur oftmals außer Acht gelassen wird: Arbeit­neh­me­rIn­nen­kosten.

Mehr Schuld, mehr Risiko

Mit der Höhe der Verschul­dung steigt auch das Konkurs­ri­siko eines Unter­neh­mens. „Ein hohes Konkurs­ri­siko zieht viele Folgen nach sich: Vor allem in spezia­li­sierten Indus­trien verlieren KundInnen ihr Vertrauen zum Unter­nehmen. Auch die Inves­ti­tionen sinken, wenn Kapi­tal­ge­be­rInnen aufgrund des hohen Konkurs­ri­sikos kein Geld mehr zuschießen wollen“, erklärt Zechner, „Ein wesent­li­cher Faktor, der oftmals zu wenig Beach­tung findet, sind die Kosten für Arbeit­neh­me­rInnen. Gerade in spezia­li­sierten Indus­trien müssen auch Arbeit­neh­me­rInnen im Fall eines Unter­neh­mens­kon­kurses finan­zi­elle Einbußen mit einkal­ku­lieren.“ Um weiterhin gute Mitar­bei­te­rInnen einstellen zu können muss ihnen ein hoch verschul­detes Unter­nehmen dieses Risiko in Form höherer Löhne bereits von vorne­herein abgelten. „Modell­si­mu­la­tionen zeigen, dass eine Erhöhung des Verschul­dungs­grads von 30 Prozent auf 60 Prozent zu einer Erhöhung der Lohn­kosten um ca. 14 Prozent führen würde“, so Zechner.

Falsche Förde­rungen

Auch die empi­ri­schen Studien, die Josef Zechner anhand der Daten inter­na­tio­naler Elek­tri­zi­tät­s­pro­du­zenten durch­führte, bestä­tigen die Ergeb­nisse aus der Theorie. Viele Unter­nehmen – gerade in spezia­li­sierten Indus­trien - senken die Wett­be­werbs­ri­siken für die Arbeit­neh­me­rInnen und gehen verstärkt den Weg der Eigen­fi­nan­zie­rung, um Kosten niedrig zu halten. „Es ist schwer nach­voll­ziehbar, warum der Staat nach wie vor die Fremd­fi­nan­zie­rung fördert. Viel­fach bringt sie auch für Arbeit­neh­me­rInnen Nach­teile wie ein höheres Risiko des Arbeits­platz­ver­lustes durch Unter­neh­mens­kon­kurs und poten­zi­elle Einkom­mens­aus­fälle mit sich. In spezia­li­sierten Indus­trien bedeutet dies letzt­end­lich höhere Lohn­kosten für Arbeit­ge­be­rInnen“, so Zechner.