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Researcher of the Month Jesus Crespo Cuaresma

Video Jesús Crespo Cuaresma

Jesús Crespo Cuaresma

Forscher des Monats April

Was uns der Wald über das Brut­to­in­lands­pro­dukt verrät - und umge­kehrt

WU-Pro­fessor Jesús Crespo Cuaresma ist Vorstand des Insti­tuts für Makro­ö­ko­n­omie am Depart­ment Volks­wirt­schaft. In seiner aktu­ellen Studie zeigt er, wie sich Ungleich­heiten und volks­wirt­schaft­liche Verän­d­e­rungen auf die Bewal­dung und somit auf das globale Ökosystem auswirken. Die Ergeb­nisse machen deut­lich: Werden arme Länder reicher, verän­dern sich auch Umwelt­res­sourcen wie die Wald­struk­turen in diesen Ländern. Grund dafür ist Abhol­zung. Auf das Wie und Warum findet Crespo Cuaresma in seiner Studie erst­mals Antworten.

Die Theorie einer wald­be­zo­genen Kuznets-Kurve, wonach arme Länder im Zuge eines Einkom­mens­wachs­tums erst massiv ihre Wald­flächen verklei­nern und sich dann ab einer gewissen Einkom­mens­stärke wieder einpen­deln, ihre Wälder wieder bestehen bleiben oder sogar wachsen, gab es bereits seit Ende der 1990er-Jahre. Jesús Crespo Cuaresma und seine Kolleg/inn/en des Inter­na­tional Insti­tute for Applied System Analysis (IIASA) konnten nun welt­weit erst­mals die Theorie bestä­tigen.

Außer­ge­wöhn­li­ches Forschungs­de­sign

Für seine Unter­su­chungen wählte WU-Pro­fessor Jesus Crespo Cuaresma einen neuar­tigen, inter­dis­zi­pli­nären Zugang und entwi­ckelte gemeinsam mit Fern­er­kun­dungs­-­Ex­pert/inn/en und Geolog/inn/en ein einzig­ar­tiges Forschungs­de­sign. Im Mittel­punkt der Forschung stand die Frage, wie sich die Natur eines Landes durch Verän­d­e­rung von Einkommen verän­dert, konkret widmete sich Jesús Crespo Cuaresma dabei dem Wald­vor­kommen. Hierfür zog der Makro­ö­konom Satel­li­ten­bilder heran und fokus­sierte alle Länd­er­grenzen welt­weit. Für die Analyse wurden dann jene Gebiete ausge­wählt, in denen inner­halb einer 50-Ki­lo­me­ter-Grenz­zone auf beiden Seiten der Grenze gleiche klima­ti­sche und geolo­gi­sche Gege­ben­heiten vorhanden sind. „Es würde keinen Sinn machen, Einkommen und Wald­struk­turen zwischen zwei Ländern zu verglei­chen und Effekte zu beob­achten, wenn mögl­i­cher­weise eines der beiden Länder über keinen Wald verfügen kann, weil es aus Wüsten­ge­biet oder Gebirge besteht“, erklärt Crespo Cuaresma.

Holz als zentrale Ressource

Gerade in tropi­schen Gebieten wurde in den vergan­genen Jahr­zehnten massiv Wald abge­holzt – ein Phänomen, das sich beson­ders in armen Ländern zeigt. In seiner Studie beob­achte Jesús Crespo Cuaresma die Verän­d­e­rungen von Einkommen in den Ländern und ihren jewei­ligen Wald­struk­turen. Die Ergeb­nisse zeigen: Arme Länder, deren Wirt­schaft wächst, weisen inten­sive Abhol­zungen auf. Errei­chen diese Länder aller­dings ein gewisses Einkom­mens­ni­veau, stagniert auch die Abhol­zung. Ab diesem Zeit­punkt ist ein leichtes Wachstum des Waldes zu erkennen. „Wir gehen davon aus, dass die massive Abhol­zung in armen Ländern durch den Handel mit Holz als Rohstoff und zusätz­lich durch nied­rige Ener­gie­kosten, weil Holz als billi­gerer Ener­gie­lie­fe­rant gilt, erst stark zunimmt“ erklärt Crespo Cuaresma. Ab einem Brut­to­in­lands­pro­dukt von 5.500 inter­na­tio­nalen Dollars - das entspricht exakt dem Pro-­Kopf-­Ein­kommen in Guate­mala - stoppt die Zunahme der Abhol­zung, statt­dessen ist ab diesem Punkt wieder Wald­wachstum zu erwarten. „Ab einem bestimmten Level an Wohl­stand, wird Wald nicht mehr in der Inten­sität wie vorher als Ener­gie­lie­fe­rant und Handels­res­source genutzt. Zudem gehen wir davon aus, dass wohl­ha­ben­dere Menschen even­tuell auch mehr Umwelt­be­wusst­sein oder auch mehr Zeit für Natur und Wald haben“, erklärt Crespo Cuaresma.      

Meilen­stein für die Klima­for­schung

Die Ergeb­nisse der Studie sind insbe­son­dere im Bereich der Klima­for­schung ein völlig neuer Aspekt und stellen einen wesent­li­chen Schritt in der Wissen­schaft dar. „Wälder sind eine güns­tige Tech­no­logie, um CO2 zu spei­chern. Wenn man die Kuznets-Kurve mit Einkom­mens­sze­na­rien kombi­niert lässt sich zukünftig schätzen wie viel Wald wir in der Zukunft haben werden und ob Abhol­zung ein Problem für den Klima­wandel werden könnte“, so Crespo Cuaresma  

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