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Researcher of the Month Jan Mendling

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Jan Mendling

Forscher des Monats Juni

Die Digi­ta­li­sie­rung hat viele Bran­chen stark verän­dert, zahl­reiche neue Unter­nehmen und Geschäftsi­deen auf den Markt gebracht aber auch etablierte Unter­nehmen verun­si­chert. Am WU-In­sti­tute for Infor­ma­tion Busi­ness arbeiten Jan Mend­ling und seine Kolle­gInnen daran, jene Daten, die neu gewonnen werden, zu verstehen, darzu­stellen und so Prozesse sichtbar zu machen. Bei ihrem aktu­ellen Projekt im Beklei­dungs­handel wurde deut­lich, wie groß die Verän­d­e­rungen durch die zuneh­mend zur Anwen­dung kommende RFID Tech­no­logie sein können: Exak­tere Bestands­kon­trollen, genaue Infor­ma­tionen darüber, wo sich Produkte in den Geschäftsräumen befinden, schnelles Voran­kommen an der Kassa und elek­tro­ni­sche Kauf­be­ra­tung in der Kabine könnten die Zukunft sein.

Im Rahmen des EU-For­schungs­pro­jekt Seramis unter­sucht Jan Mend­ling, wie die Unter­stüt­zung von Prozessen im Mode­ein­zel­handel mithilfe von RFID-­Fun­ke­ti­ketten an den Klei­dungs­stü­cken funk­tio­nieren kann. „Um neue Tech­no­lo­gien der Daten­ge­win­nung sinn­voll und gewinn­brin­gend einsetzen zu können ist es von hoher Wich­tig­keit, die Daten auch zu verstehen und Prozesse abbildbar zu machen“, erklärt WU-Pro­fessor Jan Mend­ling, „Im Beklei­dungs­sektor hat sich gezeigt, dass man dadurch Trans­pa­renz für Prozesse erreicht, die früher schwer zu über­bli­cken waren.“ Durch die Verar­bei­tung und Sicht­bar­ma­chung dieser Infor­ma­tionen können so die Prozesse der Bestands­ver­wal­tung, der Bezah­lung an der Kasse und die Dieb­stahl­si­che­rung verbes­sert werden.

Elek­tro­ni­sche Bera­tung, schneller an der Kassa

Neben der Prozess­dar­stel­lung mittels Daten entwi­ckeln Jan Mend­ling und seine Kolle­gInnen an der WU auch gänz­lich neue digi­tale Prozesse, beispiels­weise um verlegte Artikel wieder aufzu­finden oder die Bewe­gungs­pfade von Klei­dungs­stü­cken durch die Filiale zu verstehen. Gemeinsam mit seinem Team am Insti­tute for Infor­ma­tion Busi­ness entwi­ckelt er Soft­ware-Werk­zeuge, die solche Szena­rien mit Analysen unter­stützen. Vorstellbar sind dabei auch Szena­rien wie elek­tro­ni­sche Kauf­be­ra­tung in der Kabine: Mittels RFID kann fest­ge­stellt werden, welche Klei­dungs­stücke in der Kabine probiert werden. Zukünftig könnten beson­ders bei großen Kauf­haus­ketten KundInnen via elek­tro­ni­scher Bild­schirme in der Kabine über dazu passende Klei­dungs­stücke und Acces­soires infor­mierten und bei ihrer Kauf­ent­schei­dung beraten werden.

Versteckte Poten­ziale

„Die Vorteile von digi­talen Geschäftspro­zessen bestehen in der besseren Nach­voll­zieh­bar­keit, einer schnel­leren Verar­bei­tung und neuen Analy­se­mög­l­ich­keiten”, erklärt WU-Pro­fessor Mend­ling, „Gemeinsam mit inter­na­tio­nalen Part­ne­rInnen erforscht das Insti­tute for Infor­ma­tion Busi­ness neue Ansätze aus dem Bereich des Process Mining, womit man Geschäftspro­zesse anhand von Ereig­nis­daten auswerten kann. Zwar haben viele Unter­nehmen bereits einen Chief Digi­ta­li­sa­tion Officer benannt, um verschie­dene Digi­ta­li­sie­rungs­pro­jekte zu koor­di­nieren, aber viele Analy­se­mög­l­ich­keiten werden bis jetzt nur in einzelnen Projekten genutzt.“

Mehr Daten, aber noch viel Unge­wiss­heit

Gemeinsam mit Ayelt Komus von der Hoch­schule Koblenz und Andreas Gadatsch von der Hoch­-­schule Bonn-R­hein-­Sieg widmet sich  Jan Mend­ling im Rahmen einer Studie mit dem Titel „BPM-­Com­pass“ auch den Fragen, wie die Erfolge von Busi­ness Process Manage­ment sicher­ge­stellt werden können und was die vorherr­schenden Ziele und Erfolgs­fak­toren des Prozess­ma­nage­ments in Unter­nehmen verschie­dener Bran­chen sind. Bei der BPM-­Com­pas­s-­Be­fra­gung, die unter Prak­ti­ke­rInnen aus den Berei­chen Prozess- und IT-Ma­nage­ments durch­ge­führt wurde, zeichnet sich bereits ab: In vielen Unter­nehmen sind die neuen Mögl­ich­keiten, die sich durch die Digi­ta­li­sie­rung von Prozessen ergeben, noch längst nicht ausge­schöpft. Über 80 Prozent der befragten Exper­tInnen sehen die Digi­ta­li­sie­rung als wichtig für die Geschäftsm­o­delle des eigenen Unter­neh­mens, aber nur jede/r Vierte ist mit der digi­talen Trans­for­ma­tion im eigenen Unter­nehmen auch zufrieden ist. Am WU-In­sti­tute for Infor­ma­tion Busi­ness arbeitet man daran, für verschie­densten Unter­neh­mens­be­reiche durch das Abbilden der digi­talen Daten Prozesse zu verbes­sern und neue Poten­ziale aufzu­de­cken.