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Researcher of the Month Gerhard Speckbacher

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Gerhard Speckbacher

Forscher des Monats August

Führung: Wie sich Krea­ti­vität lenken lässt

Krea­ti­vität ist ein Kern­ele­ment für den Unter­neh­mens­er­folg. Nahezu jede Firma profi­tiert davon. Gerhard Speck­ba­cher vom Institut für Unter­neh­mens­füh­rung und sein Team widmen sich in ihrer aktu­ellen Forschung der Frage, wie Krea­ti­vität in Unter­nehmen gema­nagt werden sollte. Dabei zeigte sich, dass Mitar­bei­te­rInnen nicht am krea­tivsten sind, wenn sie sich selbst über­l­assen werden, sondern dass Krea­ti­vität eine zentrale Führungs­auf­gabe ist.

Denkt man an Krea­ti­vität so kommen einem meist Genies aus Kunst und Wissen­schaft in den Sinn mit manchmal schrägen Marotten. Von Fried­rich Schiller ist etwa über­l­ie­fert, dass ihn der Geruch verfau­lender Äpfel kreativ inspi­rierte. Bei Krea­ti­vität in Unter­nehmen geht es aber fast nie um spek­ta­ku­läre Geis­tes­blitze einzelner Genies, sondern Krea­ti­vität zählt besten­falls zum Alltags­ge­schäft in Unter­nehmen und ist ein Team­sport. Dementspre­chend groß sind die Heraus­for­de­rungen für Führungs­kräfte, ihre Teams so zu führen, dass sie einer­seits kreativ quer­denken, aber gleich­zeitig als Team „funk­tio­nieren“ und für das Unter­nehmen nütz­liche und umsetz­bare Ideen produ­zieren. WU-Pro­fessor Gerhard Speck­ba­cher, Vorstand des Depart­ments Stra­tegy and Inno­va­tion sowie des Insti­tuts für Unter­neh­mens­füh­rung an der WU, widmet sich der Frage, wie Teams im Sinne der Krea­ti­vität und gleich­zeitig der Unter­neh­mens­ziele best­mög­lich geführt werden.

Blick in die Praxis

Im Rahmen mehrerer Studien am Institut für Unter­neh­mens­füh­rung wurden in den vergan­genen fünf Jahren insge­samt weit über 1.000 Personen in mehreren hundert Unter­nehmen unter­schied­lichster Bran­chen befragt. Die Führungs­kräfte gaben dabei Auskunft über einge­setzte Führungs­in­stru­mente, die Mitar­bei­te­rInnen über die Wahr­neh­mung bezüglich ihrer Führungs­kräfte und deren Führungs­stil. Zudem erhoben Gerhard Speck­ba­cher und seine Kolle­gInnen auch unter­schied­liche Merk­male der Team­zu­sam­men­set­zung. Ergän­zend wurde eine weitere Studie durch­ge­führt, in der die Führungs­kräfte ihre Teams in punkto Krea­ti­vität bewer­teten. Nach der statis­ti­schen Auswer­tung der Daten konnten dann verschie­dene Hypo­thesen getestet werden, z.B. zu den Vor- und Nach­teilen bestimmter Führungs­stile und zur Wirkung von Ziel­vor­gaben oder Regeln auf die Team­krea­ti­vität, also auf das Hervor­bringen neuer und für das Unter­nehmen nütz­li­cher Ideen.

Auf die Konstel­la­tion kommt es

Die Ergeb­nisse zeigen, dass entgegen einer weit­ver­brei­teten Meinung, gerade im Krea­ti­vi­tät­spro­zess in Unter­nehmen klare Regeln und Normen und klar formu­lierte Ziel­set­zungen wichtig sind. Aller­dings hängt deren posi­tive oder nega­tive Wirkung auf die Team­krea­ti­vität vom rich­tigen Führungs­stil der Führungs­kraft ab. Führungs­kräfte sollten nicht nur selbst das Team inspi­rieren und intel­lek­tuell stimu­lieren, sondern vor allem sollten Ziel­vor­gaben und Bewer­tungen einen „Entwick­lungs­cha­rakter“ statt eines „Kontroll­cha­rak­ters“ haben. Mit „Deve­lop­mental Evalua­tions“, das heißt durch Feed­back, das der Weiter­ent­wick­lung der Team­fäh­ig­keiten anstatt der Kontrolle der Ziel­er­rei­chung dient, kann auch eine drohende nega­tive Wirkung von Ziel­vor­gaben und Regeln auf die intrin­si­sche Moti­va­tion und das „krea­tive Selbst­be­wusst­sein“ (Crea­tive Confi­dence) im Team vermieden werden.

Bessere Abstim­mung

Der Schlüssel zur Förde­rung von nütz­li­cher Krea­ti­vität in Unter­nehmen liegt also nicht so sehr im Schaffen zusätz­li­cher Frei­räume, wie es Unter­nehmen wie beispiels­weise Google eine Zeit lang mit einem „freien Krea­tivtag“ pro Woche für alle Mitar­bei­te­rInnen versucht haben. „Damit sich nütz­liche, krea­tive Ideen im Unter­nehmen frei entfalten, muss man auch keines­wegs Regeln und Ziel­vor­gaben abschaffen. Im Gegen­teil: Klar kommu­ni­zierte und begrün­dete Regeln und Ziel­vor­gaben sind von hoher Bedeu­tung, bekommen aber eine neue Rolle. Sie dienen der Führungs­kraft dazu, für das Team den Raum und die Rich­tung für die freie Entfal­tung von Krea­ti­vität zu defi­nieren und eine gezielte Entwick­lung der Team­fäh­ig­keiten zu unter­stützen. Für viele Menschen in leitenden Funk­tionen ist dies aller­dings eine wesent­lich schwie­ri­gere Anfor­de­rung als die viel­fach prak­ti­zierte Führung mit Ziel­vor­gaben nach dem „Plan-Do-Check-Act“ Muster“, erklärt Gerhard Speck­ba­cher.

Zur Studie