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Urban Fungus - Pilzzucht auf Kaffeesatz

Wintersemester 2013 / 2014

EXECUTIVE SUMMARY

Jeder Österreicher trinkt im Durchschnitt über 160 Liter Kaffee pro Jahr, jedoch gelangen nur in etwa 0,2% der Kaffeebohne in das Endprodukt. Die übrigen 99,8% des Rohstoffes kommen als Kaffeesatz unverwertet in den Müll. Genau hier liegt ein enormes Potential, denn der von den Kaffeehäusern zu entsorgende Kaffeesatz dient aufgrund der Eigenschaft eines Hartholzes als optimaler Nährstoff für den Anbau von diversen Speisepilzen. Die Pilzzucht auf Kaffeesatz bietet vor allem große Vorteile gegenüber der herkömmlichen Pilzzucht. Herkömmlich gezüchtete Speisepilze werden zumeist auf Baumstämmen, Getreide oder ähnlichen wertvollen Ressourcen gezüchtet. Darüber hinaus wachsen Pilze auf Kaffeesatz in etwa drei Mal so schnell ohne an Geschmack oder Qualität einzubüßen. Auf einer Fläche von 30 m² können bereits über fünf Tonnen Speisepilze pro Jahr hergestellt werden.

Geschäftsidee

Die Kernressource, der Kaffeesatz, wird von diversen Kaffeehäusern in Wien gesammelt und bereitgestellt. Der Kaffeesatz wird mit selbst erzeugten Pilzsporen beimpft und je nach Pilzart beträgt die Dauer in etwa 4 bis 12 Wochen bis zur Ernte. Mögliche für den Anbau geeignete Speisepilze sind beispielsweise Kräuterseitlinge, Austernpilze, Shiitake und Reishi. Der Anbau der Pilze soll direkt in Wien in Zentrumsnähe durchgeführt werden, um jegliche Transportwege so gering wie möglich zu halten. Im Anschluss an die Ernte kommen die Speisepilze so schnell wie möglich zum Endkonsumenten. Der Verkauf soll vorerst an Restaurants, Kochschulen und direkt von der Produktionsstätte aus erfolgen.

Die Pilzzucht auf Kaffeesatz vereint im Wesentlichen die 3 Faktoren Qualität, Nachhaltigkeit und attraktiver Preis. Die Frische der gesundheitsfördernden Pilze wird durch den regionalen Anbau und kurze Transportwege gewährleistet. Der Faktor Nachhaltigkeit ist in sämtlichen Geschäftsprozessen verankert. Vom umweltfreundlichen Transport mittels Fahrrädern, über die Verwertung von Abfall und die Möglichkeit der Gestaltung eines ressourcenschonenden Kreislaufes, denn der durch die Pilzzucht verwertete Kaffeesatz kann wiederum als Dünger oder Futtermittel weiterverwendet werden. Schließlich besteht aufgrund der kostensparenden Produktion die Möglichkeit die Speisepilze zu attraktiven Preisen anzubieten und somit einer größeren Bevölkerungsschicht Zugang zu der oft teuer angebotenen Delikatesse zu ermöglichen.

Ergebnisse und Ausblick

Ziel des Projektes war es vorerst, neben der Entwicklung eines Geschäftskonzepts, eine Pilzzucht zu starten, Probleme und Bedürfnisse der Konsumenten zu recherchieren und ein effizientes Netzwerk an Kontakten herzustellen.

Die Pilzzucht wurde nach Startschwierigkeiten erfolgreich umgesetzt und die ersten Austernpilze sind bereits am gedeihen. Nach zahlreichen Gesprächen mit Konsumenten, Experten und Restaurants wurde das Potential der Geschäftsidee schließlich bestätigt. Vor allem die teilweise schlechte Qualität, die Herkunft und der relativ teure Preis der bis dato angebotenen Speisepilze wurde oftmals kritisiert. Darüber hinaus wurden bereits diverse Kontakte mit Endkonsumenten, Restaurants bzw. der Universität für Bodenkultur geknüpft und liefern einen vielversprechenden Ausblick.

Ausblick

Im nächsten Schritt wird es hauptsächlich darum gehen, die Pilzzucht zu perfektionieren und auszubauen, um schließlich erste Verkostungen durchführen zu können. Die Analyse bzw. Suche eines optimalen Standorts der Produktionsstätte sowie ein geeignetes Marketingkonzept sind neben dem weiteren Knüpfen von Kontakten zu diversen möglichen Endkonsumenten die zukünftig zu fokussierenden Schritte. Aufgrund fehlender Materialkosten sowie multipler Erlöse besteht die Gelegenheit, eine urbane Pilzfarm ohne Außenfinanzierung umzusetzen bzw. in weiterer Folge dezentral zu skalieren.

Contact Person

  • Christian Lauer

Student Team

  • Florian Hofer
    Christian Lauer
    Reinhard Mair-Zeininger
    Immanuel Walzl