Vorlesen

HUB Vienna - Übersicht und Analyse der Förderlandschaft für Social Entrepreneurs in Wien

Wintersemester 2012 / 2013 

Executive Summary 

Ausgangssituation 

Social Entrepreneurs haben in der Anfangsphase häufig mit der Kapitalbeschaffung zu kämpfen. Gegenüber for-profit Entrepreneurship haben sie dabei den Nachteil, dass die meisten Risikokapitalgeber als Kapital- quelle ausscheiden, da diese bei der Start-Up-Finanzierung vor allem auf den möglichen finanziellen Return achten. Social Entrepreneurs hingegen ziehen das Erzielen von sozialem Nutzen einem hohen finanziellen Ertrag regelmäßig vor. 

Als Alternative zu dieser privaten Finanzierungsquelle bieten sich Förderungen öffentlicher Institutionen an. Doch auch bei Förderungen ist die Eignung für Social Entrepreneurs unsicher, und der Förderungsmarkt stellt viele Jungunternehmer vor eine große Herausforderung. 

Der Hub Vienna (vienna.the-hub.net) als Plattform für Personen mit sozialen Ideen hat diesen Umstand und den Bedarf der Auseinanderset- zung mit diesem Thema erkannt und ist deshalb mit einer entsprechen- den Aufgabenstellung an das Projektteam herangetreten. 

Projektziel 

Vorrangiges Ziel ist es, Wiener Social Entrepreneurs eine Orientierungshilfe in der Förderungslandschaft zu liefern, welche genau auf die Besonderheiten dieser eingeht. Im Zuge dessen sollten auch Barrieren, mit denen potenzielle Fördernehmer zu kämpfen haben, identifiziert werden. Hindernisse, die nur Projekte mit sozialem Hintergrund betreffen, sind hier genauso relevant wie allgemeine Unzulänglichkeiten des Förderungsmarktes. Aus den Ergebnissen werden im Anschluss praxisnahe Handlungsempfehlungen für die Betroffenen abgeleitet. 

Vorgehensweise & Methodik 

Basis der Analyse der Förderlandschaft war eine ausführliche Internetrecherche, woraus eine Datenbank mit über 80 Förderinstrumenten entstand. Zu acht für Social Entrepreneurs besonders relevanten Förderungen wurden anschließend die jeweiligen Ansprechpersonen kontaktiert, um vollständigere Informationen für die Analyse zu erhalten. Außerdem wurden 12 Experteninterviews geführt, um die Praxisnähe zu sichern. Auf Basis dieser Grundlage wurden in weiterer Folge dann Schlüsse und Empfehlungen gezogen. 

Ergebnisse & Empfehlungen 

Die Förderlandschaft ist geprägt von sehr bürokratischen Strukturen und unübersichtlichen Zuständigkeiten. Es ist für jeden, der sich einen Über- blick über die Förderlandschaft verschaffen möchte, nur mit einem enormen Zeitaufwand möglich, die Förderstrukturen ganzheitlich zu erfassen. Gerade für Unternehmer, für die die schnelle Umsetzung einer innovativen Projektidee im Vordergrund steht, ergibt sich oft das klassische Bild der bürokratischen und unternehmensfeindlichen Verwaltung, bei der wirtschaftliches Denken und Handeln nicht im Vordergrund stehen. 

Social Entrepreneurs befinden sich mit ihren Projektideen oft in einer noch schwierigeren Lage als klassische Unternehmer. Einerseits haben sie mit denselben Hürden zu kämpfen, mit denen auch andere Unter- nehmen (also jene, die nicht unbedingt einen sozialen Zweck verfolgen) zu kämpfen haben, wenn es um staatliche Unterstützungen geht. Andererseits ist der Begriff des Sozialunternehmers bzw. des Social Entrepreneurs derzeit nicht bei den Förderinstitutionen verankert, und es existieren keine expliziten Fördermaßnahmen, die an die speziellen Bedürfnisse angepasst sind. 

Darüber hinaus hat der potenzielle Förderwerber mit einer sehr unübersichtlichen und unstrukturierten Förderlandschaft zu kämpfen. Die Voraussetzungen zum Erhalt einzelner Förderungen variieren stark zwischen den Fördergebern, und auch die Dauer zum Erhalt zeigt die Trägheit und Ineffizienz der Förderlandschaft. Viele Informationen über Förderungen und Fördergeber sind nur schwer aufzufinden. So werden beispielsweise jene Social Entrepreneurs und Sozialunternehmer, die in der Rechtsform eines Vereins auftreten, benachteiligt und erhalten keinen Zugang zu zahlreichen Förderungen. All diese Faktoren führen dazu, dass die Förderwerber abgeschreckt werden und soziale Innovation so gehemmt werden kann. 

Hoffnung auf Verbesserung bieten jedoch Bestrebungen seitens der Europäischen Union, die versucht, die Begriffe der sozialen Innovation und des sozialen Unternehmertums auf administrativer Ebene zu verankern. Vor allem jedoch einheitliche Regelungen und die Ausrichtung an gemeinsamen Förderzielen wären für die Förderlandschaft wünschens- wert. Gerade Social Entrepreneurs und all jene, die sozial innovative Projekte verwirklichen wollen, könnten auch von einer effizienteren und transparenteren Gestaltung der administrativen Abläufe profitieren. Schlussendlich sollten das eigentliche Projekt und vor allem der soziale Grundgedanke im Vordergrund stehen, und Fördermaßnahmen müssen so flexibel sein, dass diese sich auch danach richten können.

Cooperation Partner

Student Team

  • Clemens Rösner
    Iris Redl
    Michael Luschin
    Stefan Pozar