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netwiss mediativesolutions - „User Innovation“ in Partizipatinsprozessen

Sommersemester 2011 

Executive Summary 

Wir leben in einem Zeitalter, welches von einem demokratischen Grundgedanken geprägt ist. So möchten viele BürgerInnen nicht von Entscheidungsprozessen ausgeschlossen werden. Deutlich wird dies in den zahlreichen Demonstrationen, welche in den letzten Monaten bzw. Jahren stattgefunden haben. „Stuttgart 21“ kann hier als ein polarisierendes Beispiel genannt werden, um die Wichtigkeit der Einbeziehung der Bevölkerung zu unterstreichen.
Zwei Unternehmen aus Wien, die netwiss GesmbH, ein Projektentwicklungsunternehmen, und die mediative solutions OG, spezialisiert auf Prozessberatung und Mediation, entwickeln in diesem Zusammenhang ein „Partizipationstool“.
Studenten des Instituts für Entrepreneurship und Innovation wurden beauftragt, zu untersuchen, inwieweit die Idee der „User Innovation“ des privaten Sektors in Partizipationsprozesse integriert werden kann. Anhand von Fallstudienanalysen und qualitativen ExpertInneninterviews wurde analysiert, welche Anforderungen darauf basierend ein „Online-Partizipationstool“ erfüllen soll. 

Ausgangssituation 

Die netwiss GmbH und die mediative solutions OG arbeiten im Zuge einer Projektausschreibung des Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) am Thema „Partizipationstool“. Als Subcontractor behandelte das Institut für Entrepreneurship und Innovation der Wirtschaftsuniversität Wien einen Teil dieses Projekts, in dem es das Phänomen der „User Innovation“ in Partizipationsprozessen näher untersuchte. 

Projektziel und Begriffsbestimmung 

Das Ziel des Projekts war die Ableitung von Handlungsempfehlungen zu der optimalen Gestaltung von Partizipationsprozessen, damit diese reibungslos verlaufen und das Phänomen der „User Innovation“ integriert werden kann. Der Begriff „User Innovation“ wurde für den öffentlichen Bereich folgendermaßen definiert:
„User jeglicher Art (Bürgerinnen und Bürger, Politikerinnen und Politiker, Unternehmen, sonstige Interessensgruppen) sollen die Möglichkeit haben, an der Prozessgestaltung sowie der inhaltlichen Planung von Projekten (z.B: Infrastruktur) der öffentlichen Hand teilzunehmen. Dabei sollen sie möglichst uneingeschränkt und selbständig ihre Ideen einbringen und diskutieren können.“  

Vorgehensweise und Methodik 

Der Weg zur Zielerreichung gestaltete sich in drei Etappen:

  • Bearbeitung von Fachliteratur und Ableitung relevanter Forschungsfragen 

  • Auswahl von vier geeigneten Fallstudien im Bereich Partizipation 

  • Durchführung von qualitativen Interviews mit ExpertInnen sowie deren Auswertung und Interpretation 

Bearbeitung von Fachliteratur und Ableitung der Forschungsfragen
Zur Darstellung der aktuellen Forschungslage wurde Literatur zum Thema „User Innovation“ im privaten Sektor recherchiert, um anschließend einen Transfer dieser Erkenntnisse auf den öffentlichen Sektor durchzuführen. Im Weiteren wurden eine Haupt- sowie sechs Unterforschungsfragen ausgearbeitet, um die Struktur für die  Informationsgewinnung vorzugeben. 

Auswahl von vier geeigneten Fallstudien im Bereich Partizipation
Nach definierten Beurteilungskriterien wurden drei der sieben vom Auftraggeber vorgegebenen deutschsprachigen Fallstudien ausgewählt und näher betrachtet. Zusätzlich wurde das von IBM in England durchgeführte Projekt „CovJam“ hinzugezogen, da hier der Fokus auf „User Innovation“ lag.  

Durchführung qualitativer Interviews mit Expertinnen und Experten 
Es wurden 14 Personen in 13 leitfadengesteuerten Interviews befragt. Insgesamt wurden 42 relevante Kernaussagen getätigt, welche in sieben Kategorien eingeteilt wurden. Im Anschluss wurden diese Angaben mit der untersuchten Literatur in Verbindung gesetzt, um darzustellen, in welchen Bereichen es Überschneidungen oder Widersprüche zwischen dem privaten und dem öffentlichen
Sektor gibt. 

Ergebnisse 

Im letzten Schritt wurden Handlungsempfehlungen für eine Umsetzung abgeleitet. Dieser Maßnahmenkatalog wurde nach den sechs definierten Unterforschungsfragen gegliedert und umfasst Empfehlungen bezüglich 

  • den Methoden zur Einbindung,

  • der Größe des vorgegebenen Lösungsraums,

  • den geeigneten Anreizen für Teilnehmerinnen und Teilnehmer,

  • dem Gestaltungs- und Entscheidungsprozess,

  • den möglichen Gefahren, Grenzen und Hürden dieser Idee, sowie

  • den Anforderungen an ein „Online- Partizipationstool“. 

Ein hohes Innovationspotenzial auf Seiten der Bürgerinnen und Bürger konnte festgestellt werden. Die Mehrheit der Erkenntnisse des „User Innovation“-Phänomens aus dem privaten Sektor sind übertragbar. Allerdings wurde herausgefunden, dass die Online- Plattformen persönliche Sitzungen nur ergänzen können, aber dennoch vor allem bei einer großen Zielgruppe und eher abstrakteren Projektzielen unentbehrlich sind. „User Innovation“ in Partizipationsprozessen über ein Online-tool einzubinden ist somit eine sinnvolle Komponente und deren gezielte Nutzung empfehlenswert ist. Die wichtigsten Anforderungen an dieses sind ein benutzerfreundliches Design, die Schaffung von Transparenz, eine intensive, aktive Betreuung sowie das Anbieten verschiedener Funktionalitäten wie z.B. das Verknüpfen einer Vielzahl verschiedener Ideen, die Durchführung einer Online-Umfrage und die Integration eines zusätzlichen „Toolkits“ für befristete Projekte, die zusätzlich zu der laufenden Diskussion im „Online- Tool“ stattfinden sollen.

Cooperation Partner

  • netwiss GmbH
    Hohe Warte 46
    1190 – Wien
    Österreich

  • DI Dr. Alexander Neumann, MA MSc
    Tel.: +43-1-96893-01
    E-Mail: office@netwiss.at

  • mediative solutions OG
    Hohe Warte 46
    1190 – Wien
    Österreich

  • Mag.a Sonja Busch
    Tel.: +43-1-27644-14
    E-Mail: office@mediative-solutions.at

Student Team

  • Julian Hagelkrüys
    Martin Kiene
    Johannes Prochazka
    Michael Schöber
    Walter Sinn