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Green Jobs in den chemischen Industrien

Sommersemester 2010 

Executive Summary

Green Jobs stehen für die Vereinbarkeit von stetigem Wirtschaftswachstum und Umweltschutz und werden als solche in den letzten Jahren massiv gefördert.
Die Rolle der chemischen Industrie in dieser Entwicklung ist eine zwiespältige. Einerseits liefert sie essentielle Vorleistungen und Ausgangsprodukte um Umweltschutz effizient zu verwirklichen. Andererseits gilt sie als Umweltsünder Nummer eins und es wird ihr deshalb oft die Fähigkeit abgesprochen Green Jobs zu generieren.
Umfassende Trendrecherchen zeigten jedoch, neben globalen Umwelttrends und der damit wachsenden Bedeutung von Green Jobs, einen weltweiten Trend der chemischen Industrie sich mit Umweltschutz und sozialer Verantwortung auseinander zu setzen - der so genannten „Green chemistry“. In zahlreichen, qualitativen Interviews konnten konkrete Berufsbilder identifiziert werden, die schon heute zur Umsetzung dieser Trends beitragen. Beispielsweise hilft der Energiemanager durch die Etablierung energieeffizienter Prozesse, Ressourcen und damit Kosten zu sparen sowie den Emissionsausstoß zu verringern.
Eine Analyse der Ist-Situation bestehender Ausbildungsmöglichkeiten, Zertifizierung von Unternehmen sowie firmenübergreifender Vernetzung ergab, dass manche Berufsbilder nicht ausreichend gefördert werden und diente der Ableitung von konkreten Handlungsempfehlungen wie der Schaffung von Informations- und Kompetenznetzwerken und der Förderung von konkreten Berufsbildern wie Ressourcen- bzw. Transportbeauftragten.

Ausgangssituation

Auf Grund der steigenden Klimabelastung und der Verknappung fossiler Rohstoffe, führten globale Umwelttrends in den letzten Jahrzehnten zu einem regelrechten Boom der Green Jobs. Die chemische Industrie wird im Zuge dieser Entwicklung jedoch oft als Negativ-Beispiel für Umweltbelastung und Verbrauch von fossilen Rohstoffen genannt. Fakt ist aber, dass die chemische Industrie eine nicht zu ersetzende Rolle im Umweltschutz einnimmt (z.B. als Lieferant von Vorprodukten für umweltfreundliche Produkte wie Solarzellen oder als Motor bzw. Pionier der Forschung und Entwicklung). Vorhandene Green Jobs werden jedoch auf Grund des negativen Images der chemischen Industrie nicht ausreichend bzw. zielgerecht genug gefördert.

Projektziel

Ziel des Projekts war es bestehende Green Jobs in der chemischen Industrie Öster-
reichs sichtbar zu machen, die Bedeutung von Green Jobs zu unterstreichen und konkrete Fördermaßnahmen abzuleiten.

Vorgehensweise

Der Weg zur Zielerreichung gestaltete sich in vier Etappen:

  • Analyse internationaler Trends

  • Identifikation von Green Jobs in der chemischen Industrie Österreichs

  • Ableiten eines allgemeinen Verständnisses des Begriffs Green Job

  • Ableiten von konkreten Fördermaßnahmen

Ergebnisse

Trendrecherche
Um die Rolle von Green Jobs innerhalb von Unternehmen der chemischen Industrie sowie deren Bedeutung für die internationale Wirtschaft im Allgemeinen zu verstehen, wurde nach Trends gesucht, die mit Green Jobs in Zusammenhang stehen.
Globale Trends, wie beispielsweise der schwankende Ölpreis oder die Forderung den Energieverbrauch zu senken, fundieren die wachsende Bedeutung von Green Jobs. Chemiespezifische Trends, wie eine stetige Erweiterung der Rohstoffbasis, verdeutlichen bereits bestehende Bemühungen der Branche auf globale Trends zu reagieren.

Identifikation von Green Jobs in der österreichischen Chemieindustrie
Qualitative Interviews gaben Aufschluss über die konkrete Umsetzung der recherchierten Trends in Unternehmen der chemischen Industrie. Es konnten zahlreiche Green Jobs identifiziert werden, die jedoch weder vom Unternehmen noch von der Öffentlichkeit als solche wahrgenommen werden. Die einzelnen Green Job Beispiele konnten anschließend zu 6 ressourcenspezifischen und 4 produktspezifischen Berufsbildern, wie etwa dem Energiebeauftragten zusammengefasst werden.

Begriffsklärung
Aus Literatur sowie den gewonnen Informationen aus Trendrecherche und qualitativen Interviews wurde ein allgemeines Verständnis von Green Jobs entwickelt, welches nicht nur die Herstellung von umweltfreundlichen Produkten berücksichtigt sondern auch auf Prozesse wie das Ressourcensparen in der Produktion eingeht. Zusätzlich wurden wirtschaftliche Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung als bedeutende Elemente eines Green Jobs identifiziert.

Ableiten von Fördermaßnahmen
Ausgehend von den analysierten Trends und den identifizierten Berufsbildern wurden in einem letzten Schritt konkrete Fördermaßnahmen erarbeitet. Dabei wurden internationale Best Practice Beispiele angeführt und schlussendlich konkrete Handlungsempfehlungen abgegeben.

Netzwerke zwischen Unternehmen, Staat und Hochschulen initialisieren um effektiven Informationstransfer zu ermöglichen und Synergieeffekte zu nutzen; nach dem Vorbild der USA (Apollo Alliance) bzw. Deutschlands (B.A.U.M.).

Ausbildungsmöglichkeiten für Zukunftsberufe wie den Ressourcen-/NAWARO Mana-ger schaffen um die Abhängigkeit vom Rohstoff Öl langfristig zu reduzieren.

Zertifikate fördern und anpassen um den Anteil der zertifizierten Unternehmen zu erhöhen.

Awareness für Green Jobs steigern: einerseits innerbetrieblich um entsprechende Stellen zu schaffen, andererseits in der Gesellschaft um die Rolle der chemischen Industrie für den Umweltschutz zu unterstreichen.

Cooperation Partner

  • Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft
    Stubenbastei 5
    1010 Wien
    Österreich
    Ansprechpartner
    Mag. Dr. Thomas Jakl
    Tel: +43-1-515 22-2330
    E-Mail: thomas.jakl@lebensministerium.at
    Dr. Raimund Quint
    Tel: +43-1-515 22-2331
    E-Mail: raimund.quint@lebensministerium.at

  • Fachverband der chemischen Industrie Österreichs
    Wiedner Hauptstraße 63
    1045 Wien
    Österreich
    Dr. Franz Latzko
    Tel: +43-05-90 900-3367
    E-Mail: latzko@fcio.wko.at

Student Team

  • Bernhard Egger
    Philipp Gleixner
    Christoph Grabner
    Denis Zagorov