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KERP - Lead User Projekt zur Entwicklung energieeffizienter Systeme

Sommersemester 2008

Executive Summary

Traditionelle Energieanwendungen sind häufig mit einer Schädigung der Umwelt verbunden und stellen uns insbesondere vor dem Hintergrund des weltweit drastisch ansteigenden Energiebedarfs vor ein Problem von großer Bedeutung – führt es neben verfehlten Klimaschutz-Verpflichtungen und erhöhter Abhängigkeit von externen Energielieferungen doch auch zu steigenden Energiepreisen für Industrie und Endverbraucher. Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz sind somit also sowohl aus Gründen des Ressourcenschutzes und der Umweltentlastung, als auch aufgrund finanzieller Implikationen relevant und dringend benötigt.

Das KERP Kompetenzzentrum Elektronik & Umwelt widmet sich dieser Herausforderung und leistet seit jeher durch die Gestaltung innovativer, umweltgerechter Produkte, Verfahren und Prozesse einen klaren Beitrag zu einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung. Ein Forschungsschwerpunkt ist die Nutzung von Energieeffizienzpotentialen im Office- und Wohnbereich. Durch Optimierung der Technologie sowie Anpassung an Umgebung und Nutzerverhalten soll eine zumindest gleichbleibende Funktionalität bei deutlich geringerem Energieeinsatz erreicht werden.

Zur Generierung besonders innovativer Lösungskonzepte wurde hierfür im vorliegenden Projekt gemeinsam mit dem Institut für Entrepreneurship und Innovation auf das Potential sogenannter Lead User zurückgegriffen – Visionäre, die über dem Markt vorausgehende Bedürfnisse verfügen und selbst einen hohen Nutzen aus einer entsprechenden Innovation erwarten. Unter Verwendung der von Prof. Eric von Hippel konzipierten Lead-User-Methode wurden derartige fortschrittliche Anwender identifiziert und in einen gemeinsamen Innovationsprozess eingebunden.

Der Start des vier-phasigen Projektes erfolgte im Rahmen eines Kick-Off-Days am 04. März 2008 durch ein interdisziplinäres Team bestehend aus acht Student/innen, drei Expert/innen des KERP Komptenzezentrums und zwei Kursleiterinnen. In dieser ersten Phase wurde das Suchfeld des Projektes – die Entwicklung energieeffizienter Systeme für elektronische Geräte und Anlagen im Office- und Wohnbereich – abgeleitet und spezifiziert. Hervorgehoben wurde hierbei einerseits die Anforderung, einhergehend mit der angestrebten Energieeinsparung ein zumindest gleichbleibendes Funktionalitäts- und Serviceniveau zu erreichen. Andererseits wurde auch die ganzheitliche Berücksichtigung der drei Einflussgrößen Technologie, Umwelt und Nutzungsverhalten als zugrundeliegendes Kriterium formuliert.

In der anschließenden zweiten Phase wurden relevante Bedürfnisse und Trends für das bearbeitete Suchfeld identifiziert. Dabei dienten 147 Interviews mit Experten/innen und Anwender/innen, sowie 453 Sekundärdaten zur Extrahierung insgesamt 18 relevanter Trends. Als Suchpfade für die nachfolgende Lead User Identifikation wurden hiervon gemeinsam mit der Geschäftsleitung des KERP Kompetenzzentrums die Bedürfnisse nach (1) minimalem Stromverbrauch bei Nicht-Benutzung elektronischer Geräte, (2) Leistungssteigerung von Leuchtmitteln bei gleichzeitig niedrigerem Stromverbrauch und (3) optimalem Zusammenspiel aller stromverbrauchenden Komponenten ausgewählt.

In Phase 3 des Projekts kam bei der Suche nach Lead Usern vor allem die „Pyramiding-Methode“ zum Einsatz. Bei diesem Ansatz werden soziale Netzwerke von Bezugspersonen eingebunden, um durch Verweisketten und Weiterempfehlungen schließlich zu Lead Usern zu gelangen. Mittels 226 Interviews im Rahmen dieser Methode, sowie 340 Suchprozessen in Online Foren (über Broadcasting und Content Analysis) konnten insgesamt 45 Lead User identifiziert werden, von denen 10 zum nachfolgenden Lead-User-Workshop eingeladen wurden.

Die abschließende vierte Phase gestaltete sich um den dreitägigen Lead-User-Workshop vom 12. – 14. Juni 2008. Im gemeinsamen Dialog sowie in spezialisierten Untergruppen entwickelten die eingeladenen Lead User und Vertreter des KERP Kompetenzzentrums mit Unterstützung der Student/innenteams (Moderation, Dokumentation und Teambetreuung) hierbei folgende drei innovative Lösungskonzepte für erhöhte Energieeffizienz im Office- und Wohnbereich:

  • Der „Energiefreund“ adressiert das dringend notwendige Verbraucherbewusstsein hinsichtlich effizienteren Umgangs mit Energie durch Aufbereitung von Messdaten in einem spielerisch-ermutigenden Kontext.

  • Das Konzept „Green Box“ bietet Mess- und Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Anbietern und Verbrauchern zur Glättung des Energiebedarfs und Erreichung sowohl finanzieller als auch ökologischer Entlastungen.

  • „infonet – einfach leben“ bedient sich der modernen Errungenschaften unserer Informationsgesellschaft und bietet dem Hausbesitzer bedarfsgerechten Energieumgang für erhöhte Lebensqualität und nachhaltige Ressourcenverwendung.

In einer ersten Bewertung hinsichtlich der Kriterien Neuheitsgrad, Problemlösungspotential, Umsetzbarkeit und Marktpotential wurden alle drei Konzepte von Workshopteilnehmern und Geschäftsführung des KERP Kompetenzzentrums als vielversprechend und höchst wertvoll eingestuft.

Cooperation Partner

  • KERP Kompetenzzentrum Elektronik & Umwelt
    Business & Research Center
    www.kerp.at

    Mag. Ulrike Brezovich
    Konsumentenforschung

Student Team

  • Martin Dostal
    Thomas Funke
    Hinnerk Hansen
    Stefanie Havlicek
    Wolfgang Kitzler
    Markus Mayrhofer
    Markus Pichler
    Sabrina Reiter