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Palfinger AG - Lead User Projekt im Bereich Mitnahmestapler

Sommersemester 2007 

Executive Summary

Wer bereits einmal auf der Autobahn hinter einem LKW gefahren ist, der am Heck einen Stapler montiert hatte, und sich gewundert hat, wozu man so etwas benötigt: Das ist ein Mitnahmestapler, der Speditionen das Abladen des Ladeguts beim Kunden (z.B. auf einer Baustelle) ermöglicht.

Mitnahmestapler werden also derzeit am Heck des Trägerfahrzeuges montiert. Die bestehenden Lösungen für Montage, Transport und Demontage dieser heckmontierten Mitnahmestapler sind jedoch bedienerunfreundlich und teilweise gefährden sie die Sicherheit des Bedienungspersonals. Zusätzlich entstehen durch die zur Verbesserung des Fahrverhaltens verwendeten Gegengewichte (vor allem bei Schnee und Glatteis) Effizienzverluste durch die Verringerung der Nutzlast aufgrund der notwendigen Gegengewichte.

Um diese Probleme zu beheben, entwickelten Lead User in Kooperation mit Mitarbeitenden der Firma Palfinger und Studierenden des Instituts für Entrepreneurship und Innovation drei innovative Lösungskonzepte:

(1)     "HM-CR-Kit"
(2)     "Palifant"
(3)     Vario-Halterung

Alle drei Konzepte ermöglichen eine einfachere, bedienerfreundlichere und vor allem sichere Montage und Demontage des Staplers. Zusätzlich wird aufgrund der speziellen Positionierung des Staplers erreicht, dass das Fahrverhalten des Trägerfahrzeuges, vor allem bei Leerfahrten, optimiert wird. Effizienzverluste durch Gegengewichte gehören somit der Vergangenheit an.

Basis für die Entwicklung dieser innovativen Lösungskonzepte war die so genannte Lead-User-Methode. Entwickelt von Professor Eric von Hippel am MIT beruht sie auf der Beobachtung, dass radikale Innovationen häufig nicht vom Hersteller, sondern von fortschrittlichen Anwendern (Lead User) selbst generiert werden. Palfinger erkannte dieses Potential und integrierte diese fortschrittlichen Anwender im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit dem Institut für Entrepreneurship und Innovation frühzeitig in den Neuproduktentwicklungsprozess. Ziel war es, für die oben beschriebene Problemstellung, radikale Innovationen zu finden, die dennoch innerhalb der nächsten drei Jahre umsetzbar sind.

Die Vorgehensweise der Lead-User-Methode lässt sich in vier Phasen einteilen. Zu Beginn wird das Suchfeld festgelegt, anschließend eine Analyse der relevantesten Bedürfnisse und Trends durchgeführt, um daraufhin die Identifikation der Lead User vorzunehmen – Anwendern, die auf einem der als relevant identifizierten Trends führend sind und sich andererseits einen hohen Nutzen von einer Innovation erwarten. Abschließend werden in einem mehrtägigen Workshop in der Zusammenarbeit von Lead Usern und Mitarbeitenden des Unternehmens innovative Lösungskonzepte für die zu Beginn definierte Problemstellung entwickelt.

Ausgehend vom Suchfeld „innovative Lösungen für Montage, Transport und Demontage von Mitnahmestaplern“ startete das zehnköpfige StudentInnenteam die Suche nach für diese Problemstellung relevanten Trends und Bedürfnissen.

Anhand von 58 Interviews mit Usern und Experten aus dem Zielmarkt und relevanten analogen Märkten, sowie der Analyse von über 60 Sekundärquellen konnten schließlich 14 Trends in den fünf Oberkategorien Sicherheit, Benutzerfreundlichkeit, Wirtschaftlichkeit, Kompatibilität und Flexibilität identifiziert werden. . Basierend auf den Kriterien Relevanz und Transferierbarkeit wurden schließlich die Trends “einfachere und komfortablere Montage und Demontage”, “elektronische Warnsysteme” und “flexible Lastenverteilung” als Basis für die Suche nach Lead Usern ausgewählt.

Ausgehend von diesen drei Trends wurden in der be-deutenden dritten Projektphase mit Hilfe der Suchmethoden Pyramiding und Broadcasting Personen identifiziert, die auf einem dieser Trends führend sind – sowohl im Zielmarkt als auch in analogen Märkten. In mehr als 160 Interviews und 200 Diskussionssträngen in Online Foren konnten schließlich 19 Lead User identifiziert werden.

Der dreitägige Lead-User-Workshop, zu dem neun der zuvor gefundenen Lead User und drei Mitarbeitende der Firma Palfinger eingeladen wurden, stellte den Abschluss des Projektes dar. In einem Wechselspiel aus Arbeitseinheiten in Gruppen und Diskussionseinheiten im Plenum wurden die drei eingangs erwähnten Lösungskonzepte für die Montage, den Transport und die Demontage von Mitnahmestaplern entwickelt. Unterstützt wurden die Teilnehmenden dabei von einem StudentInnenteam des Instituts für Entrepreneurship und Innovation durch Moderation und Dokumentation.

Alle drei genannten Konzepte zeichnen sich durch eine äußerst positive Bewertung in Bezug auf Innovationsgrad, Realisierbarkeit, Nutzen für den Konsumenten und Marktpotential aus. Die Firma Palfinger kann also an drei höchst spannende Ansätze anknüpfen, um darauf aufbauend vielleicht schon bald mit einer radikalen Innovation am Mitnahmestaplermarkt aufzuwarten.

Cooperation Partner

Student Team

  • Isabell Claus
    Christian Fabsich
    Karin Gegenbauer
    Carina Leb
    David Lielacher
    Agnes Ortiz
    Jun Jun Pan
    Gerald Schießl
    Sophie Trombitas
    Christian Winkler