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Siemens VDO Automotive GmbH - Lead User Projekt im Automotive Bereich

Sommersemester 2006 

Executive Summary

In der traditionellen Sichtweise des Innovationsmanagements hat der Hersteller den Exklusivanspruch auf die Entwicklung von neuen Produkten. Neuere, systematische Analysen zeigen jedoch, dass diese Vorstellung in vielen Märkten nicht aufrechterhalten werden kann und dass Hersteller-Innovationen oft nicht den gewünschten Nutzen für die User bringen. Die Lead-User-Methode hingegen stellt den User ins Zentrum des Geschehens. Die Entwicklung von innovativen Ideen verlagert sich dabei von den Herstellern zu den Usern. Es zeigt sich, dass so anstelle von inkrementellen Innovationen häufig Breakthrough-Innovationen generiert werden können und die Qualität der Produkte und der Nutzen für die User erhöht werden können.
Mit dem Begriff Lead User werden sehr fortschrittliche Anwender bezeichnet, die sich durch zwei Merkmale auszeichnen (nach Eric von Hippel, 1988):

  • Sie verspüren erheblich früher als die Masse der Kunden neue Bedürfnisse, die erst künftig marktwirksam sein werden (Trendführerschaft) und

  • Sie profitieren in starkem Maße von Innovationen, die ihre Probleme lösen beziehungsweise ihre neuartigen Bedürfnisse befriedigen.

Phase 1: Festlegung des Suchfeldes

Die Aufgabengebiete dieser Phase sind die Bildung interdisziplinärer Teams, die Festlegung des Suchfeldes und die Definition der Projektziele. Das Suchfeld wurde gemeinsam mit dem Projektpartner Siemens VDO wie folgt definiert: „Beschädigungs- und Verletzungsvermeidung durch bewegte Teile in und am Fahrzeug“. Es ging also um die Entwicklung von innovativen Lösungen für den Einklemmschutz bei PKWs.

Phase 2: Ermittlung von Trends und Bedürfnissen

In der zweiten Phase wurden die wichtigsten Trends und Bedürfnisse für das Suchfeld identifiziert und in einer gemeinsamen Arbeitssitzung mit Siemens VDO bewertet. Folgende Trends wurden schließlich für die Identifikation von Lead Usern in der anschließenden dritten Phase ausgewählt:

  • Elektromagnetische Sensoren und Nahfeldkommunikation

  • Optimierung des Human Machine Interface (HMI)

  • Lasertechnologie

Als Grundlage für die Identifikation der Trends dienten 230 Kontakte, die in 60 ausführlichen Interviews mit Markt- und Technologieexperten sowie Usern resultierten. Weiteres basieren die Ergebnisse auf Diskussionen in zahlreichen Online-Fachforen und 80 Literaturquellen.

Phase 3

Für die Lead-User-Identifikation innerhalb der drei ausgewählten Trends wurden die Suchstrategien „Pyramiding“ und „Broadcasting“ verwendet.
Basierend auf 158 Interviews mit potentiellen Lead Usern konnten 22 Lead User identifiziert werden. In einer gemeinsamen Arbeitssitzung mit Siemens VDO wurden letztendlich neun Lead User ausgewählt und zum Lead-User-Workshop in Phase 4 eingeladen.

Phase 4

Der dreitägige Lead-User-Workshop bildete den Abschluss des Lead-User-Projektes. Im Rahmen dieses Workshops wurden in einem ersten Schritt in Kleingruppen Ideen zur Lösung für das vorliegende Suchfeld gesammelt, geclustert und anschließend bewertet. Die vielversprechendsten Ideen wurden zu innovativen Konzepten weiterentwickelt und regelmäßig im Plenum diskutiert. Dabei wurde jedes Team bestehend aus drei Lead Usern und einem Mitarbeiter von Siemens VDO von einem StudentInnenteam durch Moderation und Dokumentation unterstützt. Folgende drei Konzepte wurden entwickelt:

  • Das Konzept „Optelix“ ist ein System der optischen Gefahrenerkennung durch einen Sender-Empfänger Lichtvorhang bzw. einer optischen Annäherungstaste.

  • Das Konzept „Sonic Guard“ ist ein auf Ultraschallsensoren basierendes System zur Türraumüberwachung beim Schließvorgang mit dem Feature der zusätzlichen Warntongenerierung.

  • Das Konzept „UBEKS“ verwendet zur Identifikation und Detektion das kapazitive Nahfeld der Haut. Beim Cabrioverdeck sind Dichtung/Gestänge die Sensorkomponenten.

In einer ersten Bewertung wurden die entstandenen Lösungskonzepte als sehr innovativ eingestuft. Alle entwickelten Konzepte sind universell einsetzbar und können vom Projektpartner in den nächsten 2-3 Jahren zur Serienreife weiterentwickelt werden.

Cooperation Partner

Student Team

  • Cornelia Daniel
    Susanna Grubhofer
    Ali Parvizi
    Martin Peev
    Karin Schmit
    Helmut Swoboda