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Schindler Aufzüge und Fahrtreppen AG - Lead User Projekt im Bereich Fahrtreppen

Sommersemester 2006 

Executive Summary

Erfolg und langfristiges Wachstum von Unternehmen sind unbestritten mit der Fähigkeit zur Entwicklung von Innovationen verbunden. Traditionell wird die Funktion der Innovationsentwicklung dem Produkthersteller zugeschrieben. Zahlreiche Beispiele erfolgreicher Produktinnovationen zeigen jedoch, dass sehr häufig die Anwender (User) selbst die eigentlichen Innovatoren sind. Forschungsarbeiten zu den Quellen von Innovationen haben weiters gezeigt, dass sich diese innovativen Aktivitäten nicht gleichmäßig über alle Anwender verteilen, sondern besonders attraktive Innovation von Lead Usern kommen.

Die Lead-User-Methode wurde von Professor Eric von Hippel am Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelt. Ziel der Methode ist es, jene User zu identifizieren und in Innovationsprojekte einzubinden, die einerseits einen hohen Nutzen von der Innovation haben und andererseits bereits heute Bedürfnisse haben, die die Masse der Kunden erst in Zukunft verspüren wird (Trendführerschaft). Diese beiden Lead-User-Eigenschaften stellen die besten Voraussetzungen für das Generieren radikaler Innovationen dar.

Als einer der führenden Hersteller von Fahrtreppen, hat auch die Schindler AG dieses Potential erkannt und führte bereits zum zweiten Mal mit dem Institut für Entrepreneurship und Innovation ein Lead-User-Projekt durch. Das Projektteam setzte sich aus sechs E&I StudentInnen, drei Mitarbeitern der Schindler AG sowie zwei Kursleitern zusammen. In der ersten Phase des Projekts wurde das Suchfeld – innovative Lösungen für das Stu-fenkettenband bei Fahrtreppen – definiert. Das bestehende System des Stufenkettenbands verursacht rund ein Viertel der Gesamtkosten einer Fahrtreppe. Neben diesen hohen Herstellkosten, die u.a. durch die Werkzeugkosten der Alu-Druckgussstufen entstehen, waren die relativ aufwendige Wartung, die hohe Variantenvielfalt und die hohen Kundenanforderungen in punkto Sicherheit und Design die Ausgangsbasis für die Forderung  nach neuen und innovativen Lösungen in diesem Bereich.

Mithilfe von Primär- und Sekundärdatenrecherche (101 Interviews mit Markt- und Technologieexperten und 93 Interviews mit Kunden und Fahrtreppenbenutzern) konnten in der zweiten Phase insgesamt 57 für das Suchfeld relevante Trends und Bedürfnisse identifiziert werden. Daraus wurden die Trends „Materialverbesserung“, „Neues Bewegungssystem für Stufen“ und „Vereinfachung der Montage und Demontage“ ausgewählt, um in Phase III weiterverfolgt zu werden.
Das Ziel der Phase III war es, innerhalb dieser drei Trends Lead User zu indentifizieren. Basierend auf  223 geführten Interviews mit potentiellen Lead Usern und zahlreichen Postings in zehn verschiedenen Fachforen konnten schließlich 14 Lead User identifiziert werden, die Zeit hatten, am Lead-User-Workshop in Phase IV teilzunehmen. Insgesamt wurden im Rahmen dieser Interviews bereits 37 spannende Ideen für das vorliegende Suchfeld genannt. In einer gemeinsamen Arbeitssitzung mit Schindler wurde beschlossen, zehn Lead User zum Workshop einzuladen, um gemeinsam innovative Lösungen für das Stufenkettenband bei Fahrtreppen zu entwickeln.

Dieser dreitägige Lead-User-Workshop in Phase IV bildete den Abschluss und Höhepunkt des Lead-User-Projektes. In mehreren intensiven Teamsessions und Feedbackrunden im Plenum entwickelten die zehn eingeladenenen Lead User gemeinsam mit drei Mitarbeitern von Schindler unter Begleitung von studentischen Moderations- und Dokumentationsteams fünf innovative Konzepte für das Stufenkettenband bei Fahrtreppen.

  • Das Konzept „Rope Board“ besticht durch ein wartungsfreies Seilsystem, das die Instandhaltungskosten für Fahrtreppen deutlich minimiert.

  • Die „Hydro-Treppe“ bezieht sich auf ein hoch innovatives Beförderungsssystem, bei der die Bewegung der Stufen durch flexible und elastische Materialien ermöglicht wird.

  • Die innovative Lösung „No Gap Step“ kombiniert eine neuartige Antriebstechnik mit einer Erhöhung der  Sicherheit auf einer Fahrtreppe durch Entschärfung von Gefahrenzonen.

  • Das Konzept „Stufen-Sparer“ ermöglicht eine Reduzierung der Anzahl der verwendeten Stufen in einer Fahrtreppe mit Hilfe eines speziellen Hakensystems.

  • Der „innovative Gliederförderer“ kombiniert neuartige Stufen aus Stanzbiegeteilen mit einem Linearantrieb und ermöglicht somit den Entfall der Kette.

Eine erste Bewertung der entwickelten Konzepte in Bezug auf  Innovationsgrad, Nutzen, wirtschaftliche und technische Umsetzbarkeit sowie Marktpotential zeigt, dass alle Konzepte hohes Potential aufweisen und für Schindler sowohl für den kurz- und mittelfristigen als auch für den langfristigen Bereich einen wertvollen Input für die Weiterentwicklung zu marktreifen Produkten darstellen.

Cooperation Partner

Student Team

  • Stephanie Kremlicka
    Valerie Kremlicka
    Olena Popova
    Nora Portisch
    Philipp Schebesta
    Michael Schwarzenberger