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Degussa Construction Chemicals AG - Flüssigkunststoffabdichtung im Brückenbau

Sommersemester 2006 

Executive Summary 

Ausgangssituation
CONICA Technik, eine Division der Degussa Construction Chemicals, hat ein neues Produkt im Bereich Brückenbau entwickelt, das es erstmals erlaubt, Asphaltbeton und Flüssigkunststoff zu koppeln. Dadurch wird gegenüber der derzeitigen Alternativvariante (Flüssigkunststoff mit Gussasphalt) eine effizientere und wesentlich kostengünstigere Abdichtung von Asphaltbetonfahrbahnen im Brückenbau ermöglicht. Trotz der technisch nachweislich besseren Eigenschaften sieht sich das neue Produkt am Markt einigen Vorurteilen gegenüber, was sich in Absatzproblemen widerspiegelt. 

Projektziel
Das Ziel des vorliegenden Projekts ist die Entwicklung einer Strategie zur nachhaltigen Steigerung der Akzeptanz der neuen Flüssigkunststoff-Asphaltbeton-Bauweise (FLK-AB). In weiterer Folge soll der Anteil der FLK-AB-Renovationen gegenüber den derzeit noch marktbeherrschenden Bitumen-Schweißbahn-Konstruktionen gesteigert werden.
Zur Erreichung dieses Ziels wird die Erstellung einer quantitativen Analyse angestrebt, die die gesamtwirtschaftlichen Kostenvorteile der neuen Bauweise verdeutlicht. Die Ergebnisse dienen in weiterer Folge zum Aufbau eines aktiven Lobbyings bzw. als Basis für Expansionsbestrebungen nach Osteuropa. 

Vorgehensweise
Den Großteil des Dateninputs bzw. die wesentlichsten Erkenntnisse lieferten die zahlreichen, auf über 100 Seiten protokollierten, persönlichen Interviews mit Vertretern der österreichischen Brückenbauwirtschaft, Entscheidungsträgern der Landes- und Stadtverwaltungen und Wissenschaftlern. Dabei wurden alle Experten auf diesem Gebiet mit Hilfe eines individuell abgestimmten Gesprächsleitfadens befragt. Auf Basis der Ergebnisse der Interviews wurden eine qualitative und eine quantitative Analyse durchgeführt.
Die qualitative Analyse zeigt derzeitige Problemfelder bei der Vermarktung der Innovation auf. Neben der Identifikation eines eher unvorteilhaften (innovationsfeindlichen) Marktumfelds in Österreich, ermöglicht eine transparente Darstellung komplexer Prozesse weitere wichtige Erkenntnisse. Diese sind konkret die Betrachtung des Ausschreibungsprozesses, der sich durch eine diffizile Principal-Agent-Problematik zwischen allen an einem Brückenbau potenziell beteiligten Parteien (Öffentlicher Auftraggeber, Bauunternehmer als Auftragnehmer und CONICA Technik als Subunternehmer) auszeichnet.
Die quantitative Analyse stellt den klaren gesamtwirtschaftlichen Kostenvorteil der neuen Technologie gegenüber der ursprünglichen Flüssigkunststoff-Bauweise in ausführlicher Weise dar. Dabei wurde die Kostendifferenz der FLK-AB-Bauweise gegenüber FLK-GA bei einmaliger Renovation bzw. über die gesamte Lebensdauer einer Brücke (etwa 24 Jahre) aufbereitet. Für die wesentlichen Inputparameter wurde weiters eine Sensitivitätsanalyse durchgeführt, sowie ein Worst-/Best-Case-Szenario gerechnet. 

Ergebnisse
Die gesamtwirtschaftliche Rechnung zeigt, dass die durch Verkehrsstauungen verursachten Zeitkosten, neben Treibstoff-, Arbeits- und Materialkosten, den größten Kostenblock bei Brückenrenovationen ausmachen. Insgesamt beläuft sich das Einsparungspotential durch die neue Bauweise, berechnet auf Basis einer Standardbrücke, auf bis zu EUR 33 Mio. Die Ergebnisse schaffen somit ein nachhaltiges Vermarktungsargument gegenüber den Entscheidungsträgern bei Ausschreibungsprozessen.
Um einen Praxisbezug herzustellen, wurden für fünf bestehende Brücken Österreichs abschließend reale Szenarien durchgerechnet.

Fortschritte
In einem Empfehlungskatalog werden Erkenntnisse und Vorgehensweisen zur Beseitigung der identifizierten Problemfelder übersichtlich dargestellt. Positiv hervorzuheben ist, dass bereits während des Projekts konsequent Maßnahmen und Aktionen seitens CONICA gesetzt wurden, die die Elimination der bestehenden Hürden vorantreiben. So sind notwendige Schritte für die Gründung einer Inlandstochter erfolgt. Dies ist für eine erfolgreiche Vermarktung bzw. Bewusstseinsbildung von essentieller Bedeutung. Auch konnte als wesentliches Projektergebnis die Kommunikation zwischen CONICA und den relevanten, österreichischen Institutionen stark verbessert werden.

Cooperation Partner

  • Degussa Construction Chemicals AG (Schweiz)
    CONICA Technik

    Uwe Ebel

Student Team

  • Sofia Elfstrand
    Tina Gschwindl
    Florian Nimmerrichter
    Jakob Prammer
    Bernhard Weidinger