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Palfinger AG - Innovationen durch Lead User

Wintersemester 2005/06 

Executive Summary

Lead-User-Projekt bei LKW-Kränen:

Laufende Innovation ist unbestritten ein wichtiger Faktor für den Erfolg von Unternehmen. Auch für das Unternehmen Palfinger, als international führender Hersteller hydraulischer Hebe-, Lade- und Handlingsysteme, spielt die ständige Entwicklung von Innovationen eine zentrale Rolle. Nicht zuletzt dadurch bestimmt sich die starke Position des Unternehmens im internationalen Markt.

Mit der Durchführung eines Lead-User-Projektes hat sich Palfinger für einen neuartigen Zugang zum Thema Innovation entschieden. Die Lead-User-Methode  wurde durch Prof. Eric von Hippel in den 80er Jahren am MIT entwickelt und zielt auf die Bearbeitung der frühen Phasen in der Neuproduktentwicklung ab. Sie baut auf dem Innovationspotential von besonders fortschrittlichen Usern (Lead User) auf und ist auf einen hohen Grad an Originalität und Neuheit der Innovationen („Breakthroughs“) ausgerichtet.  Lead User zeichnen sich zum einen dadurch aus, dass sie neue Bedürfnisse wesentlich früher als die Masse der Anwender verspüren (Trendführerschaft) und zum anderen, dass sie einen hohen Nutzen von Innovationen haben und daher oft selbst innovativ tätig werden. Studien haben gezeigt, dass die Attraktivität von Innovationen maßgeblich durch diese beiden Eigenschaften bestimmt wird.

Start des vorliegenden Projektes war am 10. Oktober 2005 im Rahmen einer Kick-off-Veranstaltung. Das interdisziplinär besetzte Team bestand aus acht E&I StudentInnen, drei Mitarbeitenden des Partnerunternehmens Palfinger sowie zwei Kursleitern.

In der ersten Phase des LU-Projektes wurde die Problemstellung, die im Bereich der  Standsicherheitsüberwachung von LKW-Kränen angesiedelt ist, genau definiert und klar abgegrenzt. Konkretes Ziel des Lead-User-Projektes war es, innovative Lösungen zu finden, die es den Kranfahrern ermöglichen, das Kippen des Kranes frühzeitig zu erkennen, insbesondere bei nicht oder nicht voll ausgefahrenen Abstützungen. Lösungen in diesem Bereich sind gerade deshalb von großer Bedeutung, da aufgrund von räumlichen und zeitlichen Gegebenheiten eine volle Abstützung häufig nicht möglich ist. Die Aufgabenstellung in diesem Lead-User-Projekt zielt somit auf die Findung von neuartigen Ideen für ein reales Problem ab, für das derzeit noch keine befriedigenden Lösungen am Markt verfügbar sind.

In Phase 2 des Lead-User-Projektes wurde für das vorliegende Suchfeld eine Trend- und Bedürfnisanalyse durchgeführt. Neben einer ausführlichen Sekundärdatenrecherche wurden dazu 251 Gespräche mit Markt- und Technologieexperten geführt, darunter auch zahlreiche Gespräche mit Kranfahren, die mit der Problematik der Standsicherheitsüberwachung regelmäßig konfrontiert sind. Aus insgesamt 13 für das Suchfeld als relevant identifizierten Trends wurden schließlich die Trends „Automatisierung“, „Flexibler Einsatz“ und „Sensorsysteme“ für die weitere Bearbeitung in der nächsten Phase ausgewählt.

In Phase 3, die der Identifikation von Lead Usern und deren Ideen gewidmet war, wurden mit Hilfe der Pyramiding Methode 157 Interviews mit potentiellen Lead Usern geführt. Unterstützt durch weitere 184 elektronische Kontakte (via Email oder in Online Foren) konnten so schließlich 25 Lead User und bereits 58 konkrete Lead User Ideen identifiziert werden. Aus dem Kreis der 25 identifizierten Lead User wurden zehn zur Teilnahme am Lead-User-Workshop in Phase 4 eingeladen. Wesentlich für die Auswahl der Lead User war die hohe Ausprägung der beiden Lead-User-Eigenschaften „Trendführerschaft“ und „Nutzen“, wobei viele Lead User aus analogen Märkten kamen.

In Phase 4 gipfelte das Lead-User-Projekt in einem dreitägigen Lead-User-Workshop, der von 12. - 14. Jänner 2006 in einem externen Seminarhotel stattfand. In drei Untergruppen zu je drei Lead Usern und einem Mitarbeiter von Palfinger wurden drei innovative Lösungen für die Standsicherheitsüberwachung bei LKW-Kränen entwickelt. Jede Kleingruppe wurde dabei von zwei StudentInnen durch Moderation und Dokumentation unterstützt. Die Zwischenergebnisse wurden regelmäßig im Plenum präsentiert, um eine Vernetzung zwischen den Gruppen zu ermöglichen.

  • Das Konzept „HSM - High Safety Monitoring“ besticht durch seine Sicherheit aufgrund redundanter Sensorsysteme.

  • Das Konzept „ISS - Integrated Safety System“ zeichnet sich vor allem durch die Möglichkeit einer permanenten Messung aus.

  • Das Konzept „DISSCO - Distance based Safety System for Crane Operation“ ermöglicht die exakte Bestimmung der Kippposition durch ein hoch innovatives Kompaktmesssystem.

Eine erste Bewertung der Ergebnisse zeigt, dass alle drei Konzepte sowohl in Bezug auf deren Innovativität als auch auf die technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit und das Marktpotential äußerst viel versprechend sind. Besonders beim Konzept DISSCO scheint ein „Breakthrough“ gelungen zu sein. Alle drei Konzepte wurden auch seitens des Projektpartners als enorm wertvoll eingestuft und werden weiterverfolgt.

Cooperation Partner

Student Team

  • Simone Anzböck
    Karin Beck
    Eleonora Farr
    Irene Fialka
    Stephan Hafner
    Katharina Klausberger
    Monika Rütgen
    Stefan Siegl