Vorlesen

I.S.A. Innovative Systemlösungen für die Automation GmbH - Innovationen durch Lead User

Sommersemester 2005

Executive Summary

Das Schindler Lead User Projekt - Innovative Lösungen für die Lagerlogistik:

Phase 1: Start des Lead User Projektes

Das Projekt begann mit einem Kick-Off am 28. März am E&I Institut. Anwesend waren 9 Studenten, Mag. Marion Pötz und Dr. Christoph Hienerth, sowie unser Projektpartner DI Sammer von der Firma I.S.A. aus Graz. Nach einer Vorstellungsrunde und einer Unternehmenspräsentation durch Herrn DI Sammer wurde gemeinsam das Suchfeld, die Projektziele, der angestrebte Innovationsgrad und die allgemeinen Rahmenbedingungen für die Zusammenarbeit mit der Firma I.S.A. festgelegt.
Ziel des Projektes war es, neuartige Produkte oder Prozesse in der Lagerlogistik für den B2B-Bereich zu finden, die mittels Software, Hardware oder einer Kombination aus beiden umgesetzt werden können. Es gab keine Einschränkungen bezüglich der Umsetzungstechnologie und der Entwicklungszeiten und kosten. Ausgeschlossen wurden lediglich Produkte für Wartung und Services.
Der Innovationsgrad der zu erarbeitenden Lösungskonzepte wurde von unserem Praxispartner mit 5 – 8 auf einer 10stufigen Skala angesetzt, es wurden also radikale Innovationen („Breakthroughs“) angestrebt.
Nach der Suchfeldpräsentation wurden gemeinsam mit dem Projektpartner analoge Märkte bzw. Bereiche diskutiert, in denen sich dem Zielmarkt ähnliche Problemstellungen wieder finden. Weitere Projekttermine und das von der I.S.A. zur Verfügung gestellte Projektbudget wurden ebenfalls in dieser Phase festgelegt.

Phase 2: Identifikation von Trends und Bedürfnissen

Zur Identifikation von Trends und Bedürfnissen wurden 46 Interviews mit Experten aus der Lagerlogistik, Kunden und Partnern der Firma I.S.A sowie Experten aus analogen Märkten geführt.
Darüber hinaus wurden über 130 Sekundärquellen – internationale Logistik-Fachzeitschriften, Online-Datenbanken, WU-Bibliothek, Online-Foren, etc. – nach relevanten Trends durchsucht.
Für das Suchfeld konnten 6 relevante Trends identifiziert werden, die anhand der Kriterien Relevanz und Transferierbarkeit auf das Suchfeld bewertet wurden.

Gemeinsam mit den Praxispartnern wurden folgende Trends ausgewählt, auf die sich in Phase 3 die Suche nach Lead Usern konzentrieren sollte:
• Tracking: Lokalisierung von Waren im Lager
• Performance Measurement: Kennzahlen der Lagerlogistik
• Flexibilität: Dynamische Anpassung des Lagers an neue Gegebenheiten

Phase 3: Identifikation von Lead Usern und deren Ideen

Entlang der in Phase 2 ausgewählten Trends wurden in dieser Projektphase potentielle Lead User mittels Pyramiding und Posting gesucht. Hauptaugenmerk wurde auf den Einsatz von Pyramiding gelegt, eine Methode, bei der man über Weiterempfehlung zur gewünschten Zielperson gelangt. Ausgangsbasis für diese waren die Referenzlisten der Firma I.S.A., die zuvor befragten Experten und User, Sekundärliteratur und diverse virtuelle Fachforen und Communities. In dieser Phase wurden 270 Anwender kontaktiert, über 120 Interviews durchgeführt und in 28 Communities 30 Postings platziert. Von 25 potentiellen Lead Usern wurden schließlich sieben zum Lead User Workshop eingeladen.

vgl. unten

Abbildung 1: Der Pyramiding Prozess zur Lead User Identifikation

Phase 4: Entwicklung von Lösungskonzepten (Workshop)

Die letzte Phase des Lead User Projektes, der Lead User Workshop, fand vom 2.-4. Juni in einem Seminarhotel in Hinterbrühl im Wienerwald statt. Der Workshop begann mit einem gegenseitigen Kennenlernen von Lead Usern, Praxispartnern, Seminarleiter und StudentInnen sowie einer Vorstellung der bisherigen Projektergebnisse. Die Teilnehmenden wurden anschließend in drei Teams eingeteilt. Jedes Team bestehend aus Lead Usern und Mitarbeitenden von ISA wurde von einem StudentInnenteam begleitet. Das StudentInnenteam erfüllte die Funktionen des Moderators und Dokumentars und unterstützte die Gruppen bei der Ideenfindung und -weiterentwicklung.
Der Workshop wurde in drei Arbeitseinheiten eingeteilt. Der erste Teil beinhaltete ein Brainstorming, um möglichst viele Ideen zu generieren, diese danach zu bewerten und sich auf die vielversprechendeste Idee oder Ideenfamilie festzulegen. Im zweiten Teil wurden die zuvor ausgewählten Ideen konkretisiert und weiterentwickelt. Den Abschluss bildete der dritte Teil mit einer detaillierten Ausarbeitung und Finalisierung der Ideen in die Richtung von innovativen Lösungskonzepten für das vorliegende Suchfeld.
Zwischen den einzelnen Arbeitsphasen wurden die vorläufigen Ergebnisse im Plenum präsentiert und gemeinsam diskutiert. Dadurch wurden die Ideen von mehreren Seiten betrachtet, wodurch alle Lead User ihre Erfahrungen und Anregungen zur weiteren Bearbeitung einbringen konnten. Am Ende der letzten Arbeitsphase konnte jede Gruppe ein innovatives Produktkonzept präsentieren, welches sich durch Neuartigkeit und einen ersten Plan zu dessen Umsetzung auszeichnete. An diese Präsentation schloss eine Bewertung der Konzepte an. Die Ideen wurden anhand folgender Parameter bewertet:

Grad der Originalität der Idee

  • Neuheit im Vergleich zum bestehenden Marktangebot

  • Nutzen zur Lösung der Problemstellung

  • Technische Umsetzbarkeit in ein marktreifes Produkt

  • Wirtschaftliche Umsetzbarkeit in ein marktreifes Produkt

  • Potential der Idee, eine neue Produktlinie zu generieren

  • Umsatzpotential der Idee in fünf Jahren

Die Ergebnisse der Bewertung anhand dieser Kriterien weisen bereits auf einen sehr starken Innovationscharakter der entwickelten Lösungskonzepte hin (siehe Tab. 1) Die folgende Kurzbeschreibung soll den Inhalt der Konzepte knapp wiedergeben:

  • Konzept 1: Die „Automated Tracking“ beinhaltet die Neukonzeption eines Lagers unter Einsatz modernster Navigations- und Lokalisationstechnik.

  • Konzept 2: Das „Performance Modul Human Resources“ versucht einzelne, bis jetzt nicht messbare, Abläufe im Lager (vor allem Warenein- und -ausgang) abzubilden und anhand von Kennzahlen zu analysieren.

  • Konzept 3: Das „Learning Warehouse“ stellt ein hochinnovatives Konzept im Bereich der Softwareentwicklung der Lagersystemsteuerung dar. Es soll ein selbst lernendes und dadurch selbst optimierendes System entwickelt werden.

Ergebnisse der Abschlussbewertung*

 Konzept 1 Konzept 2 Konzept 3 Mittelwert
Grad der Originalität der Idee 3,402,604,303,40
Neuheit im Vergleich zum bestehenden Marktangebot 3,803,204,803,40
Nutzen zur Lösung der Problemstellung 4,504,604,404,50
Technische Umsetzbarkeit in ein marktreifes Produkt 4,504,402,403,80
Wirtschaftliche Umsetzbarkeit in ein marktreifes Produkt 3,703,802,103,20
Potential der Idee, eine neue Produktlinie zu generieren 3,803,303,503,50
Umsatzpotential der Idee in fünf Jahren 4,104,402,103,50

* basierend auf einer fünfstufigen Skala: 1=sehr gering, 2=gering, 3=mittel, 4= hoch, 5=sehr hoch
Tabelle 1: Bewertung der innovativen Produktideen

Im Zusammenhang mit dem Kriterium des Umsatzpotentials in 5 Jahren zeigt sich die Langfristigkeit des Konzeptes 3 und die damit schwieriger abzuschätzende technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit. Zusätzlich stellen die Neuheit im Vergleich zum bestehenden Marktangebot als auch der Grad der Originalität der Idee dieses Konzeptes mit Werten von 4,80 und 4,30 ausgesprochen hohe Werte dar. Dies ist vor allem für hochinnovative und visionäre Basistechnologien charakteristisch. Die Konzepte 2 und 3 sind mittelfristig umsetzbar (technisch und wirtschaftlich) und weisen überdurchschnittliche Werte im Bereich der Neuheit und Originalität auf. Alle drei Konzepte erhielten sehr hohe Bewertungen im Bereich des Nutzens zur Lösung der Problemstellung und spiegeln damit eine große Relevanz der entwickelten Ideen wieder.
Die Bewertung zeigt, dass die anfangs formulierten Ziele (Innovationen mit hohem Innovationsgrad und Produktideen mit hohem Nutzen für den Anwender) erfüllt wurden. Alle Konzepte lagen in den dafür relevanten Kriterien im oberen Bewertungsbereich. Zusätzlich ergaben sich Lösungen, welche es dem Projektpartner ermöglichen, einen kontinuierlichen und langfristigen Beitrag zur Steigerung der Neuproduktrate zu generieren.

Fazit:

In nur knapp vier Monaten konnte ein Lead User Projekt durchgeführt und drei hochinnovative Konzepte generiert werden. Da es im genannten Suchfeld auf Grund des fortgeschrittenen Produktlebenszyklus keine radikalen Innovationen mehr gegeben hat und verschiedene Methoden, Prozesse und Bereiche schon als ausgereizt gelten, war es für die Lead User und den Praxispartner ein besonders erfreuliches Ergebnis, innovative, hochwertige Konzepte im Rahmen des Workshops zu entwickeln.

Es konnte erneut bestätigt werden, dass die Lead User Methode ein geeignetes Instrument ist, um radikale Innovationen zu generieren. Alle drei entstandenen Konzepte wurden sehr innovativ und wertvoll eingestuft und werden von der Partnerfirma weiterverfolgt. Es handelt sich dabei sowohl um Neuentwicklungen mit deren Umsetzung sofort begonnen werden kann, als auch um Ideen, die noch einer technischen Weiterentwicklung bedürfen.

Für die StudentInnen selbst war das Projekt eine einzigartige Möglichkeit, Theorie und Praxis zu verbinden und ihr Wissen in die Tat umzusetzen. Die produktive Kooperation mit der Partnerfirma ISA, genauso wie die interessante Zusammenarbeit mit höchst kompetenten und innovativen Lead Usern, war eine Erfahrung, die den hohen Arbeitsaufwand in jeglicher Form rechtfertigt und kompensiert. 

Cooperation Partner

Student Team

  • Markus Fuhrmann
    Christopher Hader
    Claudia Käfer
    Felix Köppl
    Marielies Schwarz
    Lisa Skribsky
    Martina Warmuth
    Filip Zganjer

Anhang: Abbildungen