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Erfolgsfaktoren von Toolkits for User Innovation and Design: eine empirische Analyse

Sommersemester 2004 

Executive Summary

Hintergrund 

Der Erfolg eines Unternehmens wird zunehmend von der Fähigkeit zur Entwicklung neuer Produkte geprägt. Generell kämpfen Unternehmen jedoch mit Misserfolgsquoten neuer Produkte von bis zu 90%.  Die hohen Flopraten können zu einem Gutteil auf eine schlechte Übereinstimmung zwischen Produkteigenschaften und individuellen Bedürfnissen der Anwender zurückgeführt werden. Empirische Studien belegen, dass Kunden/Kundinnen diverser Branchen sehr heterogene Bedürfnisse haben. Resultat ist eine Vielzahl von Kunden/Kundinnen, die mit Standardprodukten unzufrieden sind bzw. vom Markt unzureichend bedient werden.

Um dieses Problem zu lösen existiert seit kurzem ein revolutionärer Ansatz: Mit Hilfe des Konzeptes „Toolkit for User Innovation and Design“ kann nun der einzelne Kunde/die einzelne Kundin aktiv in den Produktentwicklungs- und Designprozess integriert werden. Mit Hilfe eines geeigneten Werkzeuges (dem Toolkit) kann jeder individuelle User sein eigenes Produkt entwickeln bzw. designen.   Der User kann eigene Designs bzw. Produktvarianten erstellen und ausgiebig testen. Der Hersteller übernimmt die Produktion des entwickelten Designs.

Der große Vorteil ist, dass auf diese Weise bedürfnisbezogene, schwer kommunizierbare Information („sticky information“) effizient vom User zum Hersteller transferiert werden kann. Toolkits stellen somit eine Alternative zum traditionellen Produktentwicklungsprozess dar. In diesem werden die Bedürfnisse des Kunden/der Kundin zunächst ermittelt. Dann wird vom Hersteller ein Produkt“vorschlag“ entwickelt, der diesen Bedürfnissen (möglichst gut) gerecht wird und in Akzeptanztests den Kunden/Kundinnen vorgelegt. Üblicherweise sind relativ häufige Iterationsschritte zwischen Hersteller und Kunden/Kundinnen nötig - der Prozess ist insofern zeitaufwändig und teuer.

Die Grundidee von Toolkits ist es hingegen, Produkte auf die Bedürfnisse des Users maßzuschneidern – vielmehr die User in die Lage zu versetzen, dies selbst zu tun. Der Fit zwischen Kundenbedürfnis und Produkt erfolgt damit besser sowie potentiell schneller und mit geringeren Kosten. 

Determinanten des erfolgreichen Toolkit-Einsatzes aus Sicht des Herstellers 

Die Zahl von Unternehmen, die mit Toolkits arbeiten, nimmt sowohl auf dem B2B- als auch auf dem B2C-Sektor ständig zu. Die wissenschaftliche Forschung zu Toolkits steht jedoch erst am Anfang. Die Zahl empirischer Studien zu diesem Thema ist noch relativ gering, wie ein Literatur-Überblick von Franke und Piller zeigt.   Der größte Teil der Literatur, der sich mit dem Thema Toolkits beschäftigt, geht über konzeptionelle Arbeiten bzw. Fallstudien nicht hinaus. Bis dato existiert keine systematische Analyse der Erfolgsfaktoren von Toolkits for User Innovation and Design. Da Toolkits jedoch eine Reihe an potentiellen Vorteilen für einen Produzenten bieten, ist es vor allem für Hersteller von großer Bedeutung, die Erfolgsfaktoren für den Einsatz von Toolkits zu kennen. 

Aus diesem Grund stellen sich folgende Forschungsfragen: Welche Ziele verfolgen Hersteller mit dem Toolkit-Einsatz? Welche Toolkit-Charakteristika erklären die Erreichung dieser Ziele? 

Auf Basis von Fallstudien geben von Hippel und Katz fünf Gestaltungsempfehlungen für erfolgversprechende Toolkits: Ermöglichung von Learning by Doing durch ein Trial-and-Error-Verfahren (Direct Feedback), ein geeigneter Lösungsraum (Solution Space), Bedienerfreundlichkeit (User Friendliness), Standardmodul-Bibliotheken (Module Library) und die reibungslose Überleitung der erstellten Designs in die Produktion.  Diese Gestaltungsempfehlungen für den erfolgreichen Einsatz von Toolkits bilden den Ausgangspunkt für die vorliegende Studie. Die Untersuchung beschränkt sich dabei nicht nur auf das Toolkit selbst, sondern bezieht in den Einsatz von Toolkits virtuelle User-Communities mit ein. Die Relevanz der Einbindung von virtuellen Communities wird durch aktuelle empirische Befunde gestützt: (End-) User-Innovationen scheinen in einem hohem Ausmaß in Communities zu erfolgen . Zudem konnte im Rahmen einer Pilotstudie gezeigt werden, dass virtuelle User-Communities in der Lage sind die Nutzung von Toolkits zu verbessern.  Dies sind Hinweise dafür, dass beide Ansätze im Zusammenhang gesehen werden sollten. Unser Erkenntnisstand ist aber noch sehr dünn. Aus diesem Grund wurde die Unterstützung des Toolkit-Ansatzes durch virtuelle Communities in das Forschungsmodell integriert. Dieses soll im folgenden Abschnitt vorgestellt und einer Prüfung an der Realität unterzogen werden. 

Fazit und Ausblick 

Es konnte zum ersten Mal umfassend empirisch untersucht werden, welche Ziele Hersteller mit dem Einsatz von Toolkits verfolgen. Es zeigt sich, dass vor allem produkt- und kundenbezogene Ziele bis dato von den Herstellern verfolgt und auch erreicht werden. Das Ziel der Verlängerung des Produktlebenszyklus steht dabei im Vordergrund. Ein weiteres zentrales Ergebnis ist, dass unterschiedliche Eigenschaften von Toolkits zur Erreichung dieses Ziels beitragen. So konnte vor allem die Unterstützung des Toolkit-Einsatzes durch User-Communities als ein wesentlicher Erfolgsfaktor für den Hersteller identifiziert werden.

Künftige Forschung wird sich verstärkt der Frage widmen müssen, wie das Zusammenspiel zwischen dem Einsatz von Toolkits und User-Communities optimal gestaltet werden kann.  

Student Team

  • Marc Bintinger
    Peter Brandhofer
    Helmut Bruckner
    Maria Ertl
    Christoph Gamsjäger
    Petra Hofmann
    Gilda Kasmaei
    Daniel Lewandowski
    Anatol Mika
    Simona Oravcova
    Raimund Ossinger
    Dominik Pfarl
    Michael Raith
    Stefanie Schneider
    Dominga Schramm
    Clemens Stieböck
    Michael Schuster
    Margret Stix
    Philipp Teloni
    Gerald Theissl
    Simone Wilhelm
    Magdalena Wasowicz