Suche nach alternativen Anwendungsfeldern für einen Sensor zur Detektion von Wundinfektionen

05. Juli 2016

JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH HEALTH / Sommersemester 2016

EXECUTIVE SUMMARY

Im Rahmen des Projektkurses „New Business Development“ des Instituts „Entrepreneurship & Innovation“ der Wirtschaftsuniversität Wien, wurden mögliche Einsatzfelder für eine neue Technologie der JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft, Institut HEALTH, eruiert und evaluiert. Es handelt sich bei der Innovation um einen Sensor, der aus einem Wundabstrich die Aktivität des körpereigenen Enzyms Myeloperoxidase (MPO) bestimmen kann. Von der gemessenen MPO Aktivität ist ein Rückschluss auf das Vorliegen einer Wundinfektion und auch des Infektionsgrades möglich. Das Innovationsprojekt wurde mit Hilfe des Konzepts des „Technology Competence Leveraging“ durchgeführt. Dabei wird auf das Wissen von (potenziellen) Usern und Experten zurückgegriffen, um möglichst viele verschiedene Anwendungsgebiete zu ermitteln. Das Projekt bestand aus vier Phasen:

Phase 1: Identifikation der Benefits der Technologie

Im Zuge der ersten Phase wurden insgesamt über 30 aktuelle User, Experten und potenzielle Kunden im aktuellen Zielmarkt, also im medizinischen Bereich interviewt. Aus den erhaltenen Rückmeldung konnten 8 substantielle Benefits der Technologie abgeleitet werden. Diese wurden dann anhand der Anzahl der Nennungen und des in den Interviews ausgedrückten "Needs", also dem Bedürfnis für solch eine Lösung, gereiht. Daraus ergaben sich dann drei „Key Benefits“. Die meistgenannten nützlichen Eigenschaften waren Schnelligkeit und Genauigkeit des Messverfahrens im Vergleich mit herkömmlichen Tests. Diese wurden zu dem Benefit „Schnelle metrische Ergebnisse“ zusammengefasst. Ein weiterer wichtiger Vorteil war die einfache Bedienung des Geräts. Ein starkes Bedürfnis danach, vor allem in der Notversorgungsmedizin, war ausschlaggebend für die Identifikation des Benefits "Einfache Handhabung". Auch die Tragbarkeit des Sensors spielt, speziell im Bereich der mobilen Pflege, eine wichtige Rolle. Dies spiegelt sich in dem dritten Key Benefit "Portable Messeinheit" wider.

Phase 2: Suche nach neuen Anwendungsfeldern

In weiterer Folge wurde mittels Kreativitätstechniken, Posts in Internetforen, Patentrecherche und Interviews mit potenziellen Problemhaltern nach analogen Problemsituationen gesucht. Dabei wurden Gespräche mit über 100 potenziellen Nutzern des Sensors geführt und so 30 verschiedene Einsatzbereiche ermittelt. Die Anwendungsgebiete wurden mit Hilfe einer Skala in Bezug auf „Strategic Fit“ und „Benefit Relevance“ ausgewertet und nach Relevanz für die JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft gereiht.

In Folge wurden drei Top- Anwendungsbereiche identifiziert. Einerseits war dies der Bereich der chronischen Wunden, wobei hier noch eine weitere Differenzierung zwischen dem Zweck der Messung der Keimbelastung (vor allem in Krankenhäusern und spezialisierten Wundambulatorien) und dem Wundmonitoring (ambulant durch mobile Wundpfleger) erfolgte. Andererseits erwies sich die Verbrennungsmedizin als ein vielversprechender Markt.

Phase 3 & 4: Analyse der ausgewählten Anwendungsgebiete und Erstellung von Verwertungsstrategien

In den letzten Phasen des Projekts wurden die drei finalen Anwendungsbereiche mithilfe von Markt-, PESTEL-, SWOT-, Wettbewerbs- und Wertkettenanalysen genauer untersucht. Auf Grundlage dieser wurde jeweils ein Business Model Canvas erstellt um das jeweilige Geschäftsmodell, welches sich aufgrund der Analysen herauskristallisiert hatte, visualisieren zu können. Abschließend erfolgte die Erarbeitung einer Roadmap für einen potenziellen Markteintritt des Projektpartners.

Finale Empfehlung

In der finalen Phase des Projekts stellte sich heraus, dass ein Markteintritt in den Markt „Wundmonitoring von chronischen Wunden“ am Vorteilhaftesten ist, da in diesem Bereich das Marktpotenzial von rund 13 Millionen Euro in Österreich am höchsten ist. Es handelt sich dabei um einen wachsenden Markt mit relativ geringer Wettbewerbsintensität, was die Situation für den potenziellen Markteintritt noch verbessert. Für die weitere Umsetzung wird eine Kooperation mit einem etablierten Medizintechnikhersteller über ein Lizenzierungskonzept empfohlen. Somit können Produktion und Vertrieb an Spezialisten ausgelagert sowie Marktmacht und Referenzen des Partners genutzt werden.

Cooperation Partner

  • JOANNEUM RESEARCH Forschungsgesellschaft mbH HEALTH
    Neue Stiftingtalstraße 2
    8010 Graz
    Österreich

  • Contact Person
    Dr. Martin Hajnsek
    martin.hajnsek@joanneum.at
    +43 316 876-4123

Student team

  • Astrid Koger

  • Barbara Janczer

  • Benedikt Pfaffenwimmer

  • Christoph Jeschke

  • David Varga

  • Georg Fischer

  • Johanna Einsiedler

  • Justina Stöger

Projektbetreuung

  • Assoz. Prof. Dr. Peter Keinz

  • Mag. Philipp Topic

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