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Wo stehen die Universitäten 80 Jahre nach der Nazi-Zeit?

2018 jährt sich der „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich zum 80. Mal. Für die damalige Hochschule für Welthandel brachte die Machtübernahme des Nationalsozialismus tiefgreifende Veränderungen mit sich. Die WU hat das Gedenkjahr zum Anlass genommen, ihre dunkle Geschichte aufzuarbeiten. Am 24. April lädt die WU im Rahmen von WU matters. WU talks. zur Public Lecture „Wo stehen die Universitäten 80 Jahre nach der Nazi-Zeit“ ein.

Nach einer kurzen Lesung von Burgschauspielerin Elisabeth Orth diskutieren Johannes Koll, Mitarbeiter am WU-Institut für Wirtschaftsgeschichte und Leiter des Universitätsarchivs der WU, der Vizekanzler a.D. Erhard Busek, Ferdinand Lacina, Finanzminister a.D. und Wissenschaftsredakteur Klaus Taschwer gemeinsam mit der Direktorin des Jüdischen Museums Danielle Spera darüber, auf welchen Grundlagen nationalsozialistische Hochschulpolitik aufbaute und wie sich die Hochschulen unter dem Hakenkreuz entwickelten. Mit Antworten auf diese Leitfragen versucht die Podiumsveranstaltung, den Bogen von der belasteten Vergangenheit der Dreißigerjahre in die Gegenwart zu schlagen. Mit Blick auf die Zukunft fragt sie, inwieweit die Hochschulen Konsequenzen aus historischen Fehlentwicklungen ziehen können. Auch der Umgang mit den Folgen der NS-Diktatur in der Nachkriegszeit wird thematisiert.

Aufarbeitung der Geschichte

Seit längerem arbeiten verschiedene österreichische Universitäten ihre Vergangenheit während des Nationalsozialismus auf. In Veranstaltungen, Gedenkprojekten, Ausstellungen, Publikationen und in der Provenienzforschung wird die Rolle der Hochschulen zur Zeit des NS-Regimes erforscht und der Öffentlichkeit nahegebracht. Die WU startete bereits 2010 mit dem NS-Provenienzforschungsprojekt der Bibliothek, das 1.121 potentiell bedenkliche Erwerbungen identifizierte und bereits zu vier umfassenden Rückgaben an Erben führte. 2012 wurde ein großes Gedenkprojekt ins Leben gerufen, das sich mit der Vertreibung jüdischer Studierender zur Zeit des „Anschlusses Österreichs“ beschäftigte und das auch dazu führte, dass an zentraler Stelle am Campus der WU ein Mahnmal zum Gedenken an die ab März 1938 ausgegrenzten, vertriebenen oder ermordeten Angehörigen der Hochschule für Welthandel errichtet wurde. Anlässlich des Gedenkjahres fand bereits Ende 2017 eine Buchpräsentation mit dem Titel „‘Säuberungen‘ an österreichischen Hochschulen 1934–1945 - Voraussetzungen, Prozesse, Folgen“ statt. Am 18. September folgt ein Sommernachtskonzert mit jüdischen MusikerInnen am Campus.

WU matters. WU talks.
Wo stehen die Universitäten 80 Jahre nach der Nazi-Zeit?

Wann: 24. April 2018, 18:00 Uhr
Wo: Festsaal 1, Campus WU, Gebäude LC, Festsaal
Zur Anmeldung

Lesung: Elisabeth Orth, Burgschauspielerin

Diskutierende: 

  • Dr. Erhard Busek, Vorstandsvorsitzender Institut für den Donauraum und Mitteleuropa, Vizekanzler a.D.

  • PD Dr. Johannes Koll, M.A., Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, WU

  • Dipl.-Kfm. Ferdinand Lacina, Finanzminister a.D.

  • Dr. Klaus Taschwer, Buchautor und Wissenschaftsredakteur, Der Standard

Moderation: Dr. Danielle Spera, Direktorin, Jüdisches Museum Wien



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