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Arbeitslosengeld: Längerer Bezug bringt besser bezahlte Jobs

Zirka 55 Prozent des ausgerechneten täglichen Nettoeinkommens, bemessen an der Jahresbeitragsgrundlage aus arbeitslosenversicherungspflichtigem Entgelt des vorletzten Jahres, stehen arbeitslosen Menschen in Österreich aktuell zu. Oftmals kritisiert wird dabei, dass eine längere finanzielle Unterstützung vorwiegend dazu beitrage, dass die Motivation, sich auf Arbeitssuche zu begeben, bei den Betreffenden durch die lange Zeit der Unterstützungsgelder sinken würde. Eine aktuelle Studie von WU-Wissenschaftlerin Andrea Weber macht jetzt deutlich, dass die Möglichkeit der verlängerten Arbeitssuche im Durchschnitt zu 0,5% höheren Löhnen in den neuen Jobs führt.

20 Wochen haben Arbeitslose in Österreich Anspruch auf Arbeitslosengeld. Mit entsprechend langem arbeitslosenversicherungspflichtigen Beschäftigungen vor der Arbeitslosigkeit und mit zunehmendem Alter verlängert sich der Anspruch, ebenso wie durch den Besuch von Weiterbildungen und Schulungen. Im Mittelpunkt des öffentlichen Diskurses darüber steht vielfach die Kritik, dass durch die lange Bezugszeit des Arbeitslosengeldes der Anreiz für viele fehle, sich wieder einen Job zu suchen. Eine aktuelle Studie von Andrea Weber vom Institut für Arbeitsmarkttheorie und –politik und Arash Nekoei kontert nun dieser Kritik, sie zeigt klar: Zwar erhöht ein neun Wochen längerer Bezug des Arbeitslosengeldes die Arbeitslosigkeit durchschnittlich um zwei Tage, gleichzeitig erreichen die Betroffenen aber in ihren neuen Beschäftigungen ein rund 0,5 Prozent höheres Einkommen. „Zahlreiche empirische Studien zeigten zwar bislang, dass längere Arbeitslosengelder auch zu längerer Arbeitslosigkeit führen, bislang fehlte aber eine schlüssige Antwort auf die Frage, ob sich eine längere Arbeitssuche positiv auf die Folgebeschäftigung auswirkt“, so Andrea Weber.

Umfassendere Betrachtung  

Die Wissenschaftlerin und ihr Kollege untersuchten die Ausweitung der maximalen Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes in Österreich von 30 auf 39 Wochen ab dem Alter von 40 Jahren und fanden, dass die Möglichkeit der verlängerten Arbeitssuche im Durschnitt zu 0.5% höheren Löhnen in den neuen Jobs führt. Dieses Ergebnisse haben Auswirkungen auf die optimale Ausgestaltung der Arbeitslosenunterstützung, da nicht nur die negativen Budgeteffekte durch längere Arbeitslosendauer, sondern auch die positiven Effekte durch höhere Beitragszahlungen in den neuen Jobs berücksichtigt werden sollten. „Eine längere Bezugsmöglichkeit des Arbeitslosengeldes bedeutet für viele auch, mehr Zeit für die Suche eines Jobs zu haben, der möglichst gut zu den eigenen Qualifikationen und Interessen passt. Bestenfalls stimmt dieser auch mit den Gehaltsvorstellungen des/der Suchenden ein. Ein höheres Einkommen nach der Arbeitslosigkeit schlägt sich dann auch in höheren Beitragszahlungen der Person später nieder. Auch diese Folgewirkung sollte in der politischen Diskussion berücksichtigt werden“, so Weber.  

Pressekontakt:
Mag. Anna Maria Schwendinger
PR-Referentin
Tel: + 43-1-31336-5478
E-Mail: anna.schwendinger@wu.ac.at



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