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Wie groß wird der volkswirtschaftliche Schaden durch die Coronakrise für Wien sein?

16/04/2020

Antwort von Gunther Maier, Forschungsinstitut für Raum- und Immobilienwirtschaft.

Elisabeth V.: Wie groß wird aus jetziger Sicht der volkswirtschaftliche Schaden durch die Corona-Pandemie für Wien sein?

Gunther Maier, Forschungsinstitut für Raum- und Immobilienwirtschaft::

In der aktuellen Situation, wo sich jeden Tag irgendein grundlegender Parameter ändert, ist diese Frage nur sehr schwer zu beantworten. Glücklicherweise haben Kolleginnen und Kollegen vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) sich schon mit der Frage der regionalen Betroffenheit mit den Folgen der Corona-Krise beschäftigt. Deren Ergebnisse sind online abrufbar. Aus diesen Ergebnissen kann man erste Schlussfolgerungen für Wien ziehen.

Wie kompliziert die Frage ist, zeigt schon ein Blick auf die Frage, wie stark denn Wien von der Pandemie selbst betroffen ist. Die Zahl der positiv getesteten Personen liegt heute mit 2101 bei knapp 15% des Österreichwertes. Nachdem mehr als 21% der Bevölkerung Österreichs in Wien wohnt, ist die Stadt also anscheinend unterdurchschnittlich stark von der Pandemie betroffen. Angesichts der hohen Bevölkerungsdichte und entsprechender Nähe zwischen den Menschen ist das beachtlich. Blickt man allerdings auf die Zahl der Todesfälle, so sind sie aktuell in Wien mit 4,28 pro 100.000 Einwohner fast gleich hoch wie in Gesamtösterreich (4,45). Es lässt sich also nicht einmal eindeutig sagen, ob Wien weniger oder durchschnittlich stark vom Corona-Virus selbst betroffen ist.

Was die volkswirtschaftlichen Auswirkungen betrifft, so sind die Unsicherheiten noch um einiges höher. Das WIFO erwartet, dass die österreichische Wirtschaft im Jahr 2020 um 2,5% schrumpfen wird, der Internationale Währungsfonds geht gar von einem Rückgang um 7% aus. Das ergibt eine Spanne von 10 bis 28 Mrd. Euro. Nachdem beide Quellen erwarten, dass ein Teil dieses Rückgangs im Jahr 2021 wieder aufgeholt werden kann, sollte der langfristige Schaden nicht so schlimm sein, wie es kurzfristig aussieht.

Natürlich trifft die Krise die einzelnen Branchen der Wirtschaft sehr unterschiedlich. Besonders schlimm erwischt der Lock-down den Tourismus, Beherbergung und Gastronomie sowie den Sektor Kunst und Unterhaltung. Andere wie das Gesundheits- und Sozialwesen, die öffentliche Verwaltung oder die Telekommunikation erleben sogar zusätzliche Nachfrage. Nachdem die Branchen in den Bundesländern unterschiedlich stark vertreten sind, schlägt sich die Krise auch regional unterschiedlich nieder.

Das ist der Ansatz, den die Kolleginnen und Kollegen vom WIFO verwendet haben, um die regionale Betroffenheit von der Corona-Krise abzuschätzen. Auf der Grundlage früherer Untersuchungen teilen sie die Sektoren der österreichischen Wirtschaft in fünf Gruppen von „nicht betroffen“ bis „sehr stark betroffen“. Danach berechnen sie die Anteile der Erwerbstätigen in diesen Gruppen in den österreichischen Bundesländern. Dabei zeigt sich, dass Tirol und Salzburg die am stärksten betroffenen Bundesländer sind. Sie weisen die niedrigsten Anteile an Nicht-betroffenen- und die höchsten Anteile an Sehr-stark-betroffenen-Branchen auf. In Wien liegen die Anteile der fünf Gruppen nahe an den Österreichwerten. Wegen des hohen Anteils an öffentlicher Verwaltung liegt der Anteil der Nicht-betroffenen-Branchen etwas höher, dafür schlägt sich der Kultur- und Unterhaltungssektor Wiens in einem etwas höheren Anteil an Stark-betroffenen-Branchen nieder. Die Kolleginnen und Kollegen vom WIFO kommen zum Schluss, dass sich „Vor- und Nachteile (…) zwischen den Regionen in erheblichem Maße“ aufheben.

Wie groß also wird der volkswirtschaftliche Schaden durch die Corona-Pandemie für Wien sein? Je nachdem, wessen gesamtwirtschaftlicher Prognose man folgt, zwischen 2 und 6,5 Mrd. Euro. Denn nach der Regionalisierung des WIFO sollte sich der Schaden in etwa nach dem Anteil an Erwerbstätigen auf die Bundesländer verteilen. Für Wien sind das 23,5%.

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