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Provenienzforschung

Provenienzforschung an der Universitätsbibliothek der Wirtschaftsuniversität Wien

Im Frühjahr 2010 begann die Universitätsbibliothek der WU Wien all jene Druckwerke,

die vor 1945 erschienen und seit 1933 in den Bestand aufgenommen worden sind, daraufhin zu untersuchen, ob es sich um Raubgut handelt. Den Schwerpunkt bildet die NS-Zeit (1938–1945), es wird aber auch die Zeit des autoritären Ständestaat-Regimes (1933–1938) in die Forschung einbezogen werden.

Überprüfung der Bestände – aktueller Stand

Die Überprüfung der circa 70.000 Bände des Bibliothekszentrums, der Bibliothek Wirtschaftssprachen und jener der OeNB Bibliothek Sozialwissenschaften ist inzwischen abgeschlossen. Bei rund zwei Prozent der Bücher besteht der Verdacht oder wurde erwiesen, dass es sich um Raubgut handelt. Die breite Streuung der Provenienzen – nur eine geringe Anzahl von Provenienzmerkmalen tritt wiederholt in mehreren Werken auf – stellt nicht nur sachlich, sondern auch zeitlich eine große Herausforderung für weitergehende Recherchen nach rechtmäßigen VorbesitzerInnen dar. Sie sind noch nicht abgeschlossen. Um ein Gesamturteil über den Umfang an raubgutverdächtigen Werken abgeben zu können, werden noch der Bestand der Bibliothek Recht sowie der Zeitschriftenbestand durchgesehen.

Restitutionen

Die Universitätsbibliothek der WU Wien möchte identifiziertes Raubgut so unbürokratisch wie möglich an vielleicht noch lebende rechtmäßige EigentümerInnen bzw. an heutige Anspruchsberechtigte zurückzugeben. Seit 2013 fanden sechs Restitutionen statt, weitere sind in Vorbereitung. Die Titel jener unrechtmäßig in den Besitz der WU Wien gelangten Bücher, deren ursprüngliche EigentümerInnen bzw. deren RechtsnachfolgerInnen bislang nicht ermittelt werden konnten, werden in der Kunst-Datenbank des „Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus“ veröffentlicht.