Zentrale Forschungsarbeiten des Instituts gruppieren sich um die Thematik
Märkte sind typischer Weise von
Unvollkommenheiten gekennzeichnet; das betrifft Güter-, Arbeits- und
Kapitalmärkte. In diesem Umfeld sind Fragen der technologischen Entwicklung und
von dynamischen Anpassungsprozessen von zentraler Bedeutung; die Themenfelder
Beschäftigung und Wettbewerb werden dabei unmittelbar und zentral angesprochen.
Die ersten beiden Projekte analysieren den Themenbereich Arbeitslosigkeit und Standortwettbewerb:
Dieses Projekt ist der längerfristigen
Forschungsthematik Dynamische Anpassungsprozesse in gesamtwirtschaftlichen
Modellen mit Güter- und Arbeitsmarktunvollkommenheiten entnommen.
(Bearbeiterin: Ingrid Kubin; gemeinsam mit Dr. Martin Currie, Manchester University, Großbritannien; Dr. Pasquale Commendatore, Università di Napoli Frederico II, Italien)
Fragestellung:
In Zuge der europäischen Integration werden sukzessive Schranken für den Güterhandel und für die Mobilität von Produktionsfaktoren (Arbeit und Kapital) reduziert. Industrielle Produktion kann verlagert werden; sie kann sich in Zentren konzentrieren, während in peripheren Regionen der Anteil industrieller Produktion gering ist. Von zentraler politischer Bedeutung ist, welche Effekte auf Beschäftigung und Arbeitslosigkeit von diesen Agglomerationsprozesse ausgehen können. In den Mittelpunkt des Interesses ist dabei auch zunehmend die Rolle der Steuerpolitik gerückt, da befürchtet wird, dass Länder steuerpolitische Instrumente strategisch einsetzen, um ihren Anteil an der industriellen Produktion zu erhöhen.
Bearbeitungsmethode:
Diese Frage wird theoretisch untersucht. Dazu werden Modelle der New Economic Geography, die Agglomerationsprozessse durch Wanderung von Arbeitskräften und Verlagerung von Produktionsstätten analysieren, aber in denen bislang Arbeitslosigkeit nicht thematisiert wurde, mit neu-keynesianischen makroökonomischen Modellen kombiniert, deren Fokus auf der Analyse von Arbeitslosigkeit liegt. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Analyse dynamischer Anpassungsprozesse gelegt, die in der Literatur typischer Weise vernachlässigt werden, und auf die Rolle der Steuerpolitik in diesen Prozessen. Dieses Projekt ist eingebettet in den SFB Internationale Tax Coordination.
(Bearbeiterinnen: Ingrid Kubin, gemeinsam mit Alexia Fürnkranz-Prskawetz, Gustav Feichtinger und Gernot Tragler; Theresa
Grafeneder-Weissteiner, Dissertationsprojekt)
Ökonomische Aktivitäten sind nicht gleichmäßig über einen Raum verteilt
- in einigen Regionen konzentrieren sich Industriebetriebe, andere sind
besonders durch Dienstleistungen gekennzeichnet. Andere Regionen sind
wiederum reine Wohngebiete. Welche ökonomischen Prozesse zu diesen
Mustern führen, untersucht die New Economic Geography. Ein
interdisziplinäre Forschungsteam, das Fachwissen in Ökonomie,
Mathematik und Demographie vereint, wird in diesem Modellrahmen die
Auswirkungen von Bevölkerungsalterung und Veränderungen in der
Arbeitsproduktivität über den Lebenszyklus auf sozio-ökonomische
Agglomerationsprozesse untersuchen und Empfehlungen für die
Wirtschaftspolitik ableiten. Die Weiterentwicklung mathematischen
Methoden und ökonomischer Modelle verspricht weitere Anwendungen auf
Probleme in den Wirtschaftswissenschaften und der
Bevölkerungswissenschaft.
(Bearbeiter: Oliver Schwank)
Dissertationsprojekt
Mit Hilfe eines Modells aus der New Economic Geography Literatur, das Agglomerationseffekte als Ergebnis von Linkages zwischen Unternehmen im Industriesektor darstellt, wird die Industriestruktur Südafrikas analysiert. Simulationen mit für Südafrika kalibrierten Daten erlauben eine Analyse und Bewertung der aktuellen Sektor – und Industriepolitik Südafrikas und zeigen Entwicklungschancen auf.
(Bearbeiterin: Anna Hammerschmidt)
Die im Rahmen von Forschung und Entwicklung auftretenden Externalitäten (Spillovereffekte) können zu Marktversagen führen. Typischerweise kommt es dann zu Unterinvestition (seltener auch zu Überinvestition) in Forschung und Entwicklung (FuE). Politikmaßnahmen zur Korrektur dieses Marktversagens sind u.a. Förderung von Forschungskooperationen, FuE Subventionen und Regelungen zum Schutz geistigen Eigentums. Eine zentrale Frage auf diesem Gebiet ist, welche Bedingungen – wie z.B. Nachfragestruktur – dieses Marktversagen hervorrufen. Die zur Analyse dieser Fragestellung verwendeten theoretischen Modelle stammen zum einen aus der industrieökonomischen Literatur und verwenden spieltheoretische Methoden, zum anderen werden Ansätze der endogenen Wachstumstheorie, die einen speziellen FuE Sektor enthalten, benutzt. Wissenschaftliche Kontakte werden v.a. mit der Universität Wien, dem Institut für Höhere Studien (Wien) und der Universität Giessen (Prof. Goetz) gepflogen.
(Bearbeiter: Florian Ramseger)
Dissertationsprojekt
Es ist bekannt, dass Marktversagen die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes behindern und daher Staatsintervention (wie z.B. Handelspolitik) rechtfertigen kann. Allerdings kann der Privatsektor oftmals diesem Markversagen ohne staatliches Eingreifen entgegenwirken; aus der betriebswirtschaftlichen Forschung ist beispielsweise bekannt, dass Mehr-Produkt-Firmen häufig als Reaktion auf Marktversagen entstehen. In diesem Projekt wird dieses interessante Thema aus einer volkswirtschaftlichen Perspektive untersucht: insbesondere werden die Kosten und der Nutzen für die Gesellschaft sowie die Implikationen für den Staat analysiert.
(Bearbeiter: Koen Smet)
Dissertationsprojekt
Anhand eines Heckscher-Ohlin Außenhandelsmodells, das die internationalen Handelsverflechtungen Südafrikas beschreibt, wird untersucht, wie die Integration Südafrikas in der Weltwirtschaft sich auf dem lokalen, südafrikanischen Arbeitsmarkt für die Periode 1993-2006 ausgewirkt hat. Das Konzept des Ausstattungsdreiecks (Endowment Triangle) erlaubt die Konstruktion eines drei-dimensionalen Außenhandelsmodells und erklärt mögliche Arbeitslosigkeit aufgrund der vorhandenen Faktorausstattung bzw. der verwendeten Produktionstechnologie. Die Spezifika des südafrikanischen Arbeitsmarktes werden aber nicht außer Betracht gelassen.
(Bearbeiter: Joachim Becker)
Hierbei geht es um die Herausarbeitung von Zusammenhängen zwischen sozio-ökonomischen Entwicklungswegen und Veränderungen in der Form der Governance einschließlich ihrer räumlichen Konfiguration. Diese Forschung schließt an politikrelevante Debatten an. Die Forschung ist komparativ konzipiert und hat damit in der Forschungslandschaft ein eigenes Profil. Gleichzeitig weist sie Bezüge zum übergreifenden Thema von Wachstum und Beschäftigung – mit explizitem Bezug auf Fragen des Raumes und Institutionen – auf.
Innerhalb der WU Wien besteht eine vielfältige Kooperation.
Kooperationen und enge wissenschaftliche Kontakte bestehen in Wien zu verschiedenen Institutionen der Universität Wien, zur AK und zur Österreichischen Forschungsstiftung für Entwicklungshilfe (ÖFSE).
International gibt es eine langjährige Kooperation mit Forschungseinrichtungen in Montevideo, Porto Alegre und Buenos Aires. Gute Forschungskontakte bestehen auch mit WissenschaftlerInnen in Grenoble und Kassel.