RIEGER Christoph
Economics, culture and development. Interactions in theory and in the case of Nepal
Die kulturelle Dimension des Entwicklungsprozesses und das Spannungsfeld zwischen traditionellen Gesellschaftsmustern und moderner Wirtschaftsentwicklung werden in der entwicklungsökonomischen Literatur stark vernachlässigt. Gerade im Lichte der ambivalenten Ergebnisse der westlichen Entwicklungshilfeprogramme liegt es daher nahe, einen Blick auf die „kulturelle Dimension" der Entwicklungszusammenarbeit zu werfen.
Wesentlicher Inhalt der Arbeit ist es daher, den Begriff „Kultur", insbesondere in Bezug auf anthrophologische Erklärungsmuster, in seiner Bedeutung für den Prozeß der Entwicklungszusammenarbeit zu evaluieren. Nach einer kurzen Darstellung des Entwicklungsbegriffs anhand der wesentlichen Theorien seit den 40er Jahren und der Einschränkung des Kulturbegriffs im anthropologischen Sinne, geht es um einen Versuch, Interaktionen zwischen Kultur und Entwicklung darzustellen. Dies wird in einem theoretischen Zeit-Raum-Raster versucht, der es ermöglicht, Aspekte der Distanz und Gegensätzlichkeit von Aspekten der Dauer und des Wandels analytisch zu trennen.
Die Haupthypothese der Arbeit, nämlich die Verschiebung der Interpretation (insbes. traditioneller) kultureller Elemente von „Entwicklungshindernis" und „Barriere" in den frühen Wachstums- und Modernisierungstheorien hin zu einer instrumentalisierenden „Bewußtmachung" und bewußter Einbeziehung kultureller Faktoren in den Prozeß der Entwicklungszusammenarbeit, wird durch neuere Strömungen („Human Development", „Endogenous Development") erhärtet.
Die Bedeutung der kulturellen Faktoren wird im zweiten Teil der Arbeit in einer Fallstudie in Nepal und im speziellen der Khumbu-Region am Fuße des Mt. Everest verdeutlicht. Hier zeigt sich anhand der Analyse einzelner Entwicklungsprojekte, daß eine Vernachlässigung der kulturellen Dimension im Design und in der Durchführung dieser Projekte zu verminderten Erfolgschancen führen kann.
September 1997