HISTORISCHE SOZIALWISSENSCHAFTEN AN EINER WIRTSCHAFTSUNIVERSITÄT
Wenn im Jahr 1993 zwei amerikanische Wirtschaftshistoriker, Douglass C. North und Robert Fogel, mit dem begehrten Nobelpreis für Ökonomie ausgezeichnet wurden, so unterstrich diese Ehrung einmal mehr den Stellenwert, den heute das Fach Wirtschaftsgeschichte im internationalen wissenschaftlichen Diskurs einnimmt. Es sind aber nicht nur die herausragenden Leistungen einzelner ausgezeichneter Forscher, die den Rang einer Wissenschaftsdisziplin verdeutlichen. Ein genauso wichtiger Indikator ist die Position dieser Disziplin in den Studienplänen führender Universitäten in aller Welt: in diesem Zusammenhang stellt Wirtschafts- und Sozialgeschichte in der Ausbildung von Wirtschaftsakademikern in den Vereinigten Staaten ebenso wie in Europa jeweils einen integralen Bestandteil des Curriculums dar. Die meisten Wirtschafts- und Sozialhistoriker stimmen heute darin überein, daß das Fach an der Schnittstelle zwischen Wirtschafts-, Sozial- und Kulturwissenschaften angesiedelt ist. Das bringt mit sich, daß das methodische Instrumentarium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ebenso Anwendung findet wie dasjenige der historischen Quellenkritik und wissenschaftlichen Hermeneutik.
DISSERTATIONEN
In den letzten Jahren setzt sich in der scientific community mehr und mehr die Auffassung durch, daß jede Beschäftigung mit einem wirtschaftsbezogenen Thema durch die Berücksichtigung der historischen Dimension an analytischer Schärfe gewinnt. Die Aufwertung des Faches Wirtschafts- und Sozialgeschichte in den Curricula besonders der angloamerikanischen Universitäten, aber auch der diversen interdisziplinären Studienprogramme, trägt dieser Erkenntnis Rechnung. Insofern ist es für jeden Studierenden im dritten Studienabschnitt eine attraktive Option, die Doktorarbeit am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte zu schreiben oder eine solche Arbeit, auch wenn sie einen betriebswirtschaftlichen oder volkswirtschaftlichen Schwerpunkt hat, zur Zweitbegutachtung an unserem Institut einzureichen (siehe Studienplan).
Grundsätzlich werden Dissertationsbegutachter auf Vorschlag des Studierenden vom Studiendekan in diese Funktion eingesetzt, nachdem Erst- bzw. Zweitbegutachter das von der Studentin oder dem Studenten vorgeschlagene Doktorarbeitsthema akzeptiert haben. Im Laufe ihrer Arbeit haben die Doktoranden nicht nur Anspruch auf qualifizierte Betreuung durch das wissenschaftliche Institutspersonal, sondern auch Gelegenheit, in eigens für Studierende des dritten Studienabschnitts abgehaltenen Seminaren den Fortgang ihrer Arbeit zu diskutieren und inhaltliche Fragen, deren Diskussion vor einem interessierten Forum sinnvoll erscheint, zu klären. Texte von hohem wissenschaftlichen Niveau sollten nach ihrer Vollendung publiziert werden. Es besteht die Möglichkeit einer Veröffentlichung im Rahmen von Schriftenreihen, die die Ordinarien des Instituts oder mit diesen zusammenarbeitende Einrichtungen herausgeben.
Auf dem Weg zur endgültigen Druckreife einer Dissertation bzw. bei der Erkundung von Finanzierungsmöglichkeiten für die Drucklegung bietet das Institut allen Autor/inn/en herausragender Arbeiten die nötige Unterstützung an.